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Australien (offiziell: Australischer Bund), Bundesstaat auf der südlichen Halbkugel, an der Grenze zwischen Indischem und Pazifischem Ozean; das Staatsgebiet umfasst den Inselkontinent Australien, die benachbarte Insel Tasmanien und die vorgelagerten Inseln.
Der Kontinent wird im Norden durch die Timorsee, die Arafurasee und die Torresstraße und im Osten durch die Korallensee und die Tasmansee begrenzt. Die südliche Begrenzung der Insel bilden die Bass-Straße und – ebenso wie im Westen – der Indische Ozean. Die Ost-West-Erstreckung beträgt 4 000 Kilometer, die Nord-Süd-Ausdehnung beläuft sich auf 3 700 Kilometer. Die Küstenlinie ist rund 25 760 Kilometer lang. Australien hat zusammen mit der Insel Tasmanien eine Gesamtfläche von 7 682 300 Quadratkilometern. Die Fläche des australischen Kontinents ohne die zugehörigen Inselgruppen und Tasmanien beträgt 7 614 500 Quadratkilometer.
Der Staat Australien setzt sich aus den sechs Bundesstaaten New South Wales, Queensland, South Australia, Tasmanien, Victoria und Western Australia sowie den beiden Bundesgebieten Australian Capital Territory und dem Northern Territory zusammen. Die von Australien abhängigen Gebiete umfassen das Australian Antarctic Territory (Australisches Antarktisterritorium), die Christmas Island, die Kokos-Inseln, das Territorium der Heard-Insel und der McDonald-Insel, die Norfolk-Insel, die Ashmore-Insel, die Cartier-Insel sowie das Korallenseeterritorium. Canberra, die Hauptstadt Australiens, liegt im Australian Capital Territory.
Die Landmasse des so genannten fünften Kontinents erhebt sich im Mittel etwa 300 Meter über den Meeresspiegel, und nur 6 Prozent der Gesamtfläche liegen höher als 610 Meter. Die unermessliche Weite des weitgehend unbesiedelten Landesinneren, das von weißen Australiern als Outback bezeichnet wird, umfasst Ebenen und niedrige Plateaus, die nach Nordosten abfallen. Ausgedehnte Küstenebenen, die eine mittlere Breite von 65 Kilometern haben,umrahmen den Kontinent. Die Küstenebenen im Osten, Südosten und Südwesten des Landes sind die am dichtesten besiedelten Gebiete Australiens.
Die Küstenebenen im Osten des Landes sind durch die Verwerfungszone der Great Dividing Range vom Landesinneren getrennt. Diese Gebirgsregion erreicht eine durchschnittliche Höhe von 1 220 Metern und verläuft von der Kap-York-Halbinsel im Norden parallel zur Ostküste bis zum australischen Bundesstaat Victoria im Südosten. Die Great Dividing Range gliedert sich in mehrere Ketten, wie etwa die Neuenglandkette, die Blue Mountains und die Australischen Alpen mit den Snowy Mountains. Im Bundesstaat Victoria nähern sich die Ausläufer der Great Dividing Range der Küste an; in diesem Bereich werden sie als Grampians bezeichnet oder gemäß dem Namen, den ihnen die hier lebenden australischen Ureinwohner verliehen, Gariwerd genannt. Der höchste Berg der Australischen Alpen und gleichzeitig auch die höchste Erhebung in ganz Australien ist der Mount Kosciusko mit 2 228 Metern; er gehört zu den Snowy Mountains im Bundesstaat New South Wales. Die Great Dividing Range setzt sich im Süden bis zur Insel Tasmanien fort, die vor etwa 13 500 bis 8 000 Jahren infolge eines Anstiegs des Meeresspiegels von der südöstlichen Spitze des Kontinents abgetrennt wurde.
Der Westaustralische Schild bedeckt mehr als die Hälfte der australischen Festlandfläche. Er erstreckt sich westlich einer gedachten Verbindungslinie zwischen der Ostküste des Arnhemlandes am Carpentariagolf bis zur Halbinsel Eyre im Bundesstaat South Australia und umrundet im zentralen Bereich des Landes die inneraustralische Simpsonwüste. Der Westaustralische Schild tritt in einem riesigen Tafelland zutage, einer Hochfläche mit einer durchschnittlichen Höhe um 400 Meter, die in eine Vielzahl von geologisch deutlich voneinander getrennten Blöcken gegliedert ist. Einige dieser Blöcke wurden angehoben und bildeten Hochflächen, andere senkten sich ab und bildeten so Tiefländer und Becken. Zu den Tiefländern gehören die Große Sandwüste im nordwestlichen Bereich des Westaustralischen Schildes, die Gibsonwüste in der zentralen Region sowie die Große Victoriawüste und die Nullarborebene, die beide im Süden des Schildes liegen. Die Nullarborebene, deren Name wörtlich „ohne Bäume” bedeutet, ist eine praktisch unbewohnte Kalksteintafel, die von aridem Klima geprägt ist. Sie ist durch ein ausgeprägtes Tunnel- und Höhlensystem gekennzeichnet, das Rückschlüsse auf die geologischen Vorgänge zur Zeit des australischen Urkontinents und seiner Weiterentwicklung ermöglicht.
Zu den Hochflächen im Bundesstaat Western Australia gehören die Hamersleykette und die König-Leopold-Kette in der westlichen und nordwestlichen Küstenregion sowie die Darlingkette, die landeinwärts von Perth ganz im Südwesten liegt. Die Macdonnellkette befindet sich im südlichen Gebiet des Northern Territory, während Stuart- und Musgravekette parallel zur Nordgrenze von South Australia verlaufen. Durch Erosion und starke Verwitterung haben sich in weiten Teilen des Westaustralischen Schildes, darunter auch im Kimberleyplateau und im Pilbara-Distrikt in Western Australia sowie im Arnhemland im Northern Territory, beeindruckende frei stehende Gesteinsformationen herausgebildet, die als Restberge bezeichnet werden.
Das Große Artesische Becken zwischen dem Westaustralischen Schild und der Great Dividing Range ist ein riesiges Gebiet aus ausgedehnten Ebenen, die einen Großteil der fruchtbarsten Acker- und Weideflächen in Australien umfassen. Es besteht aus drei Hauptbecken – dem Carpentariabecken, dem Eyrebecken und dem Murraybecken. Die sanften, von Hügelland durchzogenen Ebenen des Carpentariabeckens bilden einen schmalen Korridor, der vom Carpentariagolf zwischen dem Isa-Hochland am nordöstlichen Randgebiet des Schildes und der Great Dividing Range landeinwärts verläuft. Das Eyrebecken liegt südlich des Carpentariabeckens und erstreckt sich über eine Fläche von fast 1,3 Millionen Quadratkilometern vom Zentrum und Norden des Kontinents bis zum Südwesten von Queensland, in den Nordosten von South Australia und den Nordwesten von New South Wales. Im Norden des Beckens prägen weitläufige Hügelflächen das Landschaftsbild. Im klimatisch ariden Landesinneren wird die Landschaft zunehmend flacher und geht schließlich in eine Steinwüste über. In der Simpsonwüste nördlich des Eyresees an der westlichen Grenze des Beckens liegen ausgedehnte Sanddünen. Der Eyresee, einer der größten Salzseen des Landesinneren, befindet sich im niedrigsten Landesteil und dient im Rahmen der Binnenentwässerung zahlreichen Stromsystemen als Mündungssee. Westlich des Eyresees befindet sich im Zentrum von Australien der Uluru (Ayers Rock). Mit einem Sockelumfang von etwa 9 Kilometern gilt der Uluru, der sich mit einer Höhe von 348 Metern von der ebenen Umgebung weithin sichtbar abhebt, als einer der größten Monolithe der Welt.
Das Murraybecken verläuft von der Küste am Indischen Ozean in South Australia und Victoria bis in den Westen von New South Wales. Im Westen wird es von der Flinderskette und Mount-Lofty-Kette im Bundesstaat South Australia, im Osten von den Australischen Alpen der Great Dividing Range flankiert. Das Murraybecken umfasst große fossile Dünenfelder und ist von sehr trockenem Klima geprägt. Nach Westen hin sind Steinwüsten entwickelt. Östlich des Beckens liegen ausgedehnte Schwemmlandebenen, die mit den wichtigsten Zuflüssen des Murray verbunden sind, dem einzigen ständig Wasser führenden Fluss, der das Landesinnere durchquert.
