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Indien, amtlich: Republik Indien (Hindi Bharat), parlamentarischer Bundesstaat in Südasien und Mitglied des britischen Commonwealth.

Indien ist hinsichtlich der Fläche der siebtgrößte, hinsichtlich der Bevölkerungszahl nach China der zweitgrößte Staat der Erde. Der Staat grenzt im Norden an Tibet, Nepal und Bhutan, im Süden an die Palkstraße und den Golf von Mannar, der das Land von Sri Lanka trennt, im Westen an das Arabische Meer und Pakistan und im Osten an Myanmar, den Golf von Bengalen und Bangladesch, das den Nordosten Indiens fast völlig vom Rest des Landes abtrennt. Teile des Grenzverlaufs zu China – wie etwa in Arunachal Pradesh – sind umstritten. Mit Jammu and Kashmir (über dessen endgültigen Status noch nicht entschieden ist) verfügt Indien über eine Fläche von 3 165 596 Quadratkilometern. Die Hauptstadt ist Neu-Delhi; größte Stadt des Landes ist Bombay.

Indien lässt sich in vier geographische Großräume einteilen: den Himalaya, die nördlichen Stromebenen, das Hochland von Dekkan sowie die West- und Ostghats.

Das Gebirgssystem des Himalaya erstreckt sich mit einer Breite von etwa 150 bis 300 Kilometern über eine Länge von rund 2 400 Kilometern entlang dem nördlichen und westlichen Rand des Indischen Subkontinents und trennt ihn damit geographisch vom übrigen Asien. Das geologisch junge Gebirge ist das höchste der Welt und tektonisch eines der aktivsten. Zu den höchsten Bergen, die ganz oder teilweise auf indischem Gebiet liegen, gehören der Kangchenjunga (8 598 Meter), der dritthöchste Berg der Welt nach Mount Everest und K 2 (Godwin-Austen); der Nanga Parbat (8 125 Meter); der Nanda Devi (7 817 Meter); der Rakaposhi (7 788 Meter) und der Kamet (7 756 Meter).

Nach Süden hin erstrecken sich Stromebenen, die Breiten von bis zu 400 Kilometern aufweisen. Bei dieser Region handelt es sich um die größte Schwemmlandebene der Welt; sie umfasst den größten Teil des Einzugsgebiets der Flüsse Indus, Ganges und Brahmaputra. Aufgrund des Wasserreichtums und der ertragreichen Schwemmlandböden gehört diese Region zum fruchtbarsten und bevölkerungsreichsten Teil Indiens. Die Ebenen von Ganges und Brahmaputra erstrecken sich in West-Ost-Richtung von der pakistanischen Grenze bis hin zur Grenze zu Bangladesch und dann weiter in Richtung des Nordostens Indiens über den engen Landkorridor in der Nähe von Darjeeling. Das Tiefland des Indus verläuft in Nord-Süd-Richtung zu beiden Seiten der Grenze zu Pakistan.

Der mittlere und der westliche Teil der indischen Stromebenen befinden sich im Einzugsgebiet des Ganges und seiner Nebenflüsse, welche die südlichen Hänge des Himalaya entwässern. Daher wird diese Region auch als Ganges-Ebene bezeichnet. Die nordöstlichen Bundesstaaten Assam und Arunachal Pradesh liegen im Einzugsgebiet des Brahmaputra und seiner Nebenflüsse, die im nördlichen Himalaya entspringen. Der Indus entspringt in Tibet, fließt in westliche Richtung durch den Bundesstaat Jammu and Kashmir und überquert dann die Grenze nach Pakistan. Im südlichen Teil der Grenze zu Pakistan geht die Ebene in die Wüste Tharr und die Salzsümpfe von Rann of Kutch über.

Südlich der Ebenen liegt das Hochland von Dekkan, das den Großteil der indischen Halbinsel bedeckt. Die zumeist felsige Oberfläche des leicht nach Osten geneigten Plateaus gliedert sich durch Gebirgszüge geringer Höhe und tief eingeschnittene Täler in verschiedene Naturräume. Der westliche Teil des Hochlandes wird von Basaltdecken, dem so genannten Dekkantrapp, überlagert. Begrenzt wird das Hochland von Dekkan durch zwei Gebirge, die Westghats und die Ostghats.

Die Westghats fallen zum Arabischen Meer hin steil ab und erreichen eine durchschnittliche Höhe von 915 Metern. Die fruchtbare Malabarküste befindet sich zwischen den Westghats und dem Arabischen Meer. Die durchschnittliche Höhe der Ostghats beträgt 600 Meter. Zwischen den Ostghats und dem Golf von Bengalen liegt eine schmale Küstenebene, die Koromandelküste. Die beiden Gebirgszüge treffen am südlichsten Punkt des Hochlandes von Dekkan im Gebirgsmassiv der Nilgiri-Berge aufeinander. In diesem Bereich befindet sich mit dem Anai Mudi (2 695 Meter) auch die höchste Erhebung der Ghats. Etwa 4,4 Prozent (2000) der gesamten Landesfläche von Indien stehen unter Naturschutz.

Aufgrund der Topographie und der geographischen Lage Indiens herrschen sowohl regional als auch jahreszeitlich höchst unterschiedliche Klimaverhältnisse. Abgesehen von den Gebirgsregionen liegt Indien in tropischen Klimazonen. Die klimatischen Verhältnisse des Landes werden maßgeblich durch den Monsun geprägt; Südwest- und Nordost-Monsun haben tief greifende Auswirkungen auf Klimaelemente wie Temperatur und Niederschlag. Für weite Teile des Landes lassen sich drei Jahreszeiten unterscheiden: eine Regenzeit, eine kühle Jahreszeit und eine heiße Jahreszeit.

Die Regenzeit, die meist im Juni beginnt und bis November anhält, wird vom Südwest-Monsun ausgelöst; dies ist ein Wind mit hoher Luftfeuchtigkeit, der vom Indischen Ozean und dem Arabischen Meer auf das indische Festland weht. Während dieser Jahreszeit fallen circa 90 Prozent des Jahresniederschlags, der an den Westghats häufig bei mehr als 3 000 Millimetern liegt. In Cherrapunji im Khasigebirge im Nordosten Indiens beträgt die mittlere jährliche Niederschlagsmenge nahezu 11 000 Millimeter; es ist damit der regenreichste Ort des Landes. An den Südhängen des Himalaya beläuft sich der mittlere Jahresniederschlag auf etwa 1 500 Millimeter. Mitunter bleibt der Südwest-Monsun auch einige Wochen aus, was zu Dürren und Hungerkatastrophen führen kann. Der Monsun hat auch negative Seiten: So kommt es während der Regenzeit vielfach zu Mückenplagen und Malariaepidemien. In den meisten Jahren lässt die Intensität des Monsuns im September nach.

