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Frankreich (amtlich République Française), Land in Westeuropa. Es grenzt im Norden an den Ärmelkanal, die Straße von Dover und die Nordsee, im Nordosten an Belgien und Luxemburg, im Osten an Deutschland, die Schweiz und Italien, im Süden an das Mittelmeer, Monaco, Andorra und Spanien und im Westen an den Atlantischen Ozean. Sowohl die Nord-Süd-Ausdehnung als auch die Erstreckung von Westen nach Osten betragen maximal etwa 1 000 Kilometer. Die Hauptstadt von Frankreich ist Paris. Zum Staatsgebiet Frankreichs gehören zudem die vier Überseedepartements (Départements d’Outre-Mer, DOM) Französisch-Guayana in Südamerika, Martinique und Guadeloupe in der Karibik und Réunion im Indischen Ozean, die beiden Gebietskörperschaften (Collectivités territoriales, CT) St-Pierre-et-Miquelon im Nordatlantik und Mayotte vor der ostafrikanischen Küste sowie die vier Überseeterritorien (Territoires d’Outre-Mer, TOM) mit beschränkter Selbstbestimmung, die nicht mehr als Teil des Mutterlandes gelten: Neukaledonien, Französisch-Polynesien, Terres Australes et Antarctiques (südliche und antarktische Territorien Frankreichs) sowie die Inseln Wallis et Futuna. Frankreich hat einschließlich der Insel Korsika eine Fläche von 543 965 Quadratkilometern; damit ist es nach Russland und der Ukraine das drittgrößte Land in Europa.
Die Landschaft Frankreichs wird zum größten Teil von drei Naturräumen bestimmt. Sie umfasst Mittelgebirge, Beckenlandschaften und die im Süden aufragenden Hochgebirge. Die höchsten Erhebungen des Landes befinden sich in den französischen Alpen; über sie verläuft im Südosten des Landes die Grenze nach Italien. Viele der Alpengipfel entlang der französischen Grenze sind über 4 000 Meter hoch. Höchster Berg Frankreichs und der Alpen ist der Montblanc (4 810 Meter). Nordöstlich von Lyon bis in die Gegend von Montbéliard erhebt sich der Französische Jura. Er erreicht Höhen von etwa 1 700 Metern und bildet die Ostgrenze Frankreichs zur Schweiz. Die Burgundische Pforte – eine breite Senke zwischen Montbéliard und Belfort – verbindet die Grabenzonen des Rheins und der Saône. Die nördlich der Burgundischen Pforte gelegenen Vogesen bilden als Gegenstück zum Schwarzwald im Osten die natürliche Grenze des Rheintales nach Westen. Im Großen Belchen erreicht dieses Mittelgebirge mit 1 424 Metern seine größte Höhe. Die Pyrenäen dehnen sich entlang der spanisch-französischen Grenze vom Mittelmeer bis zum Golf von Biscaya aus und bilden eine weitere natürliche Grenze Frankreichs. Die geringe Anzahl der Pässe erschwerte früher den Handel zwischen Frankreich und Spanien, während die Alpen seit jeher gute Überquerungsmöglichkeiten, wie z. B. den Sankt-Bernhard-Pass, boten. Im südlichen Teil des Landes liegt das Zentralmassiv, das sich westlich des Rhône-Tals steil erhebt. Hier, in der Auvergne, gibt es erloschene Vulkane aus dem Tertiär. Südlich des Zentralmassivs befinden sich die stark verkarsteten Causses und im Anschluss daran die Cevennen. Im Nordosten des Landes ragen Ausläufer der durch Erosion abgeflachten Gebirge der Ardennen auf französisches Gebiet.
Zentrale Landschaft Frankreichs ist das Pariser Becken, das von einer Schichtstufenlandschaft begrenzt wird. Die Ränder der Schichtstufen sind nach außen gekehrt, das Beckeninnere hat ein relativ ausgeglichenes, flachwelliges Relief. Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa 200 Meter über dem Meeresspiegel. Darin eingebettet befinden sich die Flussläufe der Seine und der Loire; diese ist der längste Fluss Frankreichs. Eine weitere ausgedehnte Beckenlandschaft bildet das Aquitanische Becken im Südwesten, das von der Garonne durchflossen wird. In Bezug auf die Wassermenge ist die Rhône der größte Fluss des Landes. Sie durchzieht mit ihren Nebenflüssen Saône, Isère und Durance den Osten und die französischen Alpen. Zu den wichtigsten Nebenflüssen der Seine, der Hauptader der Binnenschifffahrt, gehören Aube, Marne, Oise und Yonne. In Frankreich gibt es nur wenige Seen. Der größte Teil des an der französisch-schweizerischen Grenze gelegenen Genfer Sees liegt in der Schweiz.
Die Küsten Frankreichs haben insgesamt eine Länge von 3 427 Kilometern. Die Nordküste am Ärmelkanal und an der Nordsee ist ungefähr 1 000 Kilometer lang und wird von Trichtermündungen (Ästuaren) und kleineren Einbuchtungen gegliedert, von denen nur wenige sichere Ankerplätze bieten. Le Havre bildet an diesem Abschnitt der Küste eine Ausnahme. Die anderen Häfen an der nördlichen Küste Frankreichs, wie z. B. Cherbourg, wurden nach dem Bau von Wellenbrechern angelegt. Die Westküste am Atlantik ist etwa 1 400 Kilometer lang. Von der bretonischen Halbinsel bis zur Gironde ist die Küstenlinie unregelmäßig und, mit Ausnahme der von steilen Küsten geprägten Bretagne, flach und sandig. Der Küste sind hier mehrere Inseln vorgelagert. Die bedeutendsten Häfen sind Brest, Lorient und Saint-Nazaire. Bordeaux liegt landeinwärts am Ästuar der Gironde. Südlich der Gironde ist der Verlauf der Küste überaus geradlinig. Sie wird von einem lang gestreckten Dünengelände begleitet. Bei Arcachon befindet sich die 115 Meter hohe Dune de Pyla, die höchste Düne Europas. Die besten natürlichen Häfen, wie etwa Marseille, Toulon und Nizza, liegen am Mittelmeer. Im Bereich der Mündung der Rhône, die in einem ausgeprägten Delta ins Mittelmeer fließt, gibt es mehrere Strandseen. Im östlichen Abschnitt der circa 600 Kilometer langen Mittelmeerküste rücken durch Buchten gegliederte Steilküsten bis nahe an das Meer.