Die Küstenlinie des australischen Kontinents ist nur schwach gegliedert; sie weist nur wenige Buchten und Kaps auf. Die größte natürliche Bucht bilden der Carpentariagolf im Norden und die Große Australische Bucht im Süden. Es gibt mehrere ausgezeichnete Naturhäfen, an denen sich die Städte Sydney, Hobart, Port Lincoln und Albany entwickelten. Tasmanien hat einen stärker gegliederten Küstenverlauf.
Das Große Barrierriff, das von der UNESCO zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt wurde, erstreckt sich über eine Länge von etwa 2 010 Kilometern von Kap York entlang der Ostküste des Bundesstaates Queensland bis nach Bundaberg im Süden. Das aus Korallen bestehende Riff ist weltweit die größte Struktur, die von Lebewesen geschaffen wurde. Die Riffrücken dienen im Küstenschiffsverkehr als natürliche Wellenbrecher. Siehe auch Kosciusko Nationalpark; Uluru Nationalpark
Australien gehörte ursprünglich zu Gondwana, das zuvor einen Teil des Urkontinents Pangäa bildete. Die Entstehung von vielen geologischen Strukturen reicht zeitlich sehr weit zurück, und die ältesten bekannten Gesteins- und Felsformationen wurden auf die Zeit vor 3 bis 4,3 Milliarden Jahren datiert. Dem riesigen Plateau des Westaustralischen Schildes liegt eine ausgedehnte, stabile Schicht aus präkambrischen Metamorphiten und Magmatiten zugrunde, die ein Alter von zwischen 570 Millionen und 3,7 Milliarden Jahren aufweist. Diese Formationen stellen zusammen mit der Antarktis das Herzstück des alten Kontinents dar, der sich vor weniger als 200 Millionen Jahren im Jura von Gondwana abspaltete und in östliche und nördliche Richtung fortzudriften begann (siehe Plattentektonik, Kontinent). Vor ungefähr 100 Millionen Jahren entstand Australien als eigenständiger Kontinent, nachdem sich die Antarktis abgetrennt und in südliche Richtung bewegt hatte. Auch heute noch entfernt sich der australische Kontinent von der Antarktis in nördliche Richtung und wird irgendwann mit dem asiatischen Kontinent zusammenstoßen. In geologischen Zeiträumen wird also die Existenz von Australien als eigenständiger Kontinent nur eine kurze Zeitspanne füllen.
In der Great Dividing Range erfolgten mächtige Ablagerungen von Sedimentgesteinen in einer weiten Geosynklinale; dieser Prozess vollzog sich fast über den gesamten Zeitraum des Paläozoikums und endete vor ungefähr 245 Millionen Jahren. Infolge ungeheurer Druckeinwirkung wurden die abgelagerten Gesteine komprimiert und mindestens zweimal aufgefaltet, wodurch Gebirgsketten entstanden, die zum Teil auch Vulkane umfassten.
Rund zwei Drittel der Oberfläche Australiens sind von Wüsten oder Halbwüsten bedeckt und weisen eine extrem hohe Verdunstungsrate auf. Nur etwa 10 Prozent des gesamten Niederschlags speisen Oberflächengewässer. Infolgedessen gibt es mit Ausnahme der niederschlagsreicheren östlichen und südwestlichen Gebiete Australiens sowie Tasmaniens nur vergleichsweise wenig Flüsse, die ständig Wasser führen. Die Great Dividing Range markiert die Wasserscheide zwischen der schmalen Ostküste und dem restlichen Teil Australiens. An den Ostflanken der Gebirgskette befinden sich permanent Wasser führende Flüsse, von denen die wichtigsten der Burdekin, der Fitzroy und der Hunter sind. Von den westlich der Great Dividing Range verlaufenden Flüssen ist nur der Murray ganzjährig Wasser führend. Er wird in seinem Quellgebiet in der Region um den Mount Kosciusko von Schmelzwasser und weiter flussabwärts von großen Nebenflüssen wie dem Darling und dem Murrumbidgee gespeist und führt daher ausreichende Wassermengen, um die gleichnamige trockene Ebene zu durchqueren. Der Murray mündet östlich von Adelaide an der Südküste Australiens in den Indischen Ozean. Das Murray-Darling-Murrumbidgee-Stromsystem ist das wichtigste in ganz Australien. Es entwässert eine Fläche von über 1,1 Millionen Quadratkilometern in Queensland, New South Wales, Victoria und South Australia und versorgt einige der wichtigsten Anbau- und Weideflächen des Landes mit Wasser. Während der Regenzeit ist das Wasserstraßennetz größtenteils auch schiffbar. Der Murray bildet die Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria.
Die Flüsse in Zentralaustralien und im westlichen Teil des Kontinents überfluten bei starken Regenfällen das angrenzende, niedrig gelegene Umland. Bei Trockenheit führen sie nur zeitweise Wasser. Die Zentralebene wird gelegentlich auch als Channel Country (Land der Kanäle) bezeichnet. Die Flussläufe Victoria, Daly und Roper führen das Wasser in einen Teil des Northern Territory ab. Die wichtigsten Wasserwege in Queensland sind Mitchell, Flinders, Gilbert und Leichhardt; sie münden in den Carpentariagolf. Im Bundesstaat Western Australia gibt es nur wenige bedeutende Flüsse, von denen Fitzroy, Ashburton, Gascoyne, Murchison und Swan die längsten sind.
In Inneraustralien sind zahlreiche Salzpfannen und Salzseen entwickelt. Da sie nur von periodisch Wasser führenden Strömen und Flüssen gespeist werden, erhalten sie nur selten bedeutenden Wasserzulauf und trocknen normalerweise aufgrund des hohen Verdunstungsgrades zu salzverkrusteten Salzsümpfen oder Salzpfannen ein. Eyresee, Torrenssee, Fromesee und Gairdnersee, die größten Salzpfannen im zentralen und südlichen Bereich des Großen Artesischen Beckens, sind Überreste eines riesigen Binnensees, der sich früher einmal vom Carpentariagolf nach Süden erstreckte.
Die Nullarborebene und weite Teile des westlichen Binnenlandes besitzen keine oberirdischen Wasserläufe, es gibt jedoch ein unterirdisches Stromsystem und artesische Wasseradern, die für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes lebensnotwendig sind. Artesische Wasseradern und Seen erstrecken sich auf eine Fläche von etwa 2,5 Millionen Quadratkilometern. Das Große Artesische Becken umfasst 70 Prozent der gesamten unterirdischen Wasserreserven und ist weltweit das größte seiner Art. Andere artesische Wasservorkommen liegen im Nordwesten, im Südosten und entlang der Nullarborebene an der Küstenlinie der Großen Australischen Bucht.
Infolge der Notwendigkeit, die Wasserversorgung für Bewässerungszwecke und für die Bevölkerung Australiens sicherzustellen, wurden an mehreren Flüssen Dämme erbaut. Zahlreiche Projekte sollen ausreichend Wasser für Bewässerung, Tierhaltung, Privatnutzung und Erzeugung von Energie zur Verfügung stellen. Das berühmteste ist das Snowy-Mountains-Projekt, das als Mehrzweckanlage errichtet wurde und in New South Wales in den Australischen Alpen liegt. Als eine der weltweit größten technischen Unternehmungen wurde es zwischen 1949 und 1974 erbaut und versorgt nicht nur die Regionen entlang der Flüsse Murray und Murrumbidgee mit zusätzlichem Wasser für Bewässerungszwecke, sondern erzeugt auch Energie für die dicht besiedelte südöstliche Küste. Das Ord-River-Projekt besteht aus einer riesigen Bewässerungsanlage in der Kimberleyregion im Nordwesten von Western Australia. Der Bau wurde 1962 mit dem Ziel aufgenommen, die unbesiedelten Regionen im Norden zu erschließen. Das Ord-River-Projekt wurde während seines Baues von Ökonomen, Umweltschützern und Agrarwissenschaftlern scharf kritisiert, und auch heute noch werden wirtschaftliche Rentabilität und ökologische Verträglichkeit hinterfragt. Die in der Region vorherrschenden Schwierigkeiten, die durch starken Ungezieferbefall und andere Widrigkeiten bedingt sind, haben zur Folge, dass nur ein Bruchteil des agrarwirtschaftlich nutzbaren Landes bewirtschaftet wird. Die positive Auswirkung des Projekts beinhaltet die Entstehung des Argylesees; er ist Australiens größter künstlich angelegter Stausee und gleichzeitig größtes oberirdisches Süßwasserreservoir.