Die Zeit von Anfang Dezember bis etwa Ende Februar wird vom trockenen Nordost-Monsun geprägt. Während dieser kühlen Jahreszeit herrscht in weiten Teilen des Landes ausgeprägte Trockenheit. Mitunter kann das Land aber auch von starken Stürmen, die in den nördlichen Stromebenen von leichtem Niederschlag und im Himalaya von starkem Schneefall begleitet sind, heimgesucht werden. Die heiße Jahreszeit, die etwa Mitte März beginnt und bis zum Beginn des Südwest-Monsuns anhält, erreicht im Mai ihren Höhepunkt. In Mittelindien sind zu dieser Zeit Temperaturen von über 50 °C keine Seltenheit. In der Nähe von Kalkutta, im Gangesdelta, beträgt die mittlere Jahrestemperatur 26,1 °C, an der Malabarküste 27,8 °C und an der Koromandelküste 28,9 °C.

Nach unterschiedlichen Schätzungen leben in Indien etwa 6 Prozent der weltweit existierenden Pflanzenarten, wovon wiederum ein Drittel endemisch ist. In den Trockengebieten an der pakistanischen Grenze findet sich eine spärliche Flora, die vorwiegend aus Steppengräsern besteht. Häufig sind auch Dornsträucher und Arten der Gattungen Kapernbusch (siehe Kaperngewächse) und Ziziphus. In einigen Gebieten gedeiht Bambus; Palmen gehören zu den wenigen heimischen Baumarten dieser Region. Die feuchtere Ganges-Ebene ist dagegen Lebensraum zahlreicher Pflanzenarten. Insbesondere in den südöstlichen Gebieten ist die Vegetation besonders üppig: Hier finden sich Mangroven und Salbäume.

In den höheren Himalaya-Regionen gedeiht eine vielfältige Hochgebirgsflora. Die tiefer gelegenen Hänge sind dagegen dicht bewaldet und erlauben das Wachstum zahlreicher subtropischer Pflanzen, insbesondere vieler Orchideenarten. Im nordwestlichen Himalaya dominieren Nadelbäume wie Zedern und Fichten. Im östlichen Himalaya wächst dagegen üppige tropische und subtropische Vegetation, u. a. Rhododendren. Zu den häufigsten Baumarten gehören hier Eichen und Magnolien. Die niederschlagsreiche Malabarküste im Südwesten der indischen Halbinsel und die Hänge der Westghats sind dicht bewaldet. In dieser Region gedeihen insbesondere immergrüne Pflanzen, Bambus und Edelholzarten wie etwa Teakholzbäume. In den sumpfigen Tiefländern und entlang der tiefer gelegenen Hänge der Westghats befinden sich ausgedehnte Dschungelgebiete. Die Vegetation im Hochland von Dekkan ist zwar weniger üppig, es finden sich aber auf der gesamten Halbinsel immer wieder Bambus- und Palmenbestände sowie Laubwälder.

Die Wälder, Ebenen, Hügel und Berge in Indien sind Lebensraum einer vielfältigen Tierwelt. Das gilt auch für Großkatzen wie Tiger, Leoparden, Nebelparder und (im Hochland von Dekkan) Geparde. Daneben kommen auch Löwen vor, die heute aber nur noch im Gir National Park in Gujarat anzutreffen sind. Weitere Raubtiere sind Lippenbär, Wolf und Goldschakal. Aufgrund ehrgeiziger nationaler und internationaler Anstrengungen ist es gelungen, den vom Aussterben bedrohten Tiger zu retten. Heute ist seine Zahl wieder auf einen Bestand von mehreren tausend Tieren angewachsen, die in Reservaten wie Ranthambore in Rajasthan geschützt werden. In den letzten Jahren gerieten die Tiger aber erneut zunehmend in Bedrängnis.

An den Nordosthängen des Himalaya und in den abgelegenen Wäldern im Hochland von Dekkan findet man Indische Elefanten, zudem ist in Indien das Panzernashorn heimisch. Zu den Paarhufern gehören Gaur, Wasserbüffel, Axishirsch, Muntjak, Indischer Sambar, Edmigazelle, Hirschziegenantilope und Zwergwildschwein. In Indien leben verschiedene Affenarten wie Rhesusaffen und Languren. Im Himalaya und in anderen Gebirgsregionen finden sich Wildziegen- und Wildschafarten sowie Steinböcke und Seraue (mit den Gämsen verwandt). Weitere erwähnenswerte Säugetiere sind Bandikutratten.

Auffallende Vogelarten sind Papageien, Pfauen, Eisvögel, Marabus, Saruskraniche und Reiher (Grau-, Kuh-, Nacht-, Purpur-, Seiden-, Silberreiher). In Indien lebt das Bankivahuhn, die Stammform unserer Haushühner. Zu den zahlreichen Schlangenarten gehören Kobras, hochgiftige Kettenvipern und Salzwasserschlangen. Unter den ungiftigen Arten sind insbesondere Pythons bemerkenswert, die u. a. schädliche Nagetiere vertilgen; zur indischen Reptilienfauna gehören auch Chamäleons sowie Gaviale und andere Krokodile. In den Flüssen und Küstengewässern finden sich reiche Fischgründe mit zahlreichen essbaren Arten.

Der Anteil der Inder an der Weltbevölkerung beträgt etwa 16 Prozent. Die Einwohnerzahl des Landes liegt bei 1,07 Milliarden (2004), die durchschnittliche Bevölkerungsdichte bei rund 358 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Geburtenrate beträgt 22,8 pro Tausend Einwohner, die Sterberate 8,4 pro Tausend Einwohner (2004). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 64 Jahren. Etwa 72 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten. Obwohl sich die Lebensbedingungen in vielen Gebieten verbessert haben – etwa durch die Bereitstellung sauberen Trinkwassers – gilt der überwiegende Teil der Menschen weiterhin als arm; etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt an oder unterhalb der von den Vereinten Nationen festgesetzten Armutsgrenze.

Die kulturellen Wurzeln der verschiedenen indischen Völker sind eng mit denen der anderen Völker Südasiens verknüpft. Dazu gehören die Einwohner Pakistans, Bangladeschs, Nepals, Bhutans und Sri Lankas sowie entfernterer Gebiete. Der genaue Ursprung der meisten indischen Völker ist nicht nachzuweisen, da zahlreiche Kulturen das Land eroberten und assimiliert wurden. Bei den heutigen Indern lassen sich jedoch drei so genannte Phänotypen – kaukasische, australide und mongolide – identifizieren.

Ungefähr 7 Prozent der Gesamtbevölkerung gehören einer der mehr als 300 ethnischen Minderheiten an. Diese unterscheiden sich kulturell nicht nur von der Mehrheit der indischen Bevölkerung, sondern weisen auch untereinander große Unterschiede auf.