Das Klima des festländischen Frankreich ist warm-gemäßigt und größtenteils maritim beeinflusst. Das Fehlen hoher Gebirge im westlichen Teil des Landes bewirkt das Vordringen atlantischer Einflüsse bis weit nach Westen. Die Temperaturen in den küstennahen Regionen im Westen des Landes werden durch die relativ warmen Meeresströmungen und die vorherrschenden Südwestwinde geprägt. Niederschläge fallen zu allen Jahreszeiten, häufig in Form von anhaltenden Sprühregen. Im Landesinneren, insbesondere im Nordosten, wird das Klima kontinentaler mit größeren Temperaturschwankungen im Jahresverlauf – die Winter sind kalt, die Sommer relativ warm. Andere klimatische Bedingungen sind für den Bereich der Mittelmeerküste charakteristisch. Hier herrscht ein typisches mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern.
Die mittlere Temperatur liegt in Paris im Januar bei 3 °C und im Juli bei 18 °C. In Lyon entspricht die mittlere Januartemperatur der von Paris; die mittlere Julitemperatur liegt bei 20 °C. Wärmer ist es in Marseille bei Mittelwerten von 6 °C im Januar und 24 °C im Juli. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Paris im Mittel 573 Millimeter, in Lyon 764 Millimeter und an der Mittelmeerküste bei Marseille 650 Millimeter. Niederschlagsmaxima über 2 000 Millimeter werden in den Alpen, im Jura, im Zentralmassiv und in den Pyrenäen erreicht. Eine meteorologische Besonderheit Südfrankreichs ist der Mistral, ein trockener, starker Fallwind, der kalte Luftmassen aus dem Norden durch das Tal der Rhône nach Süden bringt.
In Frankreich stehen 13,5 Prozent (2000) der gesamten Landesfläche unter Naturschutz. Die Pflanzenwelt des Landes bietet einen charakteristischen Querschnitt durch die Vielfalt Europas. Sie reicht von alpinen Flechten und Moosen bis zu subtropischen Arten wie Ölbäumen und Orangen. Im mediterranen Klimabereich wachsen vor allem Aleppokiefern, Stein- und Korkeichen, Zypressen und Platanen. In einigen heute nicht mehr waldbedeckten Gebieten an der Mittelmeerküste gedeihen den trockenen Bedingungen angepasste Hartlaubgewächse (Macchie).
Kultiviert werden in Südfrankreich u. a. Oliven, Mandeln und Wein. An der Atlantikküste, vor allem im südlichen Abschnitt, nimmt Kiefernwald ausgedehnte Flächen ein; im Dünengebiet Landes entstand durch intensive Aufforstung das mit einer Fläche von rund 800 000 Hektar größte zusammenhängende Waldgebiet Frankreichs. In den Ardennen und Vogesen sind Laubwälder mit Buchen, Eichen, Eschen, Ahorn und Birken als vorherrschenden Baumarten verbreitet; in höheren Lagen treten diese mit Fichten und Tannen vermischt auf. In den Alpen reicht die Höhenstufung von Eichen- und Buchenwäldern über Tannen- und Fichtenwälder bis zu alpinen Matten oberhalb der Waldgrenze. Die Bretagne ist, wie auch das Aquitanische und das Pariser Becken, überwiegend nicht bewaldet. Nach der Rodung der Wälder, der ursprünglichen Vegetation, bildeten sich hier aufgrund des feucht-kühlen ozeanischen Klimas sehr schnell Grasland und Heiden u. a. mit Ginster und Heidekraut als verbreiteten Pflanzen aus.
Trotz der relativ geringen Bevölkerungsdichte ist Frankreich stark durch vom Menschen geformte Kulturlandschaften geprägt, wodurch die Vielfalt wild lebender Tiere beschränkt wird. Eine weitere gravierende Beeinträchtigung der Fauna besteht darin, dass Frankreich den Massenfang von Vögeln für kulinarische Zwecke erlaubt, 1997 schätzte man die Zahl der hier getöteten Vögel auf 70 Millionen. Hinzu kommt, dass zwei Drittel der Waldflächen nur als Niederwald entwickelt sind. Hier finden vor allem Arten wie Feldhasen, Fasane und Rebhühner geeigneten Lebensraum. In den Hochwäldern leben Rothirsche, Rehe, Wildschweine und Rotfüchse, in höheren Lagen der Alpen Gämsen, Murmeltiere und Schneehasen. Den Südwesten des Landes bewohnt ein bemerkenswertes Raubtier: die Ginsterkatze (eine Schleichkatze), in den Pyrenäen gibt es noch einige wenige Braunbären. Die frei lebenden Pferde in der Camargue sind verwilderte Hauspferde.
Zu den Besonderheiten der Avifauna (Vogelwelt) gehören neben Schmutzgeiern fünf Adlerarten (Seeadler, Steinadler, Habichtsadler, Zwergadler, Schlangenadler), in der Camargue leben Flamingos. Weitere besonders auffallende Vogelarten sind Bienenfresser und Wiedehopf. Vor allem in den südlichen Landesteilen gibt es zahlreiche Reptilien wie Geckos, Skinke (Glattechsen), Eidechsen (u. a. die bis 60 Zentimeter große Perleidechse), Schlangen (Nattern, Vipern) sowie Sumpf- und Meeresschildkröten. Die häufigsten Süßwasserfische sind Karpfen. In den Küstengewässern des Atlantiks und des Mittelmeeres leben zahlreiche Fischarten, darunter Dorsche, Heringe, Makrelen, Plattfische, Sardinen und Thunfische.