Australiens Klima variiert von tropischem, vom Monsun beeinflussten Klima im Norden bis zu kühlgemäßigtem Klima in Tasmanien. Im überwiegenden Teil des australischen Kontinents herrscht trockenheißes Klima vor. Das zentrale Hochland liegt zu niedirg, um die klimatischen Prozesse maßgeblich zu beeinflussen. Über zwei Drittel des australischen Kontinents, vor allem die zentralen und westlichen Regionen, erhalten jährlich weniger als 500 Millimeter Niederschlag. Lediglich 10 Prozent des Landes weisen im Mittel jährliche Niederschläge von über 1 000 Millimetern auf.
Die wechselfeucht-tropische Küstenregion im Norden ist durch zwei Hauptjahreszeiten charakterisiert: Im feuchtheißen Südsommer fallen die Sommerniederschläge beim Durchgang der nordwestlichen Monsunwinde vorwiegend im Februar und März, und die trockenwarmen Südwinter sind durch den Einfluss der südöstlichen Passatwinde geprägt. Der Monsun dringt unterschiedlich weit in die Binnenregionen vor, und sein Einfluss reicht im Arnhemland und der Kap-York-Halbinsel am weitesten landeinwärts. Die mittleren Jahresniederschläge betragen an vielen Stellen der Nord- und Nordostküste um 1 500 Millimeter; im Norden von Queensland in der Gegend um Cairns werden sogar 2 500 Millimeter erreicht. In den Grenzbereichen der vom Monsun beeinflussten Region gedeiht trockene Grassavanne; aufgrund der geringen und unregelmäßigen Niederschläge wird das Wasserangebot hier durch artesische Wasseradern ergänzt. Im westlichen, zentralen und nördlichen Teil Australiens variieren die mittleren Temperaturen im Sommer zwischen 26,7 und 29,4 °C, übersteigen jedoch in manchen Regionen 38 °C.
Die warmen, klimatisch gemäßigten Regionen an der Südküste des australischen Festlandes sind von kühlen Wintern und heißen Sommern geprägt. Die höchsten Temperaturen werden in den Monaten Januar und Februar mit Mittelwerten zwischen 18,3 und 21,1 °C erreicht. Juni und Juli sind die kühlsten Monate des Jahres. Die mittlere Julitemperatur beträgt um 10 °C, in den höheren Lagen der Australischen Alpen um 2 °C. In der Gegend um den Mount Kosciusko bilden sich teilweise Schneefelder. Die Tieflandregionen an der Ostküste erhalten in allen Jahreszeiten Niederschläge, die jedoch im Sommer besonders stark sind. Die Niederschläge an der warmgemäßigten West- und Südküste beschränken sich infolge der Lage in der Westwindzone vor allem auf die Wintermonate.
Tasmanien, das klimatisch der kühlgemäßigten Zone zuzurechnen ist, erhält im Sommer unter dem Einfluss der Westwinde starke Regenfälle. Im Winter fallen ebenfalls starke Niederschläge, die durch Zyklone hervorgerufen werden. Schneefälle erfolgen im Winter nicht nur in den Australischen Alpen, sondern auch im nördlichen Teil von Victoria und in Tasmanien. Alle südlichen Bundesstaaten Australiens liegen ganzjährig unter dem Einfluss der warmen bis heißen Winde aus dem Landesinneren, die große plötzliche Temperaturanstiege bewirken können. Fast jedes Jahr sind einige Regionen von niederschlagsfreien Dürreperioden betroffen. Neben Kalifornien und den Mittelmeerländern gehören Südostaustralien und Tasmanien zu den Teilen der Erde, in denen es am häufigsten zu Buschfeuern kommt. 1994 verwüsteten Waldbrände einen Teil von New South Wales.
Auf dem Kontinent sind zahlreiche Bodentypen verbreitet, aber nährstoffarme und nur mäßig fruchtbare Böden mit geringen Gehalten an organischer Substanz herrschen vor. Versalzung und Alkalisierung der Böden sind weit verbreitet. Auch Bodenerosion und Desertifikation aufgrund falscher Anbaumethoden sind zu beobachten, vor allem in überweideten Gebieten. Ungeachtet dessen und der Tatsache, dass weite Flächen des Landesinneren aus Wüsten oder Landstrichen bestehen, die sich bestenfalls für die Beweidung durch Schafe eignen, stellt die Bodennutzung einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Australien dar. Über viele Jahre hinweg wurden phosphathaltige Bodenzusätze zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit eingesetzt. Seit den siebziger Jahren hat man sich jedoch immer mehr Gedanken über die Neben- und Nachwirkungen der phosphathaltigen Düngezusätze gemacht, zu denen eine Versauerung des Bodens und wiederkehrende Algenblüten im lebenswichtigen Murray-Darling-Stromsystem gehören, die durch phosphathaltiges Ablauf- und Sickerwasser von gedüngten Böden entstehen. Die schwerwiegendsten Probleme ergeben sich jedoch aus der starken Winderosion, der teilweisen Überweidung in den semiariden Weide- und Agrarregionen und der Wassererosion im niederschlagsreicheren, stark abgeholzten Südosten.
Die Besorgnis um diese Entwicklung wurde in der Entstehung der Bewegung „Landcare” deutlich, die sich für den Landschaftsschutz einsetzt. Die australische Bundesregierung erklärte die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Landschaftsschutzes. Der ökologischen und wirtschaftlichen Bedrohung durch Bodenerosion, Boden- und Wasserversalzung und Bodenversauerung sollen aktuelle technische Projekte, wissenschaftliche Forschungsarbeit, Bildung und Maßnahmen wie beispielsweise Aufforstungsprogramme und die Einschränkung der Beweidung entgegenwirken.
Australien verfügt über eine sehr spezifische Vegetation, die auch als Flora australis bezeichnet wird und etwa 22 000 Pflanzenarten aufweist. Über 90 Prozent der hier verbreiteten Arten sind endemisch, d. h., sie kommen nirgendwo sonst vor. Die überwiegend immergrüne Vegetation reicht von dichten Busch- und Eukalyptuswäldern an der Küste bis zu Strauchgesellschaften wie Mulga-Scrubs (aus immergrünen Akazien) und Mallee-Scrubs (Eukalyptus, Kasuarinen, Gräser, Salzpflanzen) sowie Halbwüsten (Salzbusch) in den Ebenen des Inlands. Die australische Pflanzenwelt wird in drei große Vegetationszonen eingeteilt. Die tropische Zone verläuft entlang der Nordküste bis etwa zur Mitte der Ostküste. Die gemäßigte Zone erstreckt sich über die südöstliche Küstenebene und Tasmanien und zieht sich an der Ostküste in nördlicher Richtung bis zur tropischen Zone, an die sie anschließt. Die Trockenzone bedeckt den gesamten mittleren, ariden Bereich und den Westen des Kontinents.
Die tropische Zone fällt in den Monsunklimabereich und ist stark bewaldet, vorwiegend mit Laubbäumen. An der nordöstlichen Küste von Queensland einschließlich der Kap-York-Halbinsel kommen Regenwälder vor. Palmen, Farn- und Kletterpflanzen gedeihen zwischen Eichen, Eschen, Zedern, Flaschenbäumen und Birken. Mangrovenwälder ziehen sich an stehenden Gewässern und Einbuchtungen der niedrigen nördlichen Küstenlinie entlang. Weiter landeinwärts dominiert Savannenlandschaft mit niedrigwüchsigen Bäumen, die meist zu den Hartlaubgewächsen gehören und für die einheimische Flora typisch sind. Zahlreiche Arten, die in der tropischen Zone gedeihen, sind auch im Malaiischen Archipel im Nordosten Australiens anzutreffen.
Die gemäßigte Zone ist von Busch- und Waldlandschaften aus Hartlaubgehölzen, Pflanzen des gemäßigten Klimas und Savannenwäldern geprägt. Sie weist außerdem Mallee-Scrubs und andere Strauchvegetationen, strauchförmige Sandheide und Regenwaldgebiete mit Pflanzenbewuchs auf, der für gemäßigtes Klima typisch ist. Alpine Vegetation kommt in den Australischen Alpen und den Berglandschaften von Tasmanien vor. Entlang der Ostküste bis einschließlich Tasmanien gibt es Bestände aus Kiefern und anderen Koniferen. Nach den Eukalyptusarten stehen Kiefern hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung an zweiter Stelle. Mittlerweile gehören die Huonkiefern zu den selten gewordenen Arten und werden weiträumig von der Abholzung ausgeschlossen. In den Bewaldungsflächen der warmen und gut bewässerten südöstlichen und südwestlichen Bereiche überwiegen die Eukalyptusarten, von denen es über 500 gibt und die eine Höhe von über 90 Metern erreichen können. Die Südwestküste zeichnet sich durch ihren besonders großen Artenreichtum aus. Im Untergehölz der Bergeschen und der Eukalyptusbäume des Südostens gedeihen Akazien und Baumfarne. Tasmanien ist für seine Buchenwälder im Süden und die floristische Verwandtschaft zu Neuseeland bekannt.