Bei den Bergstämmen im äußersten Norden leben Angehörige des mongoliden Phänotyps, etwa das Volk der Naga. Menschen mit australiden Zügen sind z. B. die Santal in Westbengalen.

Zahlreiche Stammesgemeinschaften in abgelegenen Gebirgsregionen konnten sich ihre eigene Kultur bewahren. Heute sind ihre Lebensformen allerdings verstärkt durch Assimilation bedroht, da die wachsende indische Bevölkerung immer mehr auch in diese isolierten Gebiete vordringt.

In der indischen Verfassung ist die Beseitigung des jahrhundertealten Kastensystems vorgesehen, das seit jeher den sozialen Fortschritt der untersten Gesellschaftsschicht der „Unberührbaren” verhinderte (Gandhi nannte sie Harijans, „Kinder Gottes”, und heute setzt sich immer mehr der Begriff Dalit durch). Nach dem Erreichen der Unabhängigkeit wurden beträchtliche Anstrengungen unternommen, um die Bildungschancen dieser unterdrückten Gesellschaftsschichten zu fördern. Dies erfolgte vor allem durch das System der „positiven Diskriminierung”: Dabei sind in Universitäten und berufsbildenden Einrichtungen bis zu 50 Prozent der Plätze Angehörigen der unteren Kasten vorbehalten. Trotz aller staatlicher Programme und des persönlichen Einsatzes Einzelner (wie Gandhi und Ambedkar) ist es nicht gelungen, die gängigen Vorurteile, vor allem im sozialen Umgang, abzubauen. Immerhin finden sich heute Angehörige der unteren Kasten in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens – angefangen von renommierten Wissenschaftlern über Richter bis hin zu Politikern. In den letzten Jahren hat sich Indien immer mehr zu einer Konsumgesellschaft entwickelt, in welcher der Status mehr auf materiellem Besitz als auf Familie und Tradition beruht. Dadurch ging die Bedeutung des Kastenwesens zurück; insbesondere im städtischen Mittelstand kommt es heute bereits häufig zur Heirat über die Kastengrenzen hinweg.

In der Politik haben Parteien und Organisationen, die sich an bestimmten Kastengrenzen orientieren, oft lautstark ihre Rechte und den Schutz ihrer Interessen gefordert. Politiker und Parteien versuchen häufig, sich die Stimmen bestimmter Jatis (Unterkasten) zu sichern. Die Loyalität ist in der Regel jedoch fließend und basiert meist auf praktischen Erwägungen. Die Fortsetzung des Systems der positiven Diskriminierung beim Hochschulzugang hat zu Auseinandersetzungen mit Studenten geführt, nach deren Ansicht dieses System unerträglich hohe Zugangsvoraussetzungen für die Angehörigen mancher Kasten und zudem einen Verfall des Niveaus zur Folge hat.

Die größte Stadt in Indien ist Bombay (16,1 Millionen Einwohner in der Agglomeration). Weitere bedeutende Städte sind Kalkutta (13,1 Millionen in der Agglomeration), Delhi (12,4 Millionen in der Agglomeration), Hyderabad (5,45 Millionen), Bangalore (5,57 Millionen), Ahmedabad (4,43 Millionen), Kanpur (2,64 Millionen), Madras (6,35 Millionen), Poona (3,66 Millionen), Nagpur (2,09 Millionen), Lucknow (2,22 Millionen) und Jaipur (2,26 Millionen).

In Indien werden mehr als 1 600 Sprachen bzw. Dialekte gesprochen, die zu insgesamt 14 Hauptgruppen gehören. Die Amtssprachen sind Hindi, Englisch und folgende 17 gleichberechtigte regionale Sprachen: Assamesisch, Bengali, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Mayalayam, Manipuri, Marathi, Nepali, Oriya, Punjabi, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu. Die offizielle Dominanz des Hindi, das von etwa 30 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, ist für Bundesstaaten wie Tamil Nadu im Süden allerdings untragbar. Siehe auch Indische Sprachen

Neben den offiziell anerkannten Sprachen werden regional aber auch viele andere, unbedeutendere verwendet. Die meisten Völker im Norden und Osten sprechen indoarische Sprachen wie Assami, Punjabi, Urdu, Hindi und Bengali. Alle diese Sprachen leiten sich vom Sanskrit ab, einer toten Sprache, die nur mehr in heiligen Texten und religiösen Zeremonien verwendet wird. Die dravidischen Sprachen im Süden, wie Tamil, Telugu, Kannada und Malayalam, gehören nicht zur indogermanischen Sprachfamilie, enthalten jedoch viele Lehnwörter aus den geographisch benachbarten indoarischen Sprachen. Manipuri, das im nordöstlichen Bundesstaat Manipur gesprochen wird, zählt zu den sinotibetischen Sprachen.

Beim Sanskrit, der Sprache der alten Hinduschriften, handelt es sich um eine indogermanische Sprache, die mit dem Griechischen und dem Lateinischen verwandt ist. In dieser Sprache wurde eine Vielzahl religiöser und weltlicher Texte verfasst, welche die Basis der klassischen indischen Literatur bilden (siehe Sanskrit-Literatur). Tamil ist ebenfalls eine sehr alte Sprache mit einer umfangreichen Literatur; im Gegensatz zum Sanskrit wird es aber auch heute noch gesprochen. Auch in den anderen wichtigen indischen Sprachen, insbesondere Hindi, Bengali, Urdu, Telugu, Kannada und Malayalam, liegt umfangreiche und anspruchsvolle Literatur vor.

Zu den wichtigsten religiösen Gruppen (gemäß ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung) gehören Hindus (83 Prozent), Muslime (11 Prozent), Christen (2,4 Prozent) und Sikhs (1,1 Prozent). Bedeutende religiöse Minderheiten sind Buddhisten, Jaina und Parsen. Die Entwicklung des religiösen Nationalismus und Fundamentalismus in Indien während der achtziger und neunziger Jahre führte in bestimmten Gebieten zur Verschärfung politischer und sozialer Spannungen, die sich zuweilen – wie bei den Ausschreitungen 1992 und 1993 im Punjab – gewaltsam entladen.

