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Haïti, Republik der Westindischen Inseln, umfasst das westliche Drittel der Insel Hispaniola. Haïti wird im Norden vom Atlantischen Ozean, im Osten von der Dominikanischen Republik, im Süden vom Karibischen Meer und im Westen von der Windward Passage begrenzt. Die Fläche des Landes beträgt 27 750 Quadratkilometer, die Hauptstadt ist Port-au-Prince.
Haïti besteht aus zwei Halbinseln, die vom Golfe de la Gonâve getrennt werden. Das Land wird von Gebirgszügen dominiert, die von zahlreichen, meist engen Tälern durchzogen werden. Höchste Erhebung ist der im Südosten des Landes gelegene Pic la Selle mit 2 680 Metern.
Die Küste ist stark zerklüftet, so dass es zahlreiche natürliche Häfen gibt. Die Küstenlänge beträgt insgesamt 1 770 Kilometer. Längster Fluss ist der in Teilen schiffbare Artibonite mit 170 Kilometern. Mit einer Fläche von 160 Quadratkilometern ist der Salzsee Étang Saumâtre größter See des Landes. Im Bereich von Haïti ist die Erdkruste tektonisch labil, von Zeit zu Zeit ereignen sich Erdbeben.
In Haïti herrscht randtropisches Klima, das vom Nordostpassat beeinflusst wird. An der Luvseite der Gebirge betragen die Jahresniederschläge mehr als 2 000 Millimeter, während in windgeschützten Niederungen 600 Millimeter unterschritten werden können. Der überwiegende Teil der Niederschläge fällt im Sommer. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen im Küstentiefland zwischen 25 und 28 °C. Haïti wird gelegentlich von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht.
Die ursprüngliche Vegetation Haïtis, immergrüne Regen- und Bergwälder sowie regengrüne Wälder und Savannen, wurde durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung stark reduziert. Derzeit sind jedoch nur noch etwa 3,2 Prozent (2000) der Landesfläche bewaldet. Pinienwälder finden sich in den höheren Bergregionen, vereinzelte Zedern-, Mahagoni- und Eichenbestände in den Tälern. In den Trockenregionen im Regenschatten der Gebirge gedeihen sukkulente Pflanzen und Dornstrauchvegetation. Zur Flora zählen neben zahlreichen Orchideenarten auch Orangen-, Brotfrucht- und Mangobäume. Auf Hispaniola gibt es über 5 600 Pflanzenarten, von denen 36 Prozent endemisch sind.
Im Faunabereich sind zwei Säugetierarten auf der Insel endemisch: der Dominikanische Schlitzrüssler (ein Insektenfresser) und das Zaguti (ein Nagetier). Die Avifauna (Vogelwelt) wird u. a. durch Rosentrogon, Schwarzkappen-Sturmtaucher und Wanderfalke repräsentiert. Zur Reptilienfauna gehören Krokodile und Leguane. Giftschlangen gibt es hier nicht.
Die Bevölkerung Haïtis besteht zu etwa 95 Prozent aus Schwarzen und zu fast 5 Prozent aus Mulatten. Die kleine weiße Minderheit umfasst überwiegend Ausländer. Die Haïtianer stammen von schwarzen Sklaven aus Afrika ab, die im 18. Jahrhundert von den französischen Kolonisten aus Westafrika verschleppt wurden.
Die Einwohnerzahl Haïtis beträgt etwa 7,66 Millionen, die Bevölkerungsdichte ungefähr 278 Einwohner pro Quadratkilometer bei einer jährlichen Wachstumsrate von 1,7 Prozent. 36,9 Prozent der Bevölkerung leben in Städten. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 51,8 Jahren (Männer 50,5 Jahre, Frauen 53,1 Jahre).
Die Hauptstadt Port-au-Prince mit etwa 1,8 Millionen Einwohnern (in der Agglomeration) ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Weitere größere Städte sind Carrefour Moussignac (290 000), Delmas (240 000), Cap-Haïtien (114 000), Gonaïves (63 000) und Les Cayes (45 900).
Die Amtssprachen sind Französisch und haïtisches Créole (seit 1987), eine Kreolsprache, die das Französische der Kolonialzeit mit Elementen afrikanischer Sprachen verbindet. 90 Prozent der Haïtianer bekennen sich zum Katholizismus; es gibt eine Minderheit von Anglikanern, Baptisten und Bahai. Das Bekenntnis zum Christentum schließt jedoch synkretistische Elemente ein, viele Menschen sind Anhänger des Voodookultes.
Haïti ist eines der ärmsten Länder der Welt, der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die desolate wirtschaftliche Lage spiegelt sich in der hohen Arbeitslosenquote wider. Die medizinische Versorgung ist unzureichend. Auf einen Arzt kommen 15 064 Einwohner, die Kindersterblichkeitsrate beträgt 74 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten.
Es besteht eine 6-jährige Schulpflicht, der Schulbesuch ist unentgeltlich. Allerdings fehlt es dem Land an Lehranstalten, so dass viele Kinder keine Schule besuchen können. Der Alphabetisierungsgrad ist der niedrigste in Lateinamerika, er liegt bei etwa 54 Prozent.