In der Trockenzone herrschen semiaride Strauchsavannen, Buschsteppen, halbaride Grasflächen und Grasflächen mit Hartlaubgewächsen vor, weite Landstriche sind jedoch praktisch vegetationslos. Die Vegetation ist dem ariden Klima angepasst, wobei Akazien (insgesamt ebenfalls etwa 500 Arten) gegenüber den Eukalyptusbäumen überwiegen. Für den Pflanzenbewuchs in Western Australia sind zwei Eukalyptusarten typisch, der Jarra- und der Karri-Eukalyptus, die vor allem wegen ihres harten und beständigen Holzes geschätzt werden. Die für die Vegetation im Landesinneren charakteristischen Pflanzen sind Hartlaubbüsche und Büschelgräser (Spinifex), die Schafen als Weidepflanzen dienen, und Sträucher wie Mallee- und Mulga-Scrubs.
Neben der einheimischen Flora sind in Australien ungefähr 2 000 eingeführte Pflanzenarten anzutreffen, von denen die meisten mit der Entwicklung von Land-, Weide- und Forstwirtschaft ins Land kamen. Man nimmt an, dass zur Zeit der Besiedlung durch die ersten Europäer bis zu einem Viertel des Landes von Wäldern, Waldsavannen und Buschbeständen bedeckt war. In den darauf folgenden 200 Jahren wurde ein großer Teil der einheimischen Flora vernichtet, um Raum für Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung zu schaffen. Diese Entwicklung hatte nicht nur eine Verschärfung der Erosion zur Folge, sondern auch das unwiderrufliche Verschwinden von über 80 einheimischen Pflanzenarten. Weitere 840 Arten sind vom Aussterben bedroht.
Etwa 12 Prozent der Landesfläche Australiens sind zu Schutzgebieten erklärt worden. Australien verfügt über viele Nationalparks und Reservate, die von den einzelnen Bundesstaaten verwaltet werden. Auch wurden einige Meeres- und Ästuarschutzgebiete eingerichtet, z. B. der Great Barrier Reef Marine Park. Insgesamt wurden elf Gebiete zu Weltnaturerbestätten erklärt, zwölf Biosphärenreservate sind Teil des Biosphärenprogramms der UNESCO.
Man nimmt an, dass in Australien bis zu 300 000 Tierarten existieren, von denen bislang nur etwa 100 000 wissenschaftlich erforscht und beschrieben wurden. Es gibt 260 Säugetierarten, 649 Vogelarten, 748 Reptilienarten, über 205 Amphibienarten und nahezu 200 Arten von Süßwasserfischen. Die meisten Parallelen sind zur Tierwelt von Neuguinea zu ziehen, das evolutionsbiologisch betrachtet der australischen Fauna zuzurechnen ist, und zur südafrikanischen Tierwelt, die ebenfalls Teil des Urkontinents Gondwana war. Zahlreiche Tierarten kommen ausschließlich in Australien vor und dokumentieren so die lange Isolierung des Kontinents von anderen Landmassen.
Die einzigen Eier legenden Säugetiere der Welt sind die primitiven Kloakentiere, zu denen Schnabeltiere und Ameisenigel gehören; das Schnabeltier lebt vorwiegend in den Süßgewässern Südostaustraliens. Die für Australien charakteristischsten einheimischen Säugetiere sind die Beuteltiere, die praktisch alle biologischen Nischen der Säugetiere erschlossen haben. Die bekanntesten australischen Beuteltiere sind Kängurus, die etwa 50 Arten umfassen und Lebensräume sowohl in der gemäßigten als auch in der tropischen Klimazone haben. Kängurus gehören zu den wenigen einheimischen Tierarten Australiens, die von der Zunahme der Weidelandflächen profitiert haben; die kleineren Arten der Familie heißen Wallabys. Koalas ernähren sich ausschließlich von Blättern einiger weniger Eukalyptusbaumarten und sind durch den Verlust ihres natürlichen Lebensraumes bedroht. Weitere bekannte Beuteltiere sind Wombats, Beutelteufel, Beutelmarder und der ausgestorbene Beutelwolf. Der Dingo ist kein Beuteltier, er stammt von asiatischen Haushunden ab.
Außergewöhnlich artenreich ist die australische Avifauna (Vogelwelt), die auch riesige, flugunfähige Arten wie Emu und Kasuar umfasst. Der prachtvoll balzende Leiervogel besitzt fächerartige Schwanzfedern. Männliche Laubenvögel errichten komplizierte Bauwerke, um Weibchen anzulocken. Der Kookaburra oder Lachende Hans ist für seinen durchdringenden Ruf bekannt, der menschlichem Lachen ähnelt. Die Vogelwelt beinhaltet zudem viele Arten von Papageien, zu denen Kakadus und Wellensittiche gehören. Schwarze Schwäne, Löffler, Reiher und Enten leben an Binnengewässern. Zur Seevogelfauna gehören Möwen, Seeschwalben, Tölpel, Sturmvögel, Albatrosse und Pinguine.
Seit der Besiedlung Australiens durch Europäer sind insgesamt 20 Säugetierarten und 16 Vogelarten ausgestorben. Weitere 15 Vogelarten und 38 Säugetierarten sind entweder gefährdet oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Der Grund für diese Entwicklung liegt in der zunehmenden Zerstörung natürlicher Lebensräume und auch der Einführung fremder Arten, die mit den einheimischen Arten um Nahrung konkurrieren, ihren Lebensraum zerstören oder einheimische Tiere jagen. Die Einführung vor allem von Kaninchen, Füchsen, Katzen, Schweinen, Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden, Kamelen und afrikanischen Wasserbüffeln wirkte sich auf die natürliche Flora und Fauna überaus schädlich aus.
Die weiträumigsten Zerstörungen richtete wahrscheinlich das europäische Kaninchen an, das 1788 mit dem ersten Sträflingstransport nach Australien kam. Unter den idealen Voraussetzungen der australischen Wildnis, in der nur wenige Feinde des Kaninchens lebten, vermehrten sich die Tiere unglaublich schnell und wurden zur Landplage. Im frühen 20. Jahrhundert schätzte man die Gesamtzahl der Kaninchen auf etwa 500 Millionen. Zur Bekämpfung der Kaninchen führte man deshalb 1951 das Myxomatosevirus ein, das bei Kaninchen zum Tod führt. Etwa 20 Jahre lang blieb diese Art der Schädlingsbekämpfung wirksam, doch dann wurden die Tiere gegen das Virus immun und erholten sich zahlenmäßig, so dass man heute von 300 Millionen Kaninchen in Australien ausgeht. Abgesehen von der Zerstörung der Vegetation weiter Landstriche und damit auch des natürlichen Lebensraumes von einheimischen Tierarten verursachen die Kaninchen indirekt auch die Erosion des Bodens und richten auf Weideflächen und Anpflanzungen von Kulturpflanzen beträchtlichen Schaden an. Der fortschreitenden Verbreitung von Füchsen und verwilderten Katzen versucht man mit regionalen Bekämpfungsmaßnahmen entgegenzuwirken. In den Gegenden der Monsunzone im Norden Australiens ist die Zahl der Wasserbüffel ebenfalls stark angestiegen. Durch die übermäßige Beweidung der Flächen tragen sie in beträchtlichem Maß zur Bodenerosion bei und zerstören das biologische Gleichgewicht der empfindlichen Lebensräume in den Sumpfgebieten.
In Australien leben zwei Krokodilarten, von denen das bis drei Meter lange Australienkrokodil in den Süßgewässern des Binnenlandes vorkommt. Das bis sieben Meter lange Leistenkrokodil ist in den Sumpf- und Mündungsgebieten an der Nordküste heimisch. Zu den zahlreichen Echsenarten gehören Geckos, Skinke, Agamen und Warane. Ferner umfasst die australische Fauna 100 Arten von Giftschlangen, von denen die gefährlichsten der im Norden des Landes heimische Taipan und die Todesotter sind.
In den Gewässern um Australien leben Wale und Robben; an Teilen der Südküste, auf den Inseln der Bass-Straße und in Tasmanien gibt es Kolonien von Seebären und Seelöwen. In den nördlichen Gewässern leben Dugongs (Gabelschwanzseekühe); außerdem sind hier ungefähr 70 Haiarten heimisch. Der in Süßgewässern lebende Lungenfisch ist ein so genanntes lebendes Fossil.