Das internationale Neujahrsfest (1. Januar) ist in Indien anerkannt, wenngleich das hinduistische Neujahrsfest erst im April oder Mai gefeiert wird. Am Tag der Republik (26. Januar) gedenken die Menschen der Gründung der selbständigen Republik Indien, am Unabhängigkeitstag (15. August) der Unabhängigkeit von Großbritannien. Dieser Tag wird allerdings nicht so ausgelassen gefeiert wie der Tag der Republik. Wie in Europa bezeichnet man auch in Indien den 1. Mai als Tag der Arbeit. Ein weiterer offizieller Feiertag ist der Geburtstag von Mahatma Gandhi (Gandhi Jayanti) am 2. Oktober. Trotz der geringen Anzahl von Christen in Indien sind Karfreitag und Weihnachten (25. Dezember) gesetzliche Feiertage. Darüber hinaus finden das ganze Jahr über Feste zu Ehren verschiedener Gottheiten, zum Frühlingsanfang und zu anderen Ereignissen statt. Zu den wichtigsten gehört Vasant Panchami, das Ende Januar bzw. Anfang Februar begangen wird. Hier feiern die Hindus in senfgelben Gewändern, da die Senfblume den Frühling ankündigt. Eines ihrer wichtigsten Feste feiern die Hindus im August oder September. Es ist Janmashtami, der Geburtstag Krishnas, den die Reichen wie die Armen verehren. Ein in ganz Indien verbreiteter islamischer Feiertag heißt Dussehra. Er findet im Oktober zum Sieg des Guten über das Böse statt.

Seit Beginn der Unabhängigkeit hat sich der Staat insbesondere auf die Verbesserung des Gesundheitswesens konzentriert. Aber trotz umfangreicher Maßnahmen im Bereich von Präventivmedizin, Hygiene und Ernährung ist die Situation für die Armen immer noch unzureichend; immerhin ist es gelungen, das regelmäßige Auftreten von Cholera-, Durchfall- und Elefantiasis-Epidemien zu stoppen. Ein Großteil der Bevölkerung leidet aber immer noch an Unterernährung. Fortschritte wurden bei der Bekämpfung von Malaria, Pest und Tuberkulose erzielt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 64 Jahren im Vergleich zu 32 Jahren 1941. Die Kindersterblichkeitsrate fiel seit 1965 von 151 auf 58 pro Tausend Lebendgeburten (2004).

Neben Ärzten gibt es Heilkundige, welche die traditionelle Heilmethode des Ayurveda praktizieren, Kräuterheilkundige sowie nicht zugelassene Ärzte. Im ganzen Land stehen etwa 650 000 Krankenhausbetten zur Verfügung. Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung hat keinen direkten Zugang zum staatlichen Gesundheitswesen. Sozialfürsorgeprogramme kamen insbesondere bei der Familienplanung und verschiedenen Soforthilfemaßnahmen zum Einsatz. Besondere Anstrengungen wurden unternommen, um die materielle Situation der unteren Schichten zu verbessern und so die negativen Auswirkungen des Kastenwesens zu mildern. Die Löhne werden vom Staat festgelegt. Kinderarbeit ist immer noch weit verbreitet, obwohl Mitte der neunziger Jahre Versuche angestellt wurden, das Problem der Kinderarbeit einzudämmen. Vor allem in Teppichknüpfereien und Steinbrüchen sind nach Schätzungen mehr als 40 Millionen Kinder als Lohnarbeiter beschäftigt.

Indien ist ein laizistischer Staat – Kirche und Staat sind getrennt. Die Mehrheit der heutigen Inder sind Hindus, was sich auch in der Kultur des Landes niederschlägt. Der Hinduismus selbst hat im Lauf der Jahrhunderte eine Vielzahl unterschiedlicher Philosophien und religiöser Ideen aufgenommen und weiterentwickelt, so den Advaita von Shankara und Gedanken der Bhakti-Bewegung.

Die Koexistenz größerer religiöser Minderheiten mit der Mehrheit der Hindus verlief keineswegs immer friedlich; dabei wurden die oftmals blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen sowie zwischen Hindus und Sikhs immer wieder auch durch nichtreligiöse Gründe ausgelöst. Die Ramajanmabhoomi-Bewegung, welche die Forderung stellte, einen Hindu-Tempel am angeblichen Geburtsort von Rama in Ayodhya aufzubauen, führte 1992 zur Zerstörung der Babri Masjid (einer 1528 errichteten dreistöckigen Moschee, die am Ort eines ebenfalls zerstörten Tempels errichtet worden sein soll) – die Aktion fanatisierter Hindus wurde offenbar von weiten Bevölkerungskreisen unterstützt.

Das alte Indien verfügte bereits über ein hoch entwickeltes Bildungssystem. Die Universitäten zogen zahlreiche Studenten aus anderen Teilen Asiens an, insbesondere aus China. Diese wollten sich in einigen der ältesten Universitäten der Welt mit den buddhistischen Lehren vertraut machen. Die berühmte Universität Nalanda wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Indien weitete seinen Einfluss auf dem Bildungssektor auch dadurch aus, dass Absolventen als Dozenten in andere asiatische Länder geschickt wurden. Ab dem 13. Jahrhundert verfiel das indische Bildungssystem jedoch zunächst unter der Herrschaft der Muslime sowie später unter der der Briten, und der Einsatz neuerer Lehrmethoden wurde eingeschränkt.

Im 20. Jahrhundert erhielten Gopal Krishna Gokhale, einer der ersten nationalistischen Führer, Mohandas (Mahatma) Gandhi und Rabindranath Tagore internationale Preise für ihre Beiträge zur Entwicklung des indischen Bildungssystems.

1911 erarbeitete Gokhale eine Gesetzesvorlage, die Schulpflicht und die Möglichkeit zu kostenlosem Grundschulbesuch vorsah. Davon beeinflusst, initiierte Mahatma Gandhi Alphabetisierungskampagnen und kommunale Wohlfahrtsprogramme. 1901 gründete Tagore, einer der größten Dichter der modernen indischen Literatur, im etwa 160 Kilometer von Kalkutta entfernten Santiniketan eine Schule, die sich an die alten indischen Tapovana (Walderemitagen) anlehnte. Ziel war es, die jeweils besten Elemente der westlichen und der indischen Kultur miteinander zu verknüpfen; 1921 wurde die Schule in die Visva-Bharati University umgewandelt und zieht seitdem Studenten aus aller Welt an.

Seit dem Beginn der indischen Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 wird versucht, ein modernes, umfassendes Schulsystem zu entwickeln. Die in den Berichten der allindischen Kommission von 1953 und 1964 vertretenen Reformansätze haben diese Entwicklung vorangetrieben. Die Ausbildung indischer Jugendlicher ist angesichts der komplexen sozialen und religiösen Verhältnisse jedoch nicht ganz einfach. Gelder, die zum Ausbau des Bildungswesens gedacht waren, mussten zur Bekämpfung von Armut, Lebensmittelknappheit und Überbevölkerung verwendet werden. Die Reste des Kastensystems, unzureichende Ausbildungsplätze und religiöse Differenzen stellten weitere Probleme auf dem Weg zu einer umfassenden Bildungsreform dar. Dennoch wurden grundlegende strukturelle Änderungen geplant und zum Großteil auch durchgesetzt; die Zahl der Schulen und Schüler ist seit der Unabhängigkeit jedenfalls gewaltig angestiegen.

