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Bosnien und Herzegowina (serbokroatisch Bosna i Hercegovina), Republik auf der Balkanhalbinsel im Südosten Europas, grenzt im Norden und Westen an Kroatien und im Osten und Süden an Serbien und Montenegro.

Bosnien und Herzegowina, eine ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens, erklärte im März 1992 seine Unabhängigkeit. In der Folgezeit brach in dem Land ein Bürgerkrieg aus. Bosnien und Herzegowina (manchmal auch vereinfachend Bosnien genannt) hat eine Fläche von 51 129 Quadratkilometern. Die Hauptstadt des Landes ist Sarajevo.

Ein großer Teil von Bosnien und Herzegowina ist gebirgig. Ausläufer des Dinarischen Gebirges erstrecken sich vor allem im Westen des Landes. Aufgrund der hohen Löslichkeit des Kalkgesteins ist ein großer Teil des Landes verkarstet. Das Wasser fließt in vielen Gebieten nicht oberflächlich ab, sondern versickert und fließt unterirdisch in Höhlensystemen weiter. Nur wenige ständig wasserführende Flüsse sind entwickelt. Die längsten von ihnen sind die Save, die die Nordgrenze zu Kroatien bildet, und ihre Nebenflüsse Una, Drina und Vrbas. Der längste der in das Adriatische Meer mündenden Flüsse ist die Neretva. Bosnien und Herzegowina verfügt über einen schmalen, etwa 20 Kilometer langen Küstenstreifen am Adriatischen Meer. Auf dem Staatsgebiet gibt es keine größeren Seen.

Der größte Teil des Landes wird von kontinentalem Klima geprägt. Die Sommer sind in der Regel sehr heiß, die Winter kalt. In den höher gelegenen Landesteilen sind die kurzen Sommer kühl, die Winter lang und mitunter sehr kalt. Der schmale Küstenabschnitt ist mediterran beeinflusst. Die Temperaturen liegen dort höher als im Landesinneren, die Winter sind regnerisch. In Sarajevo liegt die mittlere Monatstemperatur im Januar bei -1,4 °C, im Juli um 20 °C. Die Stadt verzeichnet einen Jahresniederschlag von etwa 900 Millimetern; es regnet zu allen Jahreszeiten.

Bosnien, der nördliche Teil der Republik, ist dicht bewaldet, während Herzegowina im Süden flachere Gebiete mit fruchtbaren Böden aufweist, die hauptsächlich als Ackerland genutzt werden. Die tieferen Lagen in Bosnien werden vorwiegend von Laub- und Mischwäldern eingenommen, die mit zunehmender Höhe in Nadelwälder übergehen. In dem unter Naturschutz stehenden Perucica-Urwald erreichen Buchen, Tannen und Fichten Höhen von mehr als 60 Metern. Zu den in Bosnien und Herzegowina verbreiteten Raubtieren gehören Braunbären, Wölfe, Goldschakale und Wildkatzen. In den verkarsteten, nicht bewaldeten Regionen leben Gämsen. Unter den zahlreichen Reptilien des Gebiets finden sich Schlangen wie Äskulapnatter, Leopardnatter, Europäische Eidechsennatter und die Giftschlangen Kreuzotter und Sandotter.

Die Einwohnerzahl von Bosnien und Herzegowina liegt bei etwa 4,01 Millionen (2004). Dies ergibt eine Bevölkerungsdichte von 78 Einwohnern je Quadratkilometer. Das jährliche Wachstum der Bevölkerung beträgt im Mittel 0,45 Prozent (2004). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 69,8 Jahren für Männer und bei 75,5 Jahren für Frauen (2004). Die Zusammensetzung der Bevölkerung basiert auf Schätzungen, da während des Bürgerkrieges starke Wanderungsbewegungen stattfanden. Neben mehr als einer Million Binnenflüchtlingen flohen mehr als 900 000 weitere Bewohner des Landes während des Bürgerkrieges in andere Länder, vor allem in die Bundesrepublik Jugoslawien, aber auch nach Kroatien, Österreich, Deutschland, Slowenien und andere Staaten.

Die Bosnier stellen mit einem Anteil von etwa 44 Prozent die stärkste ethnische Gruppe dar. Sie bekennen sich zum Islam (überwiegend Sunniten) und sind Nachfahren der Türken und Slawen, die zum Islam konvertierten, als die Region unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches stand. Die Serben sind mit rund 31 Prozent zweitgrößte Volksgruppe; etwa 17 Prozent der Bevölkerung in Bosnien und Herzegowina sind Kroaten.