Auch die Fauna der Wirbellosen ist artenreich. Die Riesentermiten im Norden von Australien bauen gewaltige Termitenhügel, die eine Höhe bis zu sechs Metern erreichen können. Auffällig sind auch die riesigen Regenwürmer in Victoria, die mit Längen von 0,9 bis 3,7 Metern die größten der Welt sind. Viele australische Spinnenarten sind giftig, so die Trichternetzspinnen und Rotrückenspinnen.
Die ursprünglichen Bewohner des australischen Kontinents, die dunkelhäutigen Aborigines, wurden durch die eingewanderten Europäer völlig verdrängt. Sie stellen heute nur noch einen Bevölkerungsanteil von lediglich 1,5 Prozent. Nahezu 94 Prozent der australischen Bevölkerung sind europäischer Abstammung, wobei die überwiegende Mehrheit britische oder irische Vorfahren hat. Bewohner aus Asien stellen einen Bevölkerungsanteil von etwa 5 Prozent. Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu bedeutenden Umwälzungen in der Bevölkerungsstruktur. Vor dem 2. Weltkrieg waren über 95 Prozent der Bevölkerung britischer oder irischer Abstammung. Die Einwanderungswellen in der Nachkriegszeit zogen nicht nur große Mengen an Einwanderern von den Britischen Inseln nach Australien, sondern auch vom europäischen Festland. Seitdem sind allein mehr als zwei Millionen Festlandeuropäer nach Australien eingewandert.
Ab den sechziger Jahren entspannte sich die Handhabung der so genannten „White Australia Policy”, die der Einwanderungspolitik der Kolonie und des späteren Staates über 100 Jahre lang zugrunde lag, sie wurde schließlich 1973 offiziell abgeschafft. Anfänglich stammten die meisten nichteuropäischen Immigranten aus Lateinamerika und dem Nahen Osten, vor allem aus dem Libanon. Seit den späten siebziger Jahren sind die Einwanderungszahlen aus Asien, vor allem aus Südostasien und China, stark angestiegen. Bei den frühen Immigranten aus Südostasien handelte es sich häufig um Flüchtlinge. Die Auswertung der Volkszählung von 1991 unterstreicht diesen Wandel. Die Angaben für im Ausland geborene Australier zeigen, dass 22,5 Prozent in Großbritannien oder Irland, 30 Prozent in anderen europäischen Ländern und 21 Prozent in Asien und im Nahen Osten geboren wurden.
Australien hat etwa 19,9 Millionen Einwohner (2004). Die Bevölkerungsdichte liegt damit bei rund 2,6 Einwohnern pro Quadratkilometer. Allerdings wohnen circa 90 Prozent der Gesamtbevölkerung auf nur ungefähr 3 Prozent der Landesfläche.
Der Verstädterungsgrad beträgt 92 Prozent; ein Großteil der ländlichen Bevölkerung wohnt in einem schmalen, fruchtbaren Streifen, der sich ungefähr von Brisbane in Queensland bis nach Adelaide in South Australia erstreckt und im Landesinneren durch die Westausläufer der Great Dividing Range begrenzt wird. Die am schnellsten wachsende Region befindet sich an der Ostküste von Queensland und erlebt durch die Nähe zum stark expandierenden Wirtschaftsraum Südostasien einen rasanten Aufschwung. Die Küstengebiete in der Umgebung der Großstädte im Osten, Südosten und Südwesten des Festlandes sind ebenfalls in schnellem Wachstum begriffen.
Die übrigen 97 Prozent der Landesfläche von Australien sind entweder nahezu oder völlig unbewohnt. Hier beläuft sich die Bevölkerungsdichte auf weniger als 0,03 Menschen pro Quadratkilometer. Eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 0,3 Menschen pro Quadratkilometer wird erst im Bereich der semiariden Weidelandflächen im Binnenland von Queensland, New South Wales und South Australia erreicht, wo sich riesige Vieh- und Schafzuchtbetriebe befinden, und in den Gegenden um die wenigen Siedlungen im Landesinneren und an der West- und Nordküste. Zu Letzteren gehören Alice Springs und Darwin im Northern Territory, Kalgoorlie und Boulder in Western Australia, die Region an der Westküste zwischen Dampier und Port Hedland und die Diamantfelder in der Kimberley-Region.
Anfang der neunziger Jahre belief sich das jährliche Bevölkerungswachstum auf 1,4 Prozent, 2004 lag es bei 0,90 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt für Frauen bei 83,3 Jahren und für Männer bei 77,4 Jahren (2004). Die Lebenserwartung der Aborigines, die noch in den abgelegenen Regionen im australischen Inland leben und häufig mit Lebensbedingungen konfrontiert sind, die eher denen eines Entwicklungslandes gleichen, ist weitaus niedriger.
Die Traditionen der Aborigines weisen darauf hin, dass sie seit jeher in Australien gelebt haben. Anthropologen vermuten jedoch, dass sie aus Asien auswanderten und schließlich vor etwa 60 000 bis 40 000 Jahren nach Australien kamen. Diese Annahme wird durch die Tatsache gestützt, dass der Meeresspiegel zu dieser Zeit verhältnismäßig niedrig war und dadurch zwischen dem asiatischen und dem australischen Kontinent eine nahezu durchgehende Landbrücke bestand. Infolge eines Meeresspiegelanstiegs wurde dieser verhältnismäßig einfache Verbindungsweg später überflutet. Tasmanien wurde vor etwa 13 500 bis 8 000 Jahren ebenfalls durch die Anhebung des Meeresspiegels vom australischen Festland getrennt. Die hier beheimateten Aborigines erfuhren infolgedessen eine andere kulturelle Entwicklung als die Bewohner auf dem australischen Festland.
Bei diesen ersten Australiern handelte es sich um nomadisierende Sammler und Jäger, die dank ihrer genauen Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten, Vorkommen, Eigenschaften und Merkmale der australischen Vegetation und Tierwelt sowie der herrschenden Klimabedingungen überleben konnten. Die Aborigines setzten Feuer als Mittel ein, den Wuchs derjenigen Gräser zu fördern, die von Kängurus und anderen Jagdtieren bevorzugt werden. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sie systematisch ernteten und Pflanzensamen säten, um die Entwicklung von Grasland zu beschleunigen, und dass sie außerdem Dämme errichteten und Flüsse, Sümpfe und Seebuchten veränderten, um durch Wasserumleitungen Fischgründe leichter zugänglich zu machen.
In technischer Hinsicht war ihr Leben einfach. Die wichtigsten Gebrauchswerkzeuge waren Speere und Blasrohre, Bumerangs, Nadeln, Spulen, Holzschüsseln, Wasserblasen aus Tierhäuten, geflochtene Matten und Taschen aus Gräsern. Es wurden außerdem Kanus und Flöße aus Rinde und so genannte Einbäume verwendet, die aus einzelnen ausgehöhlten Holzstämmen angefertigt und gelegentlich mit Segeln aus geflochtenen Gräsern versehen wurden. Die Arbeitsteilung erfolgte nach Geschlecht: Männer und ältere männliche Jugendliche jagten große Tiere, Frauen sammelten essbare Früchte und Pflanzenteile und gingen auch auf die Jagd nach Kleintieren. Trotz dieser Aufteilung machten es die Lebensbedingungen erforderlich, dass alle Erwachsenen alle Fähigkeiten besaßen, um ihr Überleben zu sichern.
Im Kontrast zu der relativ unkomplizierten Struktur des wirtschaftlichen Lebens und der Technik entwickelten die australischen Aborigines eine komplexe Sozialstruktur und eines der umfangreichsten Glaubensgefüge, das sämtliche Lebensbereiche mit einbezog. Ihre Weltauffassung drehte sich um die Traumzeit, ein kompliziertes und allumfassendes Konzept, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen einbezieht und ebenfalls die Zeit der Erschaffung zum Anbeginn der Zeit umfasst, während der mythische Wesen das Land formten, es mit Tieren, Menschen und Pflanzen besiedelten und dem sozialen Zusammenleben eine erste Form verliehen.
Die Grundwerte der Aborigines beinhalteten Selbstlosigkeit und die pflichtbewusste Erfüllung sozialer und religiöser Verpflichtungen. Status war von Besitztum unabhängig, das nur wegen seiner besonderen religiösen Bedeutung geschätzt oder aufgrund seiner praktischen Nutzungsfähigkeit bedeutungsvoll war. Der Handel spielte eine bedeutende Rolle, und der ganze Kontinent war von einem Netzwerk von Handelsrouten überzogen. Die Handelsgüter waren häufig sehr seltene Objekte oder besaßen eine überragende soziale oder religiöse Bedeutung, deren Funktion in der Aufrechterhaltung und Förderung der Bindungen und Harmonie zu anderen Gruppen bestand.