Das Schulsystem der 28 Bundesstaaten steht unter direkter Kontrolle der einzelstaatlichen Regierungen; das Bildungsministerium des Bundes koordiniert, regelt die Bildungsangelegenheiten in den sieben zentral verwalteten Unionsterritorien, stellt finanzielle Unterstützung für die Hochschulen zur Verfügung und übernimmt verschiedene andere Aufgaben. Der Grundschulbesuch ist kostenfrei; es besteht keine Schulpflicht. In den siebziger Jahren bildete sich folgendes Modell heraus: acht Jahre Grund- und Mittelschule, drei Jahre weiterführende bzw. berufsbezogene Schule (der Schulabschluss beinhaltet auch einen beruflichen Abschluss), an die sich dann eine dreijährige Universitätsausbildung anschließen kann. Damals wie heute kommt aber nur eine Minderheit über die Grundschule hinaus.

Zu Beginn der achtziger Jahre wurde ein leicht abgeändertes Modell eingeführt, das eine zehnjährige Schulzeit (Grundstufe, Mittelstufe und Oberstufe) vorsah, an die sich eine zweijährige höhere Ausbildung und eine dreijährige Universitätsausbildung anschloss. Daneben gibt es ein landesweites Alphabetisierungsprogramm für Erwachsene. Der Alphabetisierungsgrad beträgt etwa 56 Prozent (2004). Die Analphabetenrate schwankt von Bundesstaat zu Bundesstaat beträchtlich. Im südindischen Kerala etwa gibt es praktisch keinen Analphabetismus mehr, was vermutlich auf die guten Bildungschancen für Frauen und ihren relativ hohen gesellschaftlichen Status zurückzuführen ist.

In Indien gibt es etwa 150 Universitäten, zehn nationale Bildungsinstitutionen und 34 Lehreinrichtungen mit Universitätsstatus. Daneben stehen 7 000 technische und naturwissenschaftliche Hochschulen sowie Kunstakademien zur Verfügung. An allen Hochschulen und Universitäten sind etwa neun Millionen Studierende eingeschrieben, rund die Hälfte von ihnen an Universitäten. Zu den größten Bildungseinrichtungen gehören Universitäten in Agra (gegründet 1927), Bihar (1952), Bombay (1857), Kalkutta (1857), Delhi (1922), Gauhati (1948), Madras (1857), Mysore (1916) und Poona (1949) sowie die Universitäten Rajasthan (1947 in Jaipur), Gujarat (1950 in Ahmadabad) und Kerala (1937 in Trivandrum). Zu den renommiertesten Lehr- und Forschungseinrichtungen gehören das Indian Institute of Science in Bangalore und das Tata Institute of Fundamental Research in Bombay.

In Indien gibt es mehr als 60 000 Bibliotheken, darunter mehr als 1 000 Fachbibliotheken, die verschiedenen Regierungsbehörden angeschlossen sind. Die Nationalbibliothek in Kalkutta gehört zu den drei Bibliotheken, die Pflichtexemplare von sämtlichen in Indien veröffentlichten Büchern und Zeitschriften beherbergen. Unter den mehreren Hundert öffentlichen Bibliotheken ist die Bibliothek in Delhi die bedeutendste.

Es gibt mehr als 350 Museen in Indien, darunter auch solche mit bedeutenden historischen und archäologischen Sammlungen. Dazu gehören das Government Museum und die National Art Gallery in Madras; das National Museum in Neu-Delhi; das Sarnath Museum in Varanasi und das Indische Museum in Kalkutta. In Baroda, Madras, Kozhikode und Neu-Delhi befinden sich zudem Museen mit hervorragenden Sammlungen mittelalterlicher und moderner Kunst.

Vor allem die frühe indische Kunst und Architektur spiegelt die wechselseitigen Einflüsse von Hinduismus, Buddhismus und Jainismus wider. Dies zeigt sich etwa in der Kunst von Madhura, Gupta und Gandhara, Letztere mit ihrer Mischung hellenistischer und indischer Elemente, in den Fresken von Ajanta, den Felsreliefs bei Mahabalipuram und den Nataraja bei Chidambaram. Die vermutlich älteste noch erhaltene theoretische Abhandlung über Drama, Musik und Tanz, die so genannte Natya Shastra von Bharata (etwa 300 v. Chr.), bildete die Grundlage einer hoch entwickelten Tradition in den darstellenden Künsten (siehe indischer Tanz; indisches Theater).

Am Ende der Regierungszeit von Harshavardhana im 7. Jahrhundert kam es in Nordindien zu einem gewissen Verfall der klassischen indischen Kunst und Kultur. Es begannen sich neue soziopolitische Formen zu entwickeln, während im Süden zur Zeit des Pallava- und später des Chola-Reichs Kunst und Architektur eine Blüte erlebten. In dieser Zeit des Wandels fand in Nordindien im 11. und 12. Jahrhundert eine tief greifende Erschütterung der kulturellen Entwicklung statt, ausgelöst durch mehrere Eroberungswellen aus Zentralasien, die mit dem Islam einen völlig anderen Glauben mit sich brachten. Einige der ältesten Bildungszentren, wie die buddhistische Universität in Nalanda, wurden im 11. Jahrhundert von den Türken vollkommen zerstört.

Mitte des 16. Jahrhunderts gründete Babur, ein Nachfahre des Mongolen Timur-i Läng, die Mogul-Dynastie und eroberte ganz Nordindien. Der Islam mit seiner Kosmogonie und seiner Ablehnung jeder Form der Idolatrie unterschied sich grundlegend vom Hinduismus und anderen östlichen Religionen. In der Folgezeit wurden zahlreiche Tempel und Heiligtümer, wie etwa der Jagannatha-Tempel in Puri, geplündert. Einige spätere mongolische Herrscher interessierten sich jedoch für das Sanskrit und dessen zentrale Schriften, wie die mathematische Abhandlung von Bhaskara, der Lilavati, die ins Persische übersetzt wurde und während der Mogul-Zeit äußerst populär war.

Unter den großen Mogul-Herrschern wie Akbar erlebte das Land eine neue Blüte der Kunst; mit frischen Impulsen aus Persien entwickelte sich in Nordindien ein eigener nationaler Stil. Während der Mogul-Zeit entstanden einige der eindrucksvollsten Bauwerke in Indien, darunter der weltberühmte Taj Mahal in Agra. Hervorragende Werke entstanden aber auch auf dem Gebiet der Buchillustration und der Miniaturmalerei. Daneben entwickelte sich im Norden die hindustanische Musik. Im Süden entstand ein eigener Musikstil, die so genannte karnatische Musik. Beide Richtungen haben herausragende Komponisten und Musiker wie Tansen, Tyagaraja und – in moderner Zeit – Allauddin Khan, Ravi Shankar oder M. S. Subbulakshmi hervorgebracht. Daneben bestand eine ausgeprägte regionale Volkskultur in den darstellenden Künsten.