Frankreich hat etwa 60,4 Millionen Einwohner, woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 111 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. Die Bevölkerung des Landes ist ethnisch relativ homogen, 94 Prozent der Einwohner sind französische Staatsbürger. Die größten Gruppen ausländischer Herkunft sind Algerier, Portugiesen, Marokkaner, Italiener und Spanier. Einen Siedlungsschwerpunkt bildet die Île-de-France; in diesem Gebiet liegt die Bevölkerungsdichte bei 839 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Die mittlere Wachstumsrate der Bevölkerung beträgt 0,39 Prozent. Die Lebenserwartung liegt für Männer bei 75,8 Jahren und für Frauen bei 83,3 Jahren (2004).
Rund drei Viertel der Bevölkerung leben in Städten. Größte Stadt Frankreichs ist Paris mit etwa 2,13 Millionen Einwohnern; die Gesamteinwohnerzahl in der Agglomeration Paris beläuft sich auf rund 9,63 Millionen Menschen (2000). In der Hafenstadt Marseille leben etwa 798 000 Menschen (in der Agglomeration circa 1,35 Millionen Einwohner). Lyon mit etwa 445 500 Einwohnern (in der Agglomeration rund 1,35 Millionen Einwohner) ist der Hauptstandort der Textilindustrie.
Weitere wichtige Städte sind das Industrie- und Handelszentrum Toulouse (390 000 Einwohner), das touristisch attraktive Nizza (Nice; 342 700 Einwohner), Straßburg (Strasbourg; 264 000 Einwohner) mit seinem Rheinhafen, ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum, Nantes (270 300 Einwohner), bekannt für Zuckerproduktion, Schiffbau und eine Reihe anderer Industriezweige, Bordeaux (215 000 Einwohner) mit bedeutendem Seehafen und ein Zentrum für Weinhandel und Industrie sowie Montpellier (225 000 Einwohner), ein Handels- und Gewerbezentrum.
Die Amtssprache Französisch wird von der großen Mehrheit der Landesbevölkerung gesprochen. Daneben existieren in einigen Gebieten Regionalsprachen; Bretonisch in der Bretagne, Baskisch und Katalanisch in den Pyrenäen, Provenzalisch in Teilen der Provence, Okzitanisch im Languedoc, Flämisch in Flandern sowie Deutsch im Elsass und in Lothringen. Der im Elsass gesprochene deutsche Dialekt wird Elsässisch genannt.
In Frankreich hat die Pflege der französischen Sprache einen großen Stellenwert (siehe Institut de France). Trotz einiger durch den Verfassungsrat vorgeschriebener Veränderungen ist weiterhin das als Loi Toubon bekannt gewordene Gesetz aus dem Jahr 1994 in Kraft, das den obligatorischen Gebrauch der französischen Sprache in Werbung, Dokumenten und auf Kongressen vorsieht und Zuwiderhandlungen mit Geldbußen ahndet. Dies richtet sich vor allem gegen die auch in Frankreich weit verbreiteten Anglizismen, in denen eine Gefahr für die kulturelle Identität gesehen wird.
Rund 81 Prozent der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an, etwa 4,5 Prozent sind Muslime, die meisten von ihnen Sunniten. Darüber hinaus leben auch Protestanten (circa 1,4 Prozent) und Juden (etwa 1,3 Prozent) in Frankreich. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Kirche und Staat nicht getrennt. Der wachsende Einfluss der katholischen Kirche auf Politik und öffentliche Bildung stieß jedoch auf starken Widerstand im Volk und führte 1905 zur gesetzlichen Trennung von Staat und Kirche; seit diesem Zeitpunkt gibt es seitens des Staates keine finanzielle Unterstützung mehr, so dass die Kirche weitgehend auf Spenden angewiesen ist.
Die Franzosen läuten das neue Jahr am 1. Januar ein. Das Dreikönigsfest, genannt Le Jour des Rois wird am 6. Januar gefeiert. Auf den Ostersonntag folgt der Ostermontag als gesetzlicher Feiertag. Der Maifeiertag (1. Mai) ist in Frankreich auch gleichzeitig der Tag der Arbeit. Am 8. Mai wird der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands vor den alliierten Kräften (1945) gedacht. Vierzig Tage nach Ostern wird Christi Himmelfahrt gefeiert. Pfingstsonntag (fünfzig Tage nach Ostern) und der darauf folgende Pfingstmontag sind ebenfalls gesetzliche Feiertage. Nationalfeiertag ist der Tag des Sturms auf die Bastille (La Fête Nationale) am 14. Juli. Am 15. August wird Mariä Himmelfahrt gefeiert. Allen christlichen Heiligen wird am 1. November La Toussaint, bzw. Allerheiligen, Ehre erwiesen. Der Tag des Waffenstillstands, der 11. November, kennzeichnet den Tag, an dem die Alliierten und die Mittelmächte den 1. Weltkrieg mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsvertrages beendeten. Weihnachten wird am 25. Dezember gefeiert.
Die französische Krankenversicherung deckt in den meisten Fällen einen Teil der Kosten für ärztliche Behandlung, Medikamente und Krankenhausaufenthalte und übernimmt bei sozial schwachen Gruppen, Arbeitslosen und Kindern unter zehn Jahren die Gesamtheit dieser Kosten. Die Krankenversicherung und andere Zweige der Sozialversicherung fallen in den Zuständigkeitsbereich der Sécurité Sociale, die Kindergeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld sowie Erwerbsunfähigkeitsrente und Altersversorgung verwaltet. Die Pflicht zur Sozialversicherung erfasst rund 98 Prozent der Einwohner Frankreichs. Die Arbeitslosenquote beträgt 8,9 Prozent (2002). Auf 397 Einwohner kommt ein Arzt. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 0,9 Prozent (1995).
Seit dem Mittelalter, namentlich mit der im 12. Jahrhundert gegründeten Université de Paris, fungierten die französischen Bildungszentren als internationale Vorbilder. Zu den einflussreichen Lehrmeistern gehörten Pierre Abélard im 12. Jahrhundert, Michel de Montaigne im 16. Jahrhundert, François Fénelon und Jean-Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert sowie der Philosoph Victor Cousin im 19. Jahrhundert.