Vor dem Krieg lebten rund zwei Drittel der Bevölkerung in ländlichen Gebieten. Mittlerweile hat sich der Anteil der städtischen Bevölkerung von ungefähr einem Drittel auf etwa 44 Prozent erhöht (2002). Ein Großteil der Stadtbevölkerung lebt in den drei größten Städten Sarajevo, Banja Luka und Zenica.

Der Bürgerkrieg hatte auch massive Auswirkungen auf das Bildungswesen. In den Kriegsgebieten war kein regelmäßiger Schulbesuch möglich. In Bosnien und Herzegowina herrscht Schulpflicht für Kinder zwischen 7 und 15 Jahren. Der Schulbesuch ist kostenlos. Die meisten Kinder schließen an die Grundschulausbildung den Besuch einer Berufsschule, eines Gymnasiums oder einer anderen Schule an. Der Alphabetisierungsgrad beträgt etwa 85 Prozent. Es gibt vier Universitäten: in Sarajevo, Banja Luka, Mostar und Tuzla. Das Gesundheitswesen des Landes hängt stark von ausländischer Hilfe ab.

Amtssprachen sind Bosnisch, Kroatisch und Serbisch, die wie Slowenisch zum südlichen Zweig der slawischen Sprachen gehören. Serbisch wird mit dem kyrillischen Alphabet geschrieben, während die Kroaten und Muslime das lateinische Alphabet verwenden. Das Abkommen von Novi Sad aus dem Jahr 1954, das festlegte, dass Serbokroatisch eine Sprache mit zwei Schriften ist, wurde im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen Kroatiens aufgekündigt. 44 Prozent der Bosnier bekennen sich zum Islam, der serbische Anteil der Bevölkerung von 31 Prozent sind Serbisch-Orthodoxe, die Kroaten (17 Prozent) sind Anhänger der römisch-katholischen Kirche.

Auf einen Arzt kommen 552 Einwohner. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 1,7 Prozent (1995).

Die derzeit gültige Verfassung von Bosnien und Herzegowina trat 1995 in Kraft und wurde zuletzt 2002 geändert. Bereits 1991 war vor dem Hintergrund des Zerfalls von Jugoslawien ein Versuch unternommen worden, eine neue Verfassung zu erstellen; der Versuch scheiterte jedoch an den ethnischen Spannungen zwischen den drei großen Volksgruppen Bosnier, Serben und Kroaten, die schließlich in den Bosnisch-Kroatisch-Serbischen Krieg mündeten. Bosnien und Herzegowina ist seit der Unabhängigkeit 1992 eine Republik mit einem Mehrparteiensystem. Nationalfeiertag ist der 1. März, der an das Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 1992 erinnert.

Staatsoberhaupt ist das aus drei Mitgliedern (ein muslimischer Bosnier, ein Serbe und ein Kroate) bestehende Präsidium, das für eine Amtszeit von zwei Jahren direkt vom Volk gewählt udn in dem der Vorsitz im Acht-Monats-Rhythmus rotiert. Das Präsidium soll in ihrer Zusammensetzung ebenso wie die Regierung des Bundesstaates die ethnische Vielfalt der Republik widerspiegeln. Das Zweikammerparlament setzt sich aus dem Abgeordnetenhaus und der Kammer der Völker zusammen. Das Abgeordnetenhaus besteht aus 42 für vier Jahre direkt gewählten Mitgliedern (28 aus der Bosnisch-kroatischen Föderation und 14 aus der Serbischen Republik). In der Kammer der Völker sitzen jeweils fünf Vertreter der drei Volksgruppen, die ebenfalls für jeweils vier Jahre gewählt werden. Der Oberste Gerichtshof und das Verfassungsgericht sind die höchsten Gerichte der Republik.

Die wichtigsten Parteien in Bosnien und Herzegowina sind die Demokratische Aktionspartei (SDA), die Partei für Bosnien-Herzegowina (SBiH), die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ), die Serbische Demokratische Partei (SDS) und die Sozialdemokratische Partei (SDP).

Seit dem Krieg ist Bosnien und Herzegowina als Bundesstaat mit zwei konstitutiven Landesteilen – der Bosnisch-kroatischen Föderation (BKF) und der Republik Srpska (RS; Serbische Republik) – organisiert. Beide Landesteile haben eine jeweils eigene Regierung. Verbunden sind sie durch die gemeinsame Zentralregierung, die jedoch nur über eingeschränkte Kompetenzen verfügt.