Während des britischen Kolonialismus wurde die kulturelle Kreativität zwar gebremst, doch entdeckten Forscher wie William Carey und Max Müller die antike und mittelalterliche indische Kultur; mit ihren Übersetzungen und Kommentaren boten sie westlichen Lesern Zugang zu den zentralen Werken. Einige Kunstformen wie der klassische indische Tanz fielen dagegen aufgrund mangelnder Förderung – sie galten dem viktorianischen Moralkodex als unschicklich – dem Niedergang anheim.

Das steigende Nationalbewusstsein ging mit einer Wiederbelebung verschiedener Aspekte der indischen Philosophie und Kultur einher. Im 20. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, Traditionen wie das Kathakali neu zu beleben. Auf dem Gebiet des Tanzes beispielsweise studierte Chandralekha die Frühformen des Bharatanatyam, und der erotische Stil des Odissi, dargestellt in vielen alten Skulpturen, ist inzwischen allgemein bekannt. Siehe auch indische Musik

Die Armut weiter Teile der indischen Bevölkerung hat die Entwicklung eines nationalen Telefonsystems verzögert. Der staatliche Rundfunksender All India Radio sendet seine Programme in 24 Sprachen und zahlreichen Dialekten. Seit Ende der achtziger Jahre werden die staatlichen Fernsehprogramme durch zahlreiche Satellitenprogramme ergänzt, über die viele Inder zum ersten Mal westliche TV-Programme empfangen konnten. Die Presse spielt immer noch eine große Rolle. Es gibt mehr als 27 000 Zeitungen und Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von mehr als 58 Millionen Exemplaren. Die 2 500 Tageszeitungen haben eine Gesamtauflage von mehr als 17 Millionen Exemplaren. Die Presse unterliegt keinerlei Zensur und ist der Regierung und einzelnen Politikern gegenüber oft kritisch eingestellt. Zu den einflussreichsten englischsprachigen Tageszeitungen gehören Times of India und Indian Express.

Die Republik Indien wird gemäß der Bestimmungen der 1949 angenommenen und seither häufig überarbeiteten Verfassung regiert. Die Verfassung enthält zahlreiche Merkmale der konstitutionellen Systeme westlicher Demokratien.

Gemäß der Verfassung ist Indien eine souveräne, parlamentarische Republik innerhalb des Commonwealth. Nationalfeiertag ist der „Tag der Republik”, der am 26. Januar begangen wird und der an das In-Kraft-Treten der Verfassung im Jahr 1950 erinnert.

Träger der Exekutive und Staatsoberhaupt ist der Präsident. Die Rolle des Präsidenten innerhalb der Regierung beschränkt sich jedoch größtenteils auf zeremonielle Aufgaben; die tatsächliche Macht liegt bei einem dem Parlament verantwortlichen Ministerrat. Das Parlament besteht aus dem Oberhaus (Rajya Sabha) und dem Unterhaus (Lok Sabha). Der Präsident wird von einem Gremium gewählt, das sich aus Abgeordneten des Bundesparlaments und der Parlamente der Einzelstaaten zusammensetzt. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre; er kann beliebig oft wieder gewählt werden. Die Abstimmung im Wahlmännergremium ist äußerst kompliziert. Dem Ministerrat bzw. Kabinett steht der Premierminister vor, der formal vom Präsidenten ernannt wird. Jeder Minister ist für eine Verwaltungsabteilung der Zentralregierung verantwortlich. In vielerlei Hinsicht ist das indische Kabinettsystem mit dem britischen identisch.

Gemäß der Verfassung liegt die Legislative beim Parlament. Die Lok Sabha setzt sich aus 543 in allgemeinen und direkten Wahlen gewählten Mitgliedern zusammen, die um zwei vom Präsidenten ernannte Vertreter der angloindischen Minderheit ergänzt werden. Bestimmten Kasten und Stämmen sind jeweils 70 bzw. 41 Sitze in der Lok Sabha vorbehalten. Die Amtszeit der Mitglieder der Lok Sabha umfasst in der Regel eine Legislaturperiode von fünf Jahren. Die Kammer kann jedoch nach dem Scheitern wichtiger Gesetzesvorlagen auf Antrag der Exekutive vorzeitig aufgelöst werden. Die Rajya Sabha besteht aus bis zu 245 Mitgliedern. Bis auf zwölf vom Präsidenten ernannte Mitglieder werden sämtliche anderen von den Abgeordneten der Parlamente der Einzelstaaten gewählt. Bei der Rajya Sabha handelt es sich um eine permanente Einrichtung; die Amtszeit jeweils eines Drittels der Mitglieder endet nach zwei Jahren.

Die Regierungsform der Einzelstaaten entspricht in etwa derjenigen der Zentralregierung. Das Oberhaupt eines Staates ist der vom indischen Staatspräsidenten auf fünf Jahre ernannte Gouverneur. In den Staaten Bihar, Jammu and Kashmir, Karnataka, Maharashtra und Uttar Pradesh werden aus zwei Kammern bestehende gesetzgebende Versammlungen und Räte gewählt; in den übrigen Staaten bestehen die gesetzgebenden Versammlungen aus einer Kammer. Von den insgesamt 4 061 Sitzen in den gesetzgebenden Versammlungen sind 557 bestimmten Kasten und 527 bestimmten Stämmen vorbehalten.

Verantwortung für die Legislative haben in Indien drei Gruppen bzw. Listen: Liste 1 umfasst 97 Bereiche (z. B. Verteidigung, Außenpolitik, Kommunikation, Währung, Bankwesen und Zölle), die unter der ausschließlichen Jurisdiktion des Bundesparlaments stehen. Liste 2 umfasst 66 Bereiche (etwa Polizei und Öffentliche Ordnung, Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft und Kommunalverwaltung), die ausschließlich in die Zuständigkeit der einzelstaatlichen Parlamente fallen. Die 47 Bereiche der Liste 3 (z. B. Wirtschafts- und Sozialplanung, Gewerkschaften und Preiskontrollen) fallen sowohl in die Zuständigkeit des Bundes als auch der Einzelstaaten.

Die judikative Gewalt wird in Indien über ein System nationaler Gerichte ausgeübt, die auf der Basis der Bundes- und Landesgesetze Recht sprechen. Zwar werden sämtliche Richter von der Exekutive ernannt, jedoch sind einige Vorkehrungen getroffen worden, um ihre Unabhängigkeit sicherzustellen. Dazu gehört insbesondere die Vorschrift, dass ein Richter nur mit Zweidrittelmehrheit des Bundesparlaments abgewählt werden kann. Das höchste Gericht ist der aus bis zu 17 Mitgliedern bestehende Oberste Gerichtshof. Dem untergeordnet sind die Ober- und Untergerichte in den jeweiligen Einzelstaaten.