Als 1788 die erste europäische Siedlung entstand, hatten die Aborigines schon lange Zeit den gesamten Kontinent bevölkert und genutzt, indem sie sich an die unterschiedlichen geographischen und klimatischen Gegebenheiten von tropischen Regenwäldern über niederschlagsreiche gemäßigte Landstriche bis zu den trockenen Wüsten angepasst hatten. Es wird angenommen, dass die Bevölkerungzahl der Aborigines zu dieser Zeit zwischen 300 000 und einer Million Menschen lag und es über 200 verschiedene Sprachen gab. Die Zahl der größten, deutlich ausgeprägten Bevölkerungsgruppen belief sich auf ungefähr 50, die in ihren jeweiligen Gebieten lebten und nach der von ihnen gesprochenen Sprache benannt wurden. Europäer bezeichneten sie häufig als „Stämme”, aber obwohl sie kulturelle Gemeinsamkeiten aufwiesen, stellten sie keine eigenständigen wirtschaftlichen oder politischen Einheiten dar. Darüber hinaus gab es auch kein nationales Identitätsbewusstsein, sondern eher ein Eigenbewusstsein, das sich in den familiären und örtlichen Beziehungen und Gruppierungen begründete.
Die Ankunft der Europäer entwickelte sich für die Aborigines zu einer Katastrophe. Die Kommunikation zwischen den beiden Gruppen war minimal, und die Kluft zwischen den unterschiedlichen Kulturen hätte kaum größer sein können. Nach einer anfänglichen Zeit des gespannten Nebeneinanders wurden die Aborigines schon bald von den fruchtbareren Küstenlandstrichen vertrieben und ins Landesinnere abgedrängt. Versuchtem Widerstand wurde mit Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ruhe durch Gewalt begegnet, die den Tod von einer großen Anzahl von Aborigines zur Folge hatten. Noch mehr starben jedoch infolge von Krankheiten, die die Siedler ins Land eingeschleppt hatten. In Tasmanien und im Südosten Australiens verschwand die Urbevölkerung nahezu vollständig, in allen Teilen des Kontinents kam es im ersten Jahrhundert nach der Besiedlung durch Weiße zu einem dramatischen Bevölkerungsrückgang. Aborigines, die diese extreme Entwicklung überstanden, wurden häufig zu Opfern brutaler Misshandlung oder so genannten Zivilisierungsversuchen durch Missionare unterworfen. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm man allgemein an, dass die Aborigines als Kultur und vielleicht auch als eigenständige Rasse schnell verschwinden würden. 1920 belief sich die Zahl der Aborigines auf nur noch rund 60 000 Menschen.
Bis zu den sechziger Jahren lebte die verbleibende Urbevölkerung vorwiegend in ländlichen Gegenden. In den beiden darauf folgenden Jahrzehnten übersiedelten jedoch immer mehr von ihnen in die Stadtgebiete, wobei die Hauptstädte der Bundesstaaten und die größeren Provinzstädte besonders starken Zustrom erhielten. Die Zugezogenen wurden von der europäischen Mehrheit häufig misstrauisch empfangen und schlossen sich oft zu kleinen, äußerst unbeständigen und ghettoartigen Gemeinschaften zusammen. Sie dienten dem zunehmenden politischen Bewusstsein als Nährboden, das in den sechziger Jahren innerhalb der Bevölkerungsminderheit der Aborigines entstanden war. Zu dieser Zeit waren das soziale Ansehen und die politische Bedeutung der Aborigines so gering, dass man sie bis 1971 noch nicht einmal in den Volkszensus mit einschloss, und ein Referendum 1967 ermächtigte die australische Staatsregierung erstmals, politische Entscheidungen für Aborigines zu treffen. Die anfängliche Besorgnis hinsichtlich der Lohngleichheit und zivilrechtlichen Gleichstellung wich schon bald einer rechtlichen Inanspruchnahme von Land mit besonderer kultureller und religiöser Bedeutung.
Bei der Volkszählung von 1991 wurden 238 492 Aborigines und 26 902 Torres-Straße-Insulaner gezählt, die häufig einfach in die ethnische Gruppe der Aborigines eingeordnet und nicht als eigenständige Gruppe betrachtet werden. Dieser beeindruckende Anstieg im Vergleich zu den Zahlen aus den zwanziger Jahren ist nur teilweise das Ergebnis von höheren Geburtenraten; er ist auch auf die Wiederentdeckung der eigenen Identität zurückzuführen.
Die größte Konzentration von Nachfahren der Aborigines lebt heute in New South Wales und Queensland (jeweils 26 Prozent der australischen Gesamtbevölkerung der Aborigines), Western Australia (15,7 Prozent) und im Northern Territory (15 Prozent). Über 70 Prozent wohnen in Städten. Die traditionelle Lebensweise der australischen Ureinwohner ist ungeachtet der Tatsache, dass es zu einem Anstieg des Interesses an dem komplexen Lebenskonzept der Aborigines gekommen ist und mittlerweile auch in Schulen über die Kultur der Aborigines gelehrt wird, stark bedroht. In den neunziger Jahren schätzte man die Zahl der zur Bevölkerungsgruppe der Aborigines gehörenden Menschen, die mit der traditionellen Lebensweise ihrer Kultur direkten Kontakt haben, auf nur noch ungefähr 10 000. Diese Kultur herrscht vor allem noch im Northern Territory vor.
Jede Region Australiens wird durch einen eigenen Landrat der Aborigines vertreten, und in den meisten Regionen gibt es Zentren und Festivals, die diese besondere Kultur würdigen. Die ethnische Identität der Aborigines drückt sich mittlerweile auf unterschiedliche Art und Weise in Kunst, Popmusik, Literatur, Politik und Sport aus. Die ethnische Gruppe der Aborigines konnte sich mehrmals bei Fragen um Landrechte juristisch durchsetzen. Aborigines konnten sich das Eigentumsrecht über ausgedehnte Landstriche im Norden und im zentralen Bereich Australiens sichern. Gleichzeitig sind sie jedoch immer noch mit beträchtlichen sozialen und wirtschaftlichen Nachteilen konfrontiert. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist wesentlich geringer, als die der restlichen Bevölkerung. Probleme wie Arbeitslosigkeit, niedrige Familieneinkommen, die Abhängigkeit von Sozialleistungen und die hohen Kindersterblichkeitsraten sind sehr viel ausgeprägter und akuter als in der Gesamtbevölkerung, obwohl in den vergangenen Jahren Unterstützungsmaßnahmen getroffen wurden und man die Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie die Gesundheitsvorsorge durch zusätzliche Zahlungen gefördert hat.
Hinsichtlich der städtischen Struktur kann Australien als Land der Vorstädte bezeichnet werden. Die Städte sind großräumig angelegt, und etwa 60 Prozent der australischen Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten der sechs Staatshauptstädte und in Canberra. Sydney (4 Millionen Einwohner) ist die älteste und größte Stadt Australiens. Sie ist nicht nur das bedeutendste Finanz- und Handelszentrum des Kontinents, sondern besitzt auch einen der wichtigsten Häfen. Außerdem umfasst Sydney eines der größten Vorortgebiete der Welt und übertrifft Peking größenmäßig um das Doppelte, Rom sogar um das Sechsfache. Weitere bedeutende Städte sind: Melbourne (1,72 Millionen Einwohner), Brisbane (1,63 Millionen Einwohner), Perth (1,34 Millionen Einwohner) und Adelaide (1,07 Millionen Einwohner). Canberra, die Hauptstadt Australiens, hat etwa 311 947 Einwohner (2001).
Die Amtssprache ist Englisch. Das australische Englisch ist sehr stark am so genannten Standard English angelehnt (siehe englische Sprache). Es hat aber einige Besonderheiten, die z. B. die Aussprache, den Wortschatz oder die Ausdrucksweise betreffen. So wird beispielsweise für das Englische to be angry (deutsch wütend sein) im australischen Englisch to be ropable synonym verwendet – in Anlehnung an wild gewordene Schafe, die sich nur mit einem Seil (englisch rope) bändigen lassen. Die Sprachen der Aborigines und andere Sprachen werden in ethnischen Gemeinden und Gruppierungen gesprochen (australische Sprachen). Zahlreiche Begriffe aus den Sprachen der Aborigines haben auch Eingang ins australische Englisch gefunden (z. B. boomerang, kangoroo, wallaby). Von den einst über 250 Sprachen der Aborigines sind in lehrbarer Form nur rund 50 Sprachen erhalten geblieben. In letzter Zeit bemüht man sich verstärkt darum, die verbliebenen Sprachen der Ureinwohner zu schützen.