Das politische System der Bosnisch-kroatischen Föderation sieht gemäß der Verfassung vom 31. Mai 1994 ein Zweikammerparlament vor, bestehend aus dem Abgeordnetenhaus mit 140 Mitgliedern, die für vier Jahre gewählt werden, und der Kammer der Völker mit 74 Sitzen. Der Präsident und der Vizepräsident werden vom Parlament gewählt. Ministerpräsident und Präsident dürfen nicht derselben ethnischen Gruppe angehören. Die wichtigsten Parteien in der Bosnisch-kroatischen Föderation sind die Demokratische Aktionspartei (SDA), die Partei für Bosnien-Herzegowina (SBiH), die Sozialdemokratische Partei (SDP) und die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ).

Die Republik Srpska wurde am 27. März 1992 proklamiert; die Verfassung trat 1992 in Kraft und wurde zuletzt 2002 geändert. Die Legislative liegt beim Einkammerparlament (Nationalversammlung), dessen 83 Mitglieder für vier Jahre gewählt werden. Die wichtigsten Parteien sind die Serbische Demokratische Partei (SDS), die Unabhängige Sozialdemokraten (SNSD), die Partei für Demokratie und Fortschritt (PDP-RS), die Partei für Bosnien-Herzegowina (SBiH), die Sozialdemokratische Partei (SDP), die Sozialistische Partei (SPRS) und der Serbische Volksbund (SNS).

Bosnien und Herzegowina gehörte neben Makedonien zu den ärmsten der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken. Das Land ist auch nach Erklärung der Unabhängigkeit weitgehend agrarisch geprägt. Durch den Krieg wurden jedoch weite Ackerflächen verwüstet oder lagen brach. Die Produktion von Nahrungsmitteln ging rapide zurück. Schätzungen zufolge wurden während des Bürgerkrieges etwa 80 Prozent der industriellen Anlagen zerstört. Die Wirtschaft der Republik kam zeitweise nahezu zum Erliegen, und viele Menschen waren auf Hilfsgüter aus dem Ausland angewiesen. Inflation und Arbeitslosigkeit stiegen dramatisch. Zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation trugen ferner Wirtschaftsblockaden bei, sowohl durch Serbien als auch Kroatien. Eine Übereinkunft, die im März 1994 mit Kroatien geschlossen wurde, beendete jedoch die Blockade an der Westküste und trug ein wenig zur Stützung der bosnischen Wirtschaft bei.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei 1 000 Millionen US-Dollar (1995). Die Staatsverschuldung erreicht einen Wert von 3 361 Millionen US-Dollar (1995). Die Inflationsrate beträgt 30 Prozent (1995). 11 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft, 48 Prozent in der Industrie und 41 Prozent im Dienstleistungssektor beschäftigt (1990).

Weizen, Mais und Zuckerrüben machten in der Zeit vor dem Krieg den größten Teil der landwirtschaftlichen Produktion aus. Darüber hinaus wurde auch Obst- und Weinbau betrieben. Nach Beendigung des Bürgerkrieges kommt die agrarische Produktion wieder in Gang. Die wichtigsten Anbaugebiete sind das von der Save durchflossene Tiefland sowie Teile von Herzegowina. Die vor dem Krieg überaus wichtige Rinder- und Schafzucht setzt wieder verstärkt ein. 13,6 Prozent der Gesamtfläche werden als Ackerland genutzt (2001).

Bosnien und Herzegowina ist reich an mineralischen Rohstoffen. Zu den wichtigsten Bodenschätzen gehören Braunkohle, Eisen, Mangan, Silber, Blei, Kupfer, Chrom und Kohle. Die vor dem Krieg bedeutenden Produktionszweige Eisen- und Stahlindustrie sowie Metallverarbeitung befinden sich im Aufbau.

Der Dinar, die Währung des ehemaligen Jugoslawien, war vor dem Krieg die Währungseinheit in Bosnien und Herzegowina. Mittlerweile ist der Bosnisch-Herzegowinische Dinar (BHD) zu 100 Para offizielle Landeswährung.

Ausgeführt werden vorwiegend Eisenerze, Holzkohle, Steinsalz, Blei, Zink, Mangan, Bauxit und von den landwirtschaftlichen Produkten vor allem Tabak und Früchte. Die Handelsbilanz ist negativ.

Das Straßennetz hat eine Länge von 21 846 Kilometern (1999), das Eisenbahnnetz ist 1 050 Kilometer lang. Internationale Flughäfen befinden sich in Sarajevo und Mostar.

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