Indien gliedert sich verwaltungsmäßig in 28 Bundesstaaten, sechs Unionsterritorien und das Hauptstadtterritorium. Städtische Bezirke unterliegen der Zuständigkeit zahlreicher Verwaltungsbehörden, die sich um Straßenbau, Wasserversorgung, Abwassersystem und sanitäre Einrichtungen, Impfprogramme und das Schulwesen kümmern. Die Beamten werden direkt gewählt und über die Erhebung von Vermögenssteuern, Kraftfahrzeugsteuern und andere Abgaben finanziert.

In ländlichen Bezirken existiert der panchayati raj; darunter versteht man ein traditionelles, dreischichtiges Rätesystem, das auf Dorf-, Block- und Bezirksebene tätig ist. Die direkt vom und aus dem Volk gewählten Panchayats sind verantwortlich für Gesundheitsfürsorge, Unterstützung von Müttern und Kindern, landwirtschaftliche Produktion, Industrialisierung ländlicher Gebiete, Weideland, Gemeindestraßen sowie Wassertanks und Brunnen.

Die wichtigsten politischen Parteien sind die Bharatiya Janata Party (BJP; nationalistische Hindupartei), All India Congress Committee (Kongresspartei), Communist Party of India-Marxist/CPM-Marxist, Rashtriya Janata Dal, Samajwadi Party, All-India Anna Dravida Munnetra Kazhagam, Telugu Desam Party, Samata Party und Communist Party of India (CPI).

Der Indische Nationalkongress, gegründet 1885, führte Indien im Kampf um die Unabhängigkeit und stellte in verschiedenen Ausprägungen sämtliche Premierminister des Landes bis auf die Zeiträume zwischen 1977 und 1980 sowie 1989 und 1991. Im Jahr 1969 verließ eine Gruppe von Kongressmitgliedern die Partei und bildete die kleinere Indische Nationalkongress-Organisation (U). 1978 spaltete sich die Kongresspartei erneut, als Indira Gandhi den Indischen Nationalkongress-Indira (I) gründete, der 1981 vom Obersten Gericht offiziell als Kongresspartei anerkannt wurde.

In Indien gibt es eine starke Natur- und Umweltschutzbewegung, die sich mit beträchtlichem Erfolg gegen die Zerstörung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen durch die wachsende Industrialisierung und das rasche Bevölkerungswachstum einsetzt. Zu den erfolgreichen Umweltschützern gehören die Tree Huggers, die gegen die Abholzung der Baumbestände im Himalaya kämpfen. Zudem haben sie das Silent Valley Project in Kerala gestoppt – ein gewaltiges Wasserkraftwerksprojekt, das den Lebensraum einzigartiger Arten zerstört hätte – und erst kürzlich nach einer langen und erbitterten Auseinandersetzung das große Narmada Dam Project in Madhya Pradesh und Gujarat zu Fall gebracht. An einer anderen Front ist es Umweltschutzgruppen gelungen, das Tehri Project zu verzögern, bei dem der Bau von Dämmen in einer äußerst erdbebengefährdeten Zone im Himalaya geplant ist.

Sämtliche Abteilungen der indischen Streitkräfte bestehen ausschließlich aus Freiwilligen. Die Stärke des Heeres beträgt etwa 1 100 000 Soldaten (2002). Die Marine umfasst 55 000 Mann, die Luftwaffe 170 000 Mann (mehr als 700 Kampfflugzeuge). Indien besitzt eine der größten Streitmächte der Erde. Das indische Militär mischt sich traditionell nicht in die Innenpolitik ein; es gab nie einen Staatsstreich.

Im wirtschaftlichen System Indiens fällt den bundes- und einzelstaatlichen Behörden eine zentrale Rolle bei der Lenkung und Planung zu. Der Staat ist auch Eigentümer öffentlicher Unternehmen. Seit den fünfziger Jahren spielt der Staat eine führende Rolle im Wirtschaftsleben; zu dieser Zeit versuchte die erste unabhängige Regierung unter Jawaharlal Nehru, Nationalismus und Sozialismus miteinander zu verbinden. Ziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, um die Bedürfnisse der rasch wachsenden Bevölkerung zu decken. 1951 wurde der erste wirtschaftliche Fünfjahresplan verabschiedet. Während der folgenden Jahrzehnte verstaatlichte man einige Schlüsselindustrien und tätigte enorme Investitionen; der private Sektor unterlag weit reichenden Kontrollen. Es wurden Zölle eingeführt und andere Maßnahmen zum Schutz der heimischen Produktion ergriffen; daneben initiierte man verschiedene Agrarreformen.

Die Ergebnisse waren größtenteils positiv, insbesondere im Vergleich zu vielen anderen Entwicklungsländern – Indien zählt mittlerweile zu den Schwellenländern. Abgesehen von extremen Dürrejahren wie 1979 und 1987 war ein beständiges Wirtschaftswachstum zu verzeichnen; zwischen 1965 und 1980 lag das Wachstum real (im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum) bei jährlich 3,5 Prozent, heute liegt es bei 5,8 Prozent (1990–2002). Indien ist ein wichtiger Stahlproduzent. Die Agrarproduktion stieg ebenfalls beträchtlich an, so dass die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln erheblich verbessert werden konnte. Die Wachstumsraten sind aber immer noch zu niedrig, um sich spürbar auf das Einkommen der Bevölkerungsmehrheit auszuwirken. Unterernährung ist weit verbreitet; sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen stehen nur begrenzt zur Verfügung.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 510 177 Millionen US-Dollar (2002; Dienstleistungen 50,7 Prozent, Industrie 26,6 Prozent, Landwirtschaft 22,7 Prozent); dies entspricht einem BIP pro Einwohner von 490 US-Dollar.

1991 wurde P. V. Narasimha Rao Premierminister und leitete einen tief greifenden Wandel in der Wirtschaftspolitik ein. Zahlreiche Kontrollen über den privaten Sektor wurden aufgehoben und das staatliche Monopol in bestimmten Bereichen gelockert. Die Wirtschaft wurde durch Zollsenkungen und die Anwerbung ausländischer Investoren geöffnet. Diese Änderungen erfolgten teilweise im Hinblick auf die Erzielung höherer Wachstumsraten. Gleichzeitig war die Regierung jedoch gezwungen, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen, die Inflation zu verringern, die Staatsschulden zurückzuzahlen und die Zahlungsbilanz auszugleichen. Von 1991 bis 1992 fiel das Wirtschaftswachstum auf 1,1 Prozent; 1994 war es wieder auf über 5,3 Prozent angestiegen. Die Inflationsrate beträgt 7,2 Prozent.

Entsprechend dem Wandel auf Bundesebene wurden auch auf einzelstaatlicher Ebene Änderungen vorgenommen. Die Bundesstaaten haben einen beträchtlichen Einfluss auf die Innenpolitik und interpretieren die Bundespolitik auf unterschiedliche Weise. In einigen Staaten wie Westbengalen hat der Staat einen weit größeren Einfluss auf die Wirtschaft als in anderen Bundesstaaten. In Maharashtra dagegen ist die Wirtschaft traditionell marktorientiert. Seit 1991 haben jedoch fast sämtliche Staaten den Weg für ausländisches Kapital frei gemacht, die Kontrolle des privaten Sektors gelockert und erste Privatisierungen staatlicher Unternehmen eingeleitet.

Mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben vom Landbau; mehr als die Hälfte der Staatsfläche wird landwirtschaftlich genutzt, über 90 Prozent davon als Ackerland. Die Landwirtschaft trägt etwa 22,7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei (2002). Die meisten Höfe sind sehr klein: Im Landesdurchschnitt beträgt die Größe 2,6 Hektar. Ein Drittel der Höfe gilt als zu klein, um eine Familie ernähren zu können. Gemessen an der Anbaufläche ist Reis, das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, das wichtigste Produkt. Neben Reis wird vor allem Weizen angebaut; Indien gehört außerdem zu den weltgrößten Produzenten von Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute; weitere wichtige Anbauprodukte sind Kaffee, Gemüse, Melonen, Sorghum, Hirse, Mais, Gerste, Kichererbsen, Bananen, Mangos, Kautschuk, Leinsamen, Erdnüsse und verschiedene Gewürze.

In der Viehzucht sind insbesondere Büffel, Pferde, Esel und Kamele wichtig, die als Last- und Zugtiere eingesetzt werden. Rinderzucht ist trotz des hohen Bestands von 200 Millionen Tieren für die Ernährung von untergeordneter Bedeutung, weil Rinder von Hindus nicht geschlachtet werden dürfen. Die knappen Weideflächen und Wasservorräte führen dazu, dass indisches Vieh meist schlecht ernährt ist. Die 96,9 Millionen Büffel des Landes (2003) werden vor allem in den Deltaregionen gezüchtet. In den Trockengebieten des Punjab und Rajasthans gehören Kamele (900 000) zu den wichtigsten Lasttieren. Schafe (59 Millionen) und Ziegen (125 Millionen) werden hauptsächlich wegen der Wolle gezüchtet.

Obwohl in der Landwirtschaft größtenteils immer noch auf traditionelle Methoden zurückgegriffen wird, konnte man seit der Unabhängigkeit einen Trend zum Einsatz von Agrartechnik feststellen. Das staatlich finanzierte System der Bewässerungskanäle wurde erheblich erweitert; zudem wurden die von Brunnen bewässerten Gebiete stark vergrößert. Etwa 45 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche werden künstlich bewässert. Der Bedarf an chemischen Düngemitteln und ertragreichem Saatgut ist insbesondere als Folge der groß angelegten „Grünen Revolution” der sechziger und Anfang der siebziger Jahre beträchtlich gestiegen. Profitiert haben davon vor allem die reicheren Bauern in den Weizenanbaugebieten wie in Uttar Pradesh und im Punjab.

Das ehemals an Wäldern reiche Indien ist heute nur noch zu etwa 21,6 Prozent bewaldet (2000). Die Forstwirtschaft ist wenig entwickelt und beschränkt sich größtenteils auf die nördlichen Hochländer, auf Assam und die an den Himalaya grenzenden Gebiete. Die durch Raubbau bereits weitgehend zerstörten Wälder werden zur Gewinnung von Brennholz und Holzkohle – die für die meisten Inder wichtigsten Energiequellen – sowie zur Ernte von Nüssen und anderen Früchten sowie von Fasern, Ölen, Kautschuk und Harzen genutzt.

Obwohl der Fischfang größtenteils kommerziell nicht entwickelt ist, spielt er regional, etwa im Ganges-Delta in Bengalen und an der Südwestküste, eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren hat der Staat die Hochseefischerei gefördert, indem Fischfabriken gebaut und eine hochseetüchtige Fischereiflotte unterstützt wurden. Große Fangmengen werden vor allem bei Sardinen, Makrelen und Garnelen erzielt. Zu den wichtigsten Fischereistaaten gehören Kerala, Tamil Nadu und Maharashtra; sie allein erbringen etwa die Hälfte der nationalen Fangmenge. Mittlerweile wird in einigen Regionen die Überfischung zu einem Problem. Der jährliche Fischfang beträgt etwa 6 Millionen Tonnen (2001).

Indien gehört zu den weltweit führenden Produzenten von Eisenerz, Steinkohle, Bauxit und Glimmer (rund 60 Prozent der Weltproduktion). Ebenfalls Bedeutung haben Mangan, Ilmenit (Titanerz), Kupfer, Erdöl, Erdgas (in kleineren Mengen), Chrom, Graphit, Phosphat, Zink, Gold und Silber. Diese vielfältigen Bodenschätze bildeten die Grundlage für den Aufbau eines diversifizierten Produktionssektors. Die Förderung von Erdöl konzentriert sich auf die Bundesstaaten Gujarat und Assam sowie auf Offshore-Vorkommen im Golf von Cambay. Die Fördermenge entspricht etwa 60 Prozent des indischen Erdölbedarfs.

Indien verfügt über einen diversifizierten produzierenden Sektor, der etwa ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Hinsichtlich der Produktionsmengen dominiert der moderne Sektor mit einigen Großkonzernen, insbesondere in der Schwerindustrie. Beschäftigungspolitisch spielen dagegen die kleineren, oft in Familienbesitz befindlichen Handwerksbetriebe eine größere Rolle. Die älteste und immer noch wichtigste Branche ist die Textilindustrie (hauptsächlich Baumwollstoffe). In den meisten Städten gibt es mindestens eine Baumwollfabrik. Die Eisen- und Stahlindustrie hat seit den fünfziger Jahren einen gewaltigen Aufschwung erlebt. Zu den weiteren wichtigen Branchen gehört die Verarbeitung von Tee, Getreide, Ölsamen, Zucker, Tabak und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Daneben spielen das Druck- und Verlagswesen, die petrochemische Industrie, die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Herstellung von Kraftfahrzeugen eine große Rolle. Ebenfalls bedeutend ist die Produktion von Papier, chemischen Erzeugnissen, Baustoffen, Leder- und Metallwaren sowie Eisenbahnzulieferteilen. Auch die Computerindustrie, insbesondere der