Die Zentralisierung des Schulsystems auf staatlicher Grundlage entwickelte sich zwischen 1806 und 1808 unter Napoleon. Das moderne Bildungswesen gründet sich auf Gesetze, die von 1881 bis 1886 durch den Unterrichtsminister Jules Ferry erlassen wurden. Sie legten den unentgeltlichen Pflichtbesuch öffentlicher Schulen fest. Unter den später erfolgten Gesetzesänderungen waren die Genehmigung eines freien Unterrichtswesens in Sekundarschulen und technischen Schulen, die Trennung von Kirche und Staat im Bildungswesen (1905), das Gesetz zur Unterstützung von Privatschulen einschließlich religiös geleiteter Einrichtungen (1951 bzw. 1959) sowie die Ausdehnung der Schulpflicht auf das 16. Lebensjahr (1959). Die Schulpflicht betrug 2000 11 Jahre. Nach der Studentenrevolte 1968 musste Staatspräsident Charles de Gaulle ein Rahmengesetz für Studienreformen erlassen. Mit dem neuen System wurde insbesondere die Kontrolle über finanzielle Mittel, Lehrpläne sowie die Vergabe von Lehrstellen durch das Erziehungsministerium abgeschafft und stattdessen auf den verschiedensten Ebenen Unterrichtseinheiten eingerichtet; die Fakultäten bekamen zudem das Recht zugesprochen, über die Zusammensetzung des Lehrkörpers zu entscheiden, und die Studenten erhielten ein größeres Mitspracherecht an der Universität. Das Recht der Universitätsprofessoren (die Lehrstühle auf Lebenszeit innehatten), über Neuernennungen abzustimmen, wurde abgeschafft und die Basis für demokratischere Fachbereichsstrukturen geschaffen. Mehrere der großen Universitäten wurden in kleinere Einheiten umstrukturiert, so dass sich die Zahl der französischen Universitäten in den achtziger Jahren von 23 auf 70 erhöhte. Mittlerweile besuchen in Frankreich 2,03 Millionen Studenten Universitäten und andere Einrichtungen auf Hochschulebene (2000–2001).
Besonders hervorzuheben ist der auf die Herausbildung einer administrativen und intellektuellen Elite zugeschnittene Charakter des französischen Bildungssystems. Zwei der berühmtesten Gymnasien Frankreichs sind das Pariser Lycée Louis-le-Grand, auf das u. a. Voltaire, Edgar Degas, Georges Pompidou, Giscard d’Estaing und Jacques Chirac gingen, und das Lycée Henry IV. Renommierteste der Grandes Écoles (so genannte Elitehochschulen) sind vor allem die von Napoleon gegründete Ingenieursschule École Polytechnique und die mehr geisteswissenschaftlich orientierte École Normale Supérieure (ENS) in Paris, das politikwissenschaftliche Institut d’Études Politiques (IEP), die Hautes Études de Commerce (HEC) und die École Nationale d’Administration (ENA), eine von General de Gaulle gegründete Verwaltungsschule für die höchsten Ämter in Staat und Politik. Besonders die École Polytechnique und die ENA haben großen Einfluss auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung Frankreichs. Viele Kabinettsmitglieder und Topmanager sind Absolventen dieser Elitehochschulen.
In den meisten Städten Frankreichs befinden sich Stadtbüchereien und Museen. Die meisten dieser Einrichtungen weist Paris auf. Zu den größten Bibliotheken gehören die Bibliothèque Nationale (Paris) mit über neun Millionen Bänden sowie die Pariser Universitätsbibliotheken. Der Louvre in Paris beherbergt eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. Im Centre National d’Art et de Culture Georges Pompidou im Zentrum der Hauptstadt sind Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts untergebracht. Viele der großen Meisterwerke französischer Baukunst wie Kirchen, Kathedralen, Burgen und Schlösser werden als nationale Denkmäler erhalten.
Siehe französische Literatur
Im Mittelalter avancierte Frankreich zur herausragenden Kulturnation. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurde die französische Kunst und Architektur von den Königen aus Repräsentanzgründen stark gefördert. Viele Künstler und Handwerker zogen deshalb nach Paris. Jean Clouet und sein Sohn François etwa standen als Porträtisten im Dienst Franz I. Die wichtigsten französischen Maler des 17. Jahrhunderts sind Georges de La Tour, Nicolas Poussin und Claude Lorrain; im 18. Jahrhundert traten Antoine Watteau, François Boucher, Jean Fragonard, Jean Chardin und Jean Greuze hervor.
Im 19. Jahrhundert wurde Paris zur Kunsthauptstadt Europas. Jacques-Louis David war der Hauptvertreter des Klassizismus seiner Zeit. Parallel hierzu lieferten Ingres, Delacroix und Géricault wichtige Beiträge zur Romantik. Bedeutende französische Maler des Realismus zur Mitte des 19. Jahrhunderts sind Gustave Courbet, Honoré Daumier, Jean François Millet und Jean-Baptiste-Camille Corot aus der Schule von Barbizon. Die von Édouard Manet beeinflusste Malerei des Impressionismus wurde von Claude Monet, Camille Pissarro und Pierre Auguste Renoir gepflegt. Zu den Neoimpressionisten gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehören Edgar Degas, Paul Cézanne und Paul Gauguin. Während dieser Zeit entstanden auch die Werke von Henri Rousseau und Gustave Moreau. International bekannte Künstler des 20. Jahrhunderts sind u. a. Henri Matisse, Georges Braque, Georges Rouault, Marcel Duchamp, Fernand Léger, Pierre Bonnard und Jean Dubuffet.
Im Bereich der Baukunst entstanden zur Zeit der Gotik in Frankreich meisterhafte Kathedralen. Von besonderer Bedeutung sind die Abteikirchen Saint-Denis und Sainte-Chapelle in Paris sowie die Kathedralen von Amiens, Chartres, Paris und Reims. Zu den prächtigsten Renaissancebauten Frankreichs gehören das Schloss Fontainebleau und die Schlösser an der Loire. Bedeutende Barockbauten sind die Anbauten von Versailles sowie der Pariser Louvre. Die bekanntesten Bauwerke des 19. Jahrhunderts sind die von Charles Garnier erbaute Pariser Oper der Zweiten Republik (1861-1875) und der Eiffelturm (1889), das anlässlich der Weltausstellung ursprünglich nur für eine begrenzte Zeit errichtete Wahrzeichen der Stadt Paris. Als Architekturpioniere des 20. Jahrhunderts gelten Auguste Perret und der lange Zeit in Paris lebende Le Corbusier.
Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entstanden in Nordfrankreich die Chansons de Geste, von so genannten Trouvères vorgetragene Heldenepen; in Südfrankreich entstanden Lieder über die höfische Minne. Die Tradition wurde von Adam de la Halle abgeschlossen.
Im 14. Jahrhundert komponierte Guillaume de Machaut mehrstimmige geistliche und weltliche Werke. Im 15. und 16. Jahrhundert gehörten Lieder, Motetten und Messen zu den bedeutendsten französischen Musikkompositionen.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts komponierte der aus Italien stammende Jean-Baptiste Lully nach Art der Oper, die er mit Elementen aus Drama und Tanz vermischte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden François Couperin und Jean Philippe Rameau durch ihre Suiten für Cembalo bekannt, Rameau auch durch seine Opern Castor et Pollux bzw. Les Indes galantes.
Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert arbeiteten viele ausländische Komponisten wie Gluck, Cherubini, Grétry, Meyerbeer und Offenbach in Paris. Zu den berühmtesten einheimischen Komponisten jener Zeit zählen Jacques Halévy, Charles Gounod, Georges Bizet und Jules Massenet.
Hector Berlioz gilt als bedeutendster Komponist von Orchestermusik zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Camille Saint-Saëns trat in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts hervor; sein Schüler war Gabriel Fauré. Claude Debussy machte sich um den musikalischen Impressionismus verdient.
Aus der Generation französischer Komponisten nach Debussy ragt Maurice Ravel heraus. Zu der 1918 bis 1919 entstandenen Gruppe Les Six, deren Arbeiten vom Werk Erik Saties beeinflusst waren, gehörten u. a. Darius Milhaud, Francis Poulenc und Georges Auric. Die namhaftesten Komponisten zeitgenössischer Musik sind Olivier Messiaen und Pierre Boulez.
In Frankreich gibt es öffentliche und private Hörfunk- und Fernsehanbieter; Letztere finanzieren sich zumeist über Werbung. Seit den Umstrukturierungen in den achtziger Jahren gibt es zwei staatliche Fernseh- und mehrere über Satellit ausgestrahlte Programme sowie Kabelfernsehen. Wichtigste Nachrichtenagentur des Landes ist die 1944 gegründete Agence France-Press (AFP).
In Frankreich erscheinen 117 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 13 Millionen Exemplaren (1996). Die einflussreichsten Zeitungen werden in Paris verlegt. Zu den Zeitungen mit hohen Auflagenzahlen gehören Le Monde (450 000), Le Figaro (470 000), France-Soir (540 000) und Le Parisien Libéré (420 000). Bedeutende Zeitschriften sind Paris-Match (690 000), L’Express (670 000), das Satireblatt Le Canard Enchaîné (450 000), Le Nouvel Observateur (325 000) und Elle (395 000).
Frankreich ist eine präsidiale Republik, die auf der am 4. Oktober 1958 verkündeten, 1999 letztmals geänderten Verfassung basiert. Diese reduzierte das Recht des Parlaments, das Kabinett aufzulösen, und baute die Präsidialmacht stark aus. Sie überträgt die Souveränität der Republik dem französischen Volk, das seine politischen Rechte über ein repräsentatives Parlament, die Direktwahl des Präsidenten und durch Volksabstimmungen wahrnehmen kann. Nationalfeiertag ist der 14. Juli, der an den Sturm auf die Bastille, den Beginn der Französischen Revolution, erinnert.
Staatsoberhaupt ist der Präsident, der für eine Amtszeit von sieben Jahren direkt vom Volk gewählt wird und einmal wieder gewählt werden darf (bis 1962 wurde er durch ein Wahlkollegium, bestehend aus staatlichen Körperschaften, gewählt; anschließend wurde diese Methode durch eine Verfassungsänderung modifiziert). In einem Referendum stimmte die französische Bevölkerung im September 2000 mehrheitlich einer Verfassungsreform zu, nach der die Amtszeit des Staatspräsidenten von sieben auf fünf Jahre verkürzt wird. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, sitzt dem Staatsrat, dem Obersten Verteidigungsrat und dem Ministerrat (Kabinett) vor und ernennt den Premierminister und die Kabinettsminister.
Der Premierminister und der Ministerrat sind nur der Nationalversammlung verantwortlich. Der Premierminister hat aber das Recht, den Senat um sein Einverständnis für eine allgemeine Regierungserklärung zu ersuchen. Wenn die Nationalversammlung der Regierung das Misstrauen ausspricht oder wenn sie das Regierungsprogramm oder eine Regierungserklärung ablehnt, muss der Premierminister zurücktreten.
Das französische Parlament besteht aus zwei Kammern: der Nationalversammlung (577 Abgeordnete, davon 22 aus Überseegebieten) und dem Senat (321 Mitglieder, davon 14 aus Überseegebieten). Die Abgeordneten der Nationalversammlung, bei der die oberste legislative Vollmacht liegt, werden in einer Mehrheitswahl mit zwei Wahlgängen in einzelnen Wahlkreisen (suffrage universel par circonscription) auf fünf Jahre gewählt. Die Mitglieder des Senats werden in einer indirekten, allgemeinen Wahl von Wahlkollegien auf neun Jahre gewählt. Der Senat ist ein beratendes Gremium und hat das Recht, Gesetzesvorlagen und den von der Nationalversammlung eingeschlagenen politischen Kurs zu überprüfen und eine Stellungnahme abzugeben sowie die Verabschiedung eines Gesetzes zu verzögern (nicht aber zu verhindern). Besteht in beiden Kammern Uneinigkeit über ein Gesetz, so liegt die endgültige Entscheidung bei der Nationalversammlung, die entweder die Version des Senats akzeptieren oder, nach einer gewissen Zeit, auf ihre eigene Vorlage zurückgreifen kann. In Frankreich sind alle Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, wahlberechtigt.
Mit der Verfassung von 1958 wurde ein neues Gremium, der Verfassungsrat, eingeführt. Er wird bei Wahlen und Volksabstimmungen tätig und entscheidet über die Verfassungsmäßigkeit neuer Gesetze. Der Verfassungsrat besteht aus neun ernannten Mitgliedern; außerdem gehören ihm die ehemaligen Präsidenten der Republik an. Der Wirtschafts- und Sozialrat setzt sich aus Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie aus berufsständischen und kulturellen Organisationen zusammen und berät die Nationalversammlung und den Ministerrat in wirtschaftlichen Fragen. Die Verfassung von 1958 begrenzt die Nationalversammlung auf zwei Sitzungsperioden von insgesamt fünfeinhalb Monaten pro Jahr, gewährt das Recht auf die Annahme eines Misstrauensvotums gegen die Regierung nur auf Grund der absoluten Mehrheit (anstelle der Mehrheit der bei der Abstimmung Anwesenden) und verbietet den Verfechtern eines nicht angenommenen Misstrauensvotums, die Vertrauensfrage erneut während der gleichen Sitzungsperiode zu stellen. Verfassungsänderungen können nach Billigung durch beide Kammern des Parlaments und ein anschließendes Referendum oder nur durch die Annahme von einer Dreifünftelmehrheit des Parlaments durchgeführt werden.
Das französische Rechtssystem basiert auf dem Code civil. Für Bagatellangelegenheiten im strafrechtlichen und zivilrechtlichen Bereich ist in Frankreich das Tribunal d’instance oder das Tribunal de grande instance zuständig. Vergehen, die mit Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren geahndet werden, werden vor einem Tribunal correctionnel entschieden. Berufungsverfahren gegen Entscheidungen dieser nachgeordneten Gerichte werden an Appellationsgerichtshöfen verhandelt. Das Schwurgericht (Cour d’assises) entscheidet über Verbrechen. Der Kassationsgerichtshof (Cour de cassation) ist für die Berufung gegen Urteile des Schwurgerichts und des Appellationsgerichts zuständig; er ist befähigt, Urteile für ungültig zu erklären und neue Verhandlungen anzuordnen.
Frankreich ist in 22 Regionen gegliedert, die wiederum in 96 Departements unterteilt sind. Die einzelnen Regionen sind: Aquitanien (Aquitaine), Auvergne, Basse-Normandie, Bretagne, Burgund (Bourgogne), Centre, Champagne-Ardenne, Elsass (Alsace), Franche-Comté, Haute-Normandie, Île-de-France, Korsika (Corse), Languedoc-Roussillon, Limousin, Lothringen (Lorraine), Midi-Pyrénées, Nord-Pas-de-Calais, Pays de la Loire, Rhône-Alpes, Picardie, Poitou-Charentes und Provence-Alpes-Côte d’Azur.
1981 leitete die Regierung des Staatspräsidenten Mitterrand ein Programm ein, das das System der von der Zentralgewalt ernannten Präfekten abschaffte und die Befugnisse der auf Departementsebene gewählten Generalräte erweiterte.
Die Departements sind in Gemeinden unterteilt, die von Stadt- beziehungsweise Gemeinderäten, bestehend aus 10 bis 36 auf sechs Jahre gewählten Mitgliedern, verwaltet werden. Jede dieser Gebietskörperschaften wählt aus dem Kreis ihrer Mitglieder einen Bürgermeister als Regierungsvertreter. Frankreich umfasst circa 36 000 Gemeinden. Diese Gemeinden, die sich je nach Gemeindefläche und Einwohnerzahl stark voneinander unterscheiden, sind oft mit den politischen Einheiten identisch. Weitere verwaltungsmäßige Einheiten sind das Arrondissement und der Kanton.
In Frankreich existierten oft zahlreiche politische Gruppierungen, die sich nur gering in Bezug auf ihre Theorie oder politische Praxis unterschieden. Die legislativen Anforderungen der Fünften Republik unterwarfen jedoch das Parteiensystem einer stärkeren Konzentration durch die Fusion oder Koalition unabhängiger politischer Parteien. In den achtziger und neunziger Jahren beherrschten vier große politische Gruppen die französische Politik; zwei rechts von der Mitte des Parteienspektrums stehende Gruppen und zwei linksgerichtete Gruppen.
Die 1976 durch den früheren Premierminister Jacques Chirac gegründete Partei Rassemblement pour la République (Sammlungsbewegung für die Republik; RPR) lehnt sich an die Politik des ehemaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle an. Die Union pour la Démocratie Française (Union für die französische Demokratie; UDF), eine Koalition politischer Gruppen aus dem Umfeld des Parti Républicain (Republikanische Partei), ist die Partei des früheren Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing. Die Linke organisierte sich im Parti Socialiste (Sozialistische Partei; PS) unter Führung des späteren Staatspräsidenten François Mitterrand und im Parti Communiste Français (Französische Kommunistische Partei; PC) unter Vorsitz von Georges Marchais. Während die beiden größten Parteien des linken Spektrums weiterhin bestehen, schloss sich die bürgerliche Rechte im April 2002 zum Wahlbündnis Union pour la Majorité Présidentielle (UMP, Union für die präsidentielle Mehrheit) zusammen. Im November 2002 erfolgte die offizielle Parteigründung unter dem Namen Union pour un mouvement populaire (UMP). Weitere Parteien sind Parti Radical de Gauche (PRG), Les Verts (V), Mouvement pour la France (MPF), Mouvement des Citoyens (MDC) und Front National (FN).
Die seit der Französischen Revolution bestehende Wehrpflicht wurde im Juni 2001 abgeschafft. Die französische Armee hatte zu dieser Zeit eine Gesamtstärke von 259 050 Soldaten (Heer: 137 000, Marine: 44 250, Luftwaffe: 64 000). Bis zum November 2001 war die Umwandlung in eine reine Berufsarmee vollzogen.
Zusätzlich existiert die rund 8 500 Mann starke, zur Hälfte aus Ausländern rekrutierte Fremdenlegion, die ohne Zustimmung des Parlaments eingesetzt werden kann und von Frankreich u. a. im Golfkrieg und im Bürgerkrieg Liberias eingesetzt wurde. Außer diesen konventionellen Kräften verfügt das Land zudem über eine Atomstreitmacht, bestehend aus Atom-U-Booten und nuklearen Flugkörpern. Obgleich Frankreich Mitglied des Militärausschusses des Nordatlantischen Verteidigungspaktes (NATO) blieb, zog es seine Streitkräfte im Oktober 1966 aus dem Bündnis zurück. Die Ausgaben für das Militär betragen 38 005 Millionen US-Dollar (2002).
Frankreich war bis Ende des 2. Weltkrieges ein Agrarland mit kleineren Industriezweigen. In der Nachkriegszeit führte die Regierung eine umfassende Rahmenplanung zur Förderung des nationalen Wiederaufbaus und zur Festlegung weit reichender staatlicher Steuerungsmethoden in der Wirtschaft durch. Der so genannte Monnet-Plan beinhaltete die Verstaatlichung von Schlüsselsektoren, insbesondere des Luft- und Schienenverkehrs, der Großbanken und Kohlebergwerke. Außerdem wurde der Staat Hauptaktionär in der Motor-, Elektronik- und Flugzeugbauindustrie sowie zum bedeutendsten Kapitalanleger beim Ausbau der Förderung der Erdöl- und Erdgasreserven. Die Erhöhung des Bruttosozialproduktes (rund 50 Prozent zwischen 1949 und 1954, etwa 46 Prozent zwischen 1956 und 1964 und während der siebziger Jahre jährlich etwa 3,8 Prozent) ist zum Teil auf die Durchführung dieser Planungsmaßnahmen zurückzuführen. 1981 leitete die neue sozialistische Regierung ein umfassendes Nationalisierungsprogramm ein. Die Wahl einer konservativen Regierung 1986 führte jedoch wieder zu einer Reduzierung der Rolle des Staates in der Wirtschaft. Die Liberalisierung der Wirtschaft führte zu einer Belebung des Außenhandels, brachte jedoch keine wesentlichen Fortschritte bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Erst gegen Ende der neunziger Jahre konnte ein kontinuierlicher Rückgang der Arbeitslosenzahl verzeichnet werden. Unter der seit Juni 1997 amtierenden Regierung des Sozialisten Lionel Jospin sank die Arbeitslosenzahl 1999 auf den niedrigsten Stand seit 1993. Am 1. Januar 2000 wurde zunächst für Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten die 35-Stunden-Woche eingeführt. Mit dieser Maßnahme erhofft sich die Regierung die Schaffung von mehreren Hunderttausend Arbeitsplätzen.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 1 431 Milliarden US-Dollar (2002; Dienstleistungen 72,4 Prozent, Industrie 24,9 Prozent, Landwirtschaft 2,7 Prozent); daraus errechnet sich ein BIP pro Einwohner von 24 060 US-Dollar. Die Staatsverschuldung liegt bei 51,1 Milliarden Französischer Francs (1995), die Inflationsrate bei 1,48 Prozent (1990–2002) und das Wirtschaftswachstum bei 1,95 Prozent (1990–2002). 1,6 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 24,4 Prozent in der Industrie und 74,1 Prozent im Dienstleistungssektor (2001).
33,5 Prozent der gesamten Landesfläche werden ackerbaulich genutzt (2001). Frankreich zählt zu den bedeutendsten Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Europa und ist auch weltweit einer der größten Exporteure von Agrarprodukten. In den überwiegend kleinen und mittleren Betrieben (durchschnittliche Größe: 27 Hektar) werden vor allem Getreide, Gemüse, Obst, Wein und Tabak angebaut. Der Weinbau ist ein besonders gewinnbringender Erwerbszweig. Frankreich erzeugt jährlich rund sieben Milliarden Liter Wein, das ist beinahe ein Viertel der Weltproduktion. Die wichtigsten Anbaugebiete sind die Bourgogne, die Champagne, das Bordelais, das Loire-Tal und das Elsass. Im Mittelmeerraum werden vor allem Obst, Oliven, Blumen sowie Duft- und Heilpflanzen kultiviert, während an der ozeanisch geprägten Atlantikküste Sonderkulturen besonders gut gedeihen. Auch die Viehzucht spielt eine bedeutende Rolle.
Von den insgesamt 15 Millionen Hektar Wald (2000) befinden sich etwa zwei Drittel in Privatbesitz. Rund 70 Prozent der Wälder bestehen aus Eichen, Buchen und Pappeln. Neben der Möbel- und der Papierindustrie sind Harz- und Korkgewinnung wichtige Elemente der Forstwirtschaft. In einigen Gebieten des Festlandes sowie auf Korsika gehen jährlich größere Waldgebiete durch Brände verloren.
Die Fischereiflotte fängt neben großen Mengen an Schalentieren hauptsächlich Seelachs, Kabeljau, Seehecht, Wittling und Thunfisch. Muscheln (z. B. Austern) werden auch gezüchtet. Eine wichtige Rolle spielen auch die Anlandungen von Algen.
Frankreich verfügt über ein breites Spektrum von Bodenschätzen. Die französischen Eisenerzvorkommen wie etwa in Lothringen sind bereits stark ausgebeutet. Daneben werden Bauxit und Steinkohle gefördert. Im Südwesten liegen kleinere Erdölfelder. Außerdem werden Braunkohle, Pyrit, Kalisalz (Pottasche), Salz, Blei, Gold, Uran und Zink in bedeutenden Mengen abgebaut. Trotz dieser Vorräte muss Frankreich Rohstoffe in erheblichem Umfang importieren.
Das produzierende Gewerbe Frankreichs steht dem anderer westeuropäischer Länder in Bezug auf Menge, Vielfalt und Qualität nicht nach. Unter den Industriezweigen steht die Kraftfahrzeugherstellung an erster Stelle. Weitere in größerer Menge hergestellte Produkte sind Flugzeuge, Haushaltsgegenstände, Maschinen, elektronische Anlagen und chemische Erzeugnisse. Die französischen Fadenspinnereien und die Textilindustrie gehören zu den größten der Welt; die jährliche Produktion von Garn und Bekleidung, die aus Wolle, Baumwolle, Seide oder synthetischen Fasern hergestellt werden, beträgt mehr als 500 000 Tonnen. Die Verarbeitung von Zuckerrüben sowie die Herstellung von Nahrungsmitteln und Spirituosen sind ebenfalls bedeutende Industriezweige. In der Erzeugung verschiedener spezieller Produkte wie Parfüms, Handschuhe, Spitzen, Hüte, Damenbekleidung, Tücher, Uhren, Porzellan, Glaswaren, Töpferwaren und Möbel hat Frankreich internationale Bedeutung.
Währungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der den Französischen Franc (= 100 Centimes) als Währung ablöste. Die 1800 gegründete und 1946 verstaatlichte Banque de France ist die Notenbank des Landes. Drei führende Banken, die Banque Nationale de Paris, der Crédit Lyonnais und die Société Générale wurden 1945 verstaatlicht. Mit weiteren Verstaatlichungen von Banken in den Jahren 1981 und 1982 hatte der französische Staat die Kontrolle über fast den gesamten Finanzsektor. Eine Reprivatisierung staatlicher Betriebe begann unter Chirac als Premierminister in den Jahren 1986 bis 1988 und dann in verstärktem Maß unter Premierminister Balladur ab Mitte 1993.
Paris ist der Mittelpunkt von Frankreichs Binnen- und Außenhandel; jedoch spielen auch andere große Städte wie Marseille und Lyon eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben des Landes. In der französischen Geschäftswelt herrschten lange Zeit kleine und mittlere Betriebe vor; die meisten sind noch heute trotz der Tendenz zu großen Warenhäusern und Supermärkten kleine Familienbetriebe.
Frankreich zählt zu den großen Welthandelsnationen und verfügt über eine breite Palette von Außenhandelsgütern. Eingeführt werden vorwiegend Rohöl, Maschinen, chemische Produkte, Eisen und Stahl, Transportausrüstungen und andere Fertigwaren wie Präzisionsinstrumente, Bekleidung und Textilien. Wichtigste Exportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische Produkte, Eisen und Stahl, Nahrungsmittel und Masttiere, raffiniertes Erdöl, Bekleidung, Textilien und Wein. Über die Hälfte des gesamten französischen Außenhandels entfällt auf die Staaten der Europäischen Union, insbesondere auf Deutschland, Belgien, Luxemburg und Italien. Weitere wichtige Handelspartner sind die Vereinigten Staaten, die Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR und Japan. Frankreich spielt eine wichtige Rolle im Außenhandel einiger seiner ehemaligen Kolonien wie Algerien, Marokko, Tunesien und der Republik Elfenbeinküste. Die Handelsbilanz ist positiv.
Etwa 20 Prozent der französischen Arbeiter sind in Gewerkschaften organisiert. Die Confédération Générale du Travail (CGT) ist mit 1,6 Millionen Mitgliedern der größte Gewerkschaftsverband des Landes. Die Confédération Française Démocratique du Travail (CFDT), eine christliche Organisation, hat 900 000 Mitglieder und die Force Ouvrière 1,1 Millionen Mitglieder. Die Mindesttarife werden durch Regierungserlass festgesetzt, die Höhe der Gehälter wird jedoch durch Tarifverhandlungen bestimmt. Ein umfassendes Sozialversicherungsprogramm für Arbeiter und Angestellte steht unter staatlicher Aufsicht.
Frankreich verfügt über eines der bestausgebauten Verkehrsnetze Europas. Ein Drittel des Fernstraßennetzes sind gebührenpflichtige Autobahnen (Autoroutes), für die in der Regel an den Ein- bzw. Ausfahrten kassiert wird. Die Routes nationales (Landstraßen) sind im Allgemeinen sehr gut ausgebaut (großenteils mehrspurig), gelten aber wegen der riskanten Fahrweise der Bevölkerung dennoch als unfallträchtig. Die Länge des Straßennetzes beträgt 894 000 Kilometer (2000). Die französische Eisenbahn wurde 1938 teilweise verstaatlicht. Zwei Drittel des Schienennetzes sind elektrifiziert. Frankreich ist besonders bekannt für seine Hochgeschwindigkeitszüge (Train à grande vitesse, TGV), die auf mehreren Hauptstrecken verkehren. Das Eisenbahnnetz ist insgesamt 32 515 Kilometer lang (2000). Straßen- und Schienennetz sind klar auf die im Norden des Landes gelegene Hauptstadt Paris ausgerichtet.
Das Land verfügt über zahlreiche Binnenwasserstraßen und Kanäle. Die französische Handelsflotte ist eine der größten der Welt. In Frankreich gibt es zwei staatliche Fluggesellschaften: die Air France, die Flüge in fast alle Teile der Erde anbietet, und Air Inter, die den innerfranzösischen Luftverkehr abwickelt. Eine große private internationale Fluglinie, die Union de Transports Aériens (UTA) sowie mehrere kleinere Privatlinien bieten Inlands- und Auslandsflüge an. Die wichtigsten internationalen Flughäfen sind Charles-de-Gaulle und Orly; beide befinden sich in der Nähe von Paris. Die Hauptstadt besitzt auch den größten Binnenhafen des Landes. Die wichtigsten Seehäfen liegen in Marseille und Le Havre.
Der Fremdenverkehr zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen des Landes. 1999 kamen mehr als 71 Millionen Besucher aus dem Ausland nach Frankreich, viele davon aus Deutschland und Großbritannien. Zu den meistbesuchten Zielen der Gäste gehören die Hauptstadt Paris sowie die Mittelmeer- und die Atlantikküste. Auch in den zu Frankreich gehörenden Teilen der Alpen und der Pyrenäen werden hohe Besucherzahlen verzeichnet.
Nur 8,2 Prozent von Frankreichs elektrischer Energie werden in Wärmekraftwerken erzeugt, 14 Prozent stammen aus Wasserkraftwerken (2001). 77,1 Prozent der elektrischen Energie wurden 2001 in 59 Atomkraftwerken produziert (es gibt weltweit kein anderes Land, das in so hohem Maß von der Atomkraft abhängig ist wie Frankreich). Am Ärmelkanal, an der Mündung des Flusses Rance bei Saint-Malo in der Bretagne, wurde ein Gezeitenkraftwerk angelegt.
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