Australien hat keine Landeskirche; die australische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum Christentum, praktiziert den Glauben aber kaum. Größte christliche Glaubensgemeinschaften sind die römisch-katholische Kirche und die anglikanische Kirche, die jeweils etwa 26 Prozent der Gesamtbevölkerung auf sich vereinen. Fast 25 Prozent bekennen sich zu anderen christlichen Konfessionen, vor allem zum Protestantismus. Es gibt jedoch auch orthodoxe Gemeinden der östlichen Kirchen. Darüber hinaus bestehen in Australien jüdische, buddhistische und islamische Gemeinden. Seit den siebziger Jahren ist die Zahl der Buddhisten und Muslime stark angestiegen.
Zu den gesetzlichen Feiertagen in Australien gehören Neujahr (1. Januar), der Australien-Tag (26. Januar), Ostern (Karfreitag bis Ostermontag), der Anzac Day (Veteranengedenktag, 25. April), der Geburtstag von Königin Elisabeth II. (zweiter Montag im Juni, obwohl sie im April geboren wurde), der 1. (25. Dezember) und 2. Weihnachtsfeiertag (Boxing Day, 26. Dezember). Der Boxing Day trägt seinen Namen wegen der kleinen Behälter aus Ton, mit denen früher die Geschäftsleute und Bediensteten umhergingen, um Trinkgeld einzusammeln. Der Australien-Tag gedenkt der Ankunft der Briten im Jahr 1788. Für die Aborigines stellt dieser Tag keinen Feiertag dar. Am Anzac-Gedenktag feiert Australien den Jahrestag der im 1. Weltkrieg in Gelibolu in der Türkei gelandeten Anzac-Truppen. Das Wort Anzac ist eine Ableitung der englischen Bezeichnung für „australische und neuseeländische Truppen” (Australian and New Zealand Army Corps). Der Anzac-Gedenktag ehrt jene, die im Krieg ihr Leben für das Land ließen.
Sozialleistungen können von Kranken, älteren Bürgern, Verwitweten, Behinderten und Arbeitslosen in Anspruch genommen werden. Alle Mütter haben ungeachtet ihres Einkommens ein Recht auf Mutterschaftsgeld in einer bestimmten Höhe. Für Kinder im Alter von unter 16 Jahren erhalten die Eltern oder anderweitige Erziehungsberechtigte ein einkommens- bzw. vermögensabhängiges Kindergeld. 1984 führte die australische Bundesregierung Medicare ein, ein nationales medizinisches Versorgungssystem, das teilweise über Abgaben in Höhe von 1,25 Prozent des zu versteuernden Einkommens oberhalb eines Mindesteinkommens finanziert wird. Damit gewährt Medicare automatisch den Anspruch auf subventionierte medizinische Versorgung und kostenfreie ambulante und stationäre Behandlung in Krankenhäusern. 1985 wurde ein Heim- und Gemeindeprogramm ins Leben gerufen, das älteren und behinderten Mitmenschen über unterstützende Hilfs- und Dienstleistungen ermöglicht, zu Hause versorgt zu werden.
Ein wichtiger Teil des australischen Gesundheits- und Versorgungswesens ist der Royal Flying Doctor Service, der mit Ambulanzflugzeugen und Notärzten die medizinische Versorgung in abgelegenen Gegenden Australiens gewährleistet. Der fliegende Ambulanzdienst versorgt ungefähr zwei Drittel der Gesamtfläche Australiens und verfügt nicht nur über Ärzte, die von Basisstationen mit Funkanlagen in Verbindung zu entfernten Stationen und Siedlungen stehen, sondern auch über ein eigenes Krankenhaus und zusätzliche Flugrettungsdienste.
Anfänglich spiegelte die vorherrschende Lebensweise in Australien im Großen und Ganzen das Kulturerbe der britischen Siedler wider. Mit der Anpassung an die neue Heimat entstand mit der Zeit eine in ihrer Art eigenständige und für Australien typische Kultur, die aber nach wie vor in britischen Traditionen verwurzelt ist. Seit den sechziger Jahren hat die Ankunft von großen Einwanderermassen vom europäischen Festland und aus Asien die Entwicklung einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft nach sich gezogen, in der die Aborigines, die seit der Ankunft der europäischen Siedler immer wieder in die Randposition der Bedeutungslosigkeit abgedrängt worden waren, eine wichtigere Rolle zu spielen begonnen haben.
Australien hat einige international anerkannte Schriftsteller und Maler hervorgebracht, darunter auch Nobelpreisträger wie den Schriftsteller Patrick White. Sowohl die Hauptstädte der Bundesstaaten als auch Provinzstädte haben Kunstgalerien und Zentren für darstellende Künste errichtet. Das architektonische Meisterwerk, das mit dem Opernhaus von Sydney geschaffen wurde, ist der bekannteste moderne Treffpunkt für Kulturveranstaltungen. Das alle zwei Jahre stattfindende Adelaide-Festival stellt einen kulturellen Höhepunkt dar. Oper, Ballett- und Tanztruppen, Orchester, Künstler, Drehbuchautoren und Schriftsteller werden durch den Australia Council gefördert. Die staatlich unterstützte Rundfunkgesellschaft Australian Broadcasting Corporation (ABC) ist ebenfalls ein bekannter Förderer der Künste. Australien besitzt außerdem eine florierende Filmindustrie und zahlreiche weitere Medienunternehmen sowie eine große Anzahl an Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, darunter auch einige ausländische, die ihren Beitrag zum kulturellen Leben leisten.
Die Einrichtung von Bibliotheken nach dem 2. Weltkrieg wurde durch staatliche Subventionszahlungen an örtliche Behörden erleichtert und unterstützt.
Die National Library of Australia in Canberra dient als Staatsbibliothek, Bibliothek des Bundesparlaments und als Nationalbibliothek und Magazin für urheberrechtliche Werke. In den frühen neunziger Jahren überstieg das Bestandsvolumen bereits 4,5 Millionen Bände. Die Bibliothek besitzt umfangreiche Sammlungen von allgemeinen und speziell auf Australien bezogenen Forschungsunterlagen und vermittelt den Abteilungen der Staatsregierung auch bibliographische Angaben und Referenzen. Die State Library of New South Wales (Gründungsjahr 1826) ist die älteste und größte der öffentlichen, staatlich geführten Bibliotheken. Die State Library of Victoria (1854) enthält Sammlungen mit Werken über Malerei, Musik und die darstellenden Künste. Alle Staaten verfügen über öffentliche Bibliotheken, die im Endeffekt als staatliche Referenzbibliotheken dienen. Am internationalen Standard gemessen, werden die ländlichen Gegenden ebenfalls relativ gut versorgt, was auf die völlig abgelegenen Bereiche jedoch nicht zutrifft. Infolge einer Wirtschaftsrezession, die in den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte, kam es jedoch zu Kürzungen der staatlichen Ausgaben, die die Einschränkung der Versorgung von vielen ländlichen Gegenden nach sich zogen. Jeder Bundesstaat wird durch eine Bibliothek versorgt, und in den verschiedenen Universitätsbibliotheken werden bedeutende Forschungssammlungen aufbewahrt. Die wichtigsten wissenschaftlichen Bibliotheken unterstehen der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO). Industriekonzerne und die nationalen und bundesstaatlichen Regierungsabteilungen besitzen wichtige Fachbibliotheken.
Australien besitzt eine Vielzahl von Museen. Das Australische Museum (Gründungsjahr 1827) in Sydney beherbergt bekannte naturhistorische und anthropologische Sammlungen. Das nationale Marinemuseum (1991) befindet sich ebenfalls in Sydney. Die Kunstsammlung der National Gallery of Victoria (1859) in Melbourne zeigt hervorragende Werke der europäischen und australischen Malerei, ebenso wie die Art Gallery of New South Wales (1874) in Sydney, die Art Gallery of Queensland (1895) in Brisbane, die Art Gallery of South Australia (1881) in Adelaide und die Art Gallery of Western Australia (1895) in Perth. Ebenfalls erwähnenswert sind das Museum of Applied Arts and Sciences (1880), das sich auf Wissenschaft und angewandte Kunst spezialisiert hat, und das Nicholson Museum of Antiquities (1860), ein Antiquitätenmuseum. Beide befinden sich in Sydney. Bedeutende Museen sind außerdem das Herbarium von Queensland (1874), das Tasmanien Museum und die ihm angeschlossene Kunstgalerie (1852) in Hobart, das Museum of Victoria in Melbourne, dem das ehemalige National Museum of Victoria (1854) angegliedert wurde, und das wissenschaftlich orientierte Science Museum of Victoria (1870). Die bekannten Botanischen Gärten von Melbourne beherbergen das Nationalherbarium, ein Forschungszentrum mit Exemplaren und Dokumenten, die teilweise aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Die Australian National Gallery wurde 1982 in Canberra eröffnet, und die australische Hauptstadt wird außerdem in Zukunft ein neues Nationalmuseum besitzen, das voraussichtlich 2001 fertig gestellt wird.
Die Aborigines besitzen eine reiche literarische Tradition, die auf mündlich überlieferten Texten beruht. Diese umfasst nicht nur mythologische und kultgebundene, sondern auch weltliche Erzählungen sowie einige vermutlich geschichtlich fundierte Überlieferungen. Sie kursierten in unterschiedlichen Versionen, die in der Regel vom Erzähler und der jeweiligen Erzählsituation abhängig waren (siehe australische Literatur).
Die Kunst der Aborigines hatte vor allem kultische und rituelle Bedeutung. Sand-, Gesteins- und Höhlenmalereien sowie Schnitzarbeiten und Gravuren in Holz oder andere Werkstoffe waren weit verbreitet. Ockerfarbene Rindenmalereien wurden vorwiegend im Norden in Arnhemland angefertigt. Der Kunststil des westlichen Landesteiles von Arnhemland war besonders naturgetreu, wobei die figürlichen Darstellungen häufig vor einem leeren Hintergrund abgebildet wurden. Darüber hinaus wurden weitere Formen des künstlerischen Ausdrucks, wie die Körpermalerei und andere Körperverzierungen, gepflegt, wobei die rituellen Körpermalereien in Zentralaustralien als besonders kunstvoll gelten.
Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gelang es der ersten Generation der weißen australischen Künstler, sich von der europäischen Malerei zu lösen. Zu den bedeutenden Vertretern dieser Zeit gehören Tom Roberts, Frederick McCubbin und Sir Arthur Streeton, der einer nationalen Spielart des Impressionismus verpflichtet war. Ab den frühen vierziger Jahren dann war eine Hinwendung zur Moderne spürbar. Unter den führenden Malern des 20. Jahrhunderts ist besonders Sir William Dobell erwähnenswert, der für seine Porträts bekannt ist, ferner Sir George Russell Drysdale, der sich durch Darstellungen der Bewohner Inneraustraliens einen Namen machte, und Frederick Ronald Williams, dessen Landschaftsgemälde und Seedarstellungen vor allem wegen des einzigartigen Lichtspieles berühmt wurden. Sir Sidney Nolan, der sich von der australischen Geschichte und Folklore beeinflusst zeigt, erlangte ebenso wie Arthur Boyd Weltruhm. Siehe auch australische Kunst und Architektur
Bei gesellschaftlichen Zusammenkünften der australischen Ureinwohner, die als Korroboris bezeichnet werden, stellen Tanz und Gesang die wichtigsten Elemente dar. Bei heiligen Zeremonien dienen Gesänge als Verbindungsglied zum Reich der Traumzeitgeister. Diese Gesänge, die die rituellen Handlungen begleiten, sollen das Überleben und die Fortpflanzung allen pflanzlichen und tierischen Lebens sichern. Im Norden Australiens werden die Kultgesänge von Didjeridus und Gegenschlagstäben begleitet. In den zentralen und südlichen Gebieten werden Bumerangs oder Keulen für die Erzeugung rhythmischer Intervalle verwendet, während Frauen im Südosten Australiens lederne Schlagstöcke benutzen.
Die Geschichte der auf europäischen Grundlagen beruhenden Musik in Australien beginnt mit der Besiedlung des Landes durch britische Einwanderer, die als einflussreiche Persönlichkeiten öffentliche Konzerte veranstalten ließen. Heute verfügt jede größere Stadt über ein eigenes Sinfonieorchester, das mit der Rundfunkanstalt ABC assoziiert ist. Namhafte Künstler und Dirigenten aus vielen Ländern kommen regelmäßig auf Tourneen nach Australien. Australien selbst hat einen beträchtlichen Beitrag zur musikalischen Welt geleistet, u. a. durch die Sopransängerinnen Dame Nellie Melba und Dame Joan Sutherland, den Komponisten und Pianisten Percy Grainger und die Komponisten Arthur Benjamin, John Antill, Peggy Glanville-Hicks und Peter Joshua Sculthorpe. Die Kunstform des klassischen Balletts wurde durch den berühmten, in Australien geborenen Tänzer und Choreographen Sir Robert Helpmann eingeführt, der sich an der Gründung der Australian Ballet Company maßgeblich beteiligte.
1975 wurde die später in Telecom Australia umbenannte Australian Telecommunications Commission für das Nachrichtenwesen in Australien zuständig. 1992 fusionierte Telecom Australia mit der Overseas Telecommunications Commission Australia (OTC), die seit 1946 für Telekommunikationsdienstleistungen zwischen Australien und dem Ausland verantwortlich war. Aus dieser Verschmelzung ging die AOTC hervor, wodurch das Monopol in diesem Bereich abgeschafft war. Optus Communications, ein gemeinsames australisch-amerikanisch-britisches Konsortium, wurde zum neuen nationalen Träger des Telekommunikationswesens. Der Markt wurde 1997 vollständig dem Wettbewerb der freien Wirtschaft übergeben. Post-Dienstleistungen werden von der Australia Post geregelt. Es werden zugleich staatliche und kommerzielle Radio- und Fernsehsender betrieben. Die Australian Broadcasting Corporation (ABC) ist eine gesetzliche Institution, die über 400 Radiosender auf unterschiedlichen Frequenzen betreibt. Daneben gibt es etwa 200 kommerzielle Sender, die im Gegensatz zu staatlichen Stationen auch Werbung ausstrahlen. Die Fernsehprogramme werden von den staatlichen Sendern der ABC und etwa 43 privaten Sendern ausgestrahlt. 2000 wurden schätzungsweise 37 Millionen Rundfunkempfänger und über neun Millionen Fernsehgeräte genutzt. In Australien gibt es ungefähr 500 Zeitungen, von denen allein circa 65 täglich in einer Gesamtauflage von etwa 5 Millionen Exemplaren erscheinen, darunter die staatliche, landesweit verbreitete Tageszeitung The Australian. Zu den Zeitungen mit den größten Auflagen gehören Sydney Morning Herald, Age und Herald-Sun News Pictorial, die beide in Melbourne erscheinen, ferner Courier-Mail (Brisbane), Advertiser (Adelaide) und West Australian (Perth).
Australien ist Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Cooperation and Development, kurz OECD) der führenden Industrienationen. Die wirtschaftlichen Hauptstützen des Landes sind zum einen der Dienstleistungssektor und zum anderen der Export von Lebensmitteln, Rohstoffen sowie verschiedenen Fertigprodukten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 409 Milliarden US-Dollar (2002). Davon entfielen auf den Dienstleistungssektor 70,6 Prozent, auf die Industrie 25,6 Prozent und auf die Landwirtschaft 3,8 Prozent. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 20 820 US-Dollar. Die Arbeitslosenquote lag 2002 bei 6 Prozent.
Die Landwirtschaft und der Bergbau spielten nicht nur in der geschichtlichen Entwicklung Australiens eine zentrale Rolle, beide gehören auch heute noch zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Obwohl auf die Agrarwirtschaft weniger als 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, erzielt dieser Sektor immerhin gut ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen. Australien gehört weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Weizen, Fleisch und Wolle. Allein bei Wolle erzeugen australische Betriebe über 25 Prozent des Jahresvolumens der Weltproduktion. Das Land ist einer der größten Rohstofflieferanten der Erde; exportiert werden z. B. Eisenerz, Bauxit, Gold, Uran und Steinkohle sowie Kupfer-, Nickel- und Zinkerze. Während die Rohstoffproduktion eine zentrale Rolle für den australischen Export einnimmt, ist dieser Bereich auf dem einheimischen Markt in den vergangenen Jahren sehr viel weniger stark gewachsen.
Weil Australien besonders Rohstoffe (vor allem nach Japan) exportiert, ist die Wirtschaft eng an die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt gekoppelt. Um in diesem Punkt möglichst unabhängig zu werden, versuchte man durch hohe Investitionen die Industrie des Landes zu modernisieren und zu diversifizieren. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts machten sich diese Bemühungen positiv bemerkbar.
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