Die Universität von Haïti in Port-au-Prince wurde 1944 gegründet.
Haïti verfügt über mehrere ausgezeichnete Bibliotheken. Das Nationalarchiv und die Bibliothèque Nationale enthalten seltene Werke aus der Kolonialzeit.
Nach der Unabhängigkeit 1804 entstand während des 19. Jahrhunderts eine an Europa orientierte und von der Oberschicht getragene Kultur. Daneben existierte eine Volkskunst, die afrikanische mit indianischen Einflüssen verband. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand eine haïtianische Richtung der naiven Kunst, die christliche Symbole mit solchen des Voodoo kombinierte. Dieser Stil stieß auch international auf großes Interesse und fand im 1944 gegründeten „Centre d’Art” in Port-au-Prince seinen Mittelpunkt. (Siehe auch lateinamerikanische Kunst und Architektur).
Nach der Verfassung von 1987 ist Haïti eine Präsidialrepublik.
Oberster Inhaber der Exekutivgewalt und zugleich Staatsoberhaupt ist der Präsident, der direkt für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird; er darf nicht zwei aufeinander folgende Amtszeiten absolvieren. Der Präsident ernennt den Ministerpräsidenten, der vom Parlament bestätigt werden muss.
Das Zweikammerparlament besteht aus dem Abgeordnetenhaus mit 83 Mitgliedern und dem Senat mit 27 Sitzen. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden für vier Jahre gewählt. Die Amtszeit der Senatoren beträgt sechs Jahre, ein Drittel der Sitze im Senat wird in Teilwahlen alle zwei Jahre neu besetzt.
Das Gerichtswesen orientiert sich am französischen Vorbild. Der Präsident ernennt die Richter, er hat auch ein Begnadigungsrecht.
Haïti ist in neun Départements gegliedert, deren Präfekte von der Zentralregierung ernannt werden. Jedes Département ist in Arrondissements und Gemeinden unterteilt.
Haïti ist ein Agrarstaat mit einer auf der Landwirtschaft basierenden Kleinindustrie. Das Pro-Kopf-Einkommen zählt zu den niedrigsten in ganz Lateinamerika. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 3 435 Millionen US-Dollar (2002). Hiervon erwirtschaften der Dienstleistungssektor 51,4 Prozent, die Industrie 20,2 Prozent und der Agrarsektor 28,4 Prozent. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 410 US-Dollar.
Etwa 51 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Wegen ungünstiger klimatischer Bedingungen (z. B. Hurrikane), einer starken Bodenerosion und der geringen Größe der Parzellen kann das Land den Eigenbedarf an Nahrungsmitteln nicht decken. Hauptexportprodukte sind Zuckerrohr, Kaffee, Sisal und Kakao. Für den Eigenbedarf werden vor allem Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Mangos, Bohnen, Reis und Bananen angebaut. Die Wälder wurden durch Raubbau und Brandrodung zu erheblichen Teilen zerstört, die Forstwirtschaft wird durch fehlende Nachhaltigkeit beeinträchtigt. Eine wichtige Einkommensquelle ist der Fischfang.
Haïti verfügt über Bauxit- und Kupfervorkommen, die Förderung wurde jedoch eingestellt.
Ein Großteil der Kleinindustrie Haïtis verarbeitet Produkte der einheimischen Landwirtschaft. Die im Land ansässige Leichtindustrie verarbeitet eingeführte Halbfertigwaren weiter. Der überwiegende Teil dieser Produkte geht in den Export. Einige ausländische Firmen (u. a. aus der Textil- und der Elektronikindustrie) haben aufgrund der niedrigen Personalkosten einen Teil ihrer Produktion nach Haïti verlegt. Die Petite industrie (Kunsthandwerk) fertigt Holzschnitzereien und Masken an.
Die Währung ist der Gourde (Gde.) zu 100 Centimes. Die Banque de la République d’Haïti ist die Staatsbank, sie wurde 1911 gegründet. Die wichtigsten Exportartikel sind Produkte der Leichtindustrie und Kaffee. Maschinen, Lebensmittel und Brennstoffe müssen zu einem großen Teil importiert werden. Ebenfalls zu den Einfuhrgütern zählen halbfertige Erzeugnisse.
Das Straßennetz in Haïti hat eine Länge von 4 160 Kilometern (1999), von denen ein Großteil während der Regenzeit nicht befahrbar ist. Nur ein kleiner Teil der Straßen ist asphaltiert. Die letzte Eisenbahnlinie wurde 1990 stillgelegt. Wichtige Häfen des Landes sind Port-au-Prince im Süden und Cap Haïtien im Norden des Landes. Der einzige internationale Flughafen liegt in Port-au-Prince.
Mehrere Wasserkraftwerke versorgen das Land mit Strom; ein Kraftwerk liegt am Artibonite. 1971 wurde am Péligre ein weiteres Kraftwerk errichtet. 39,7 Prozent der Elektrizität werden in Wasserkraftwerken erzeugt (2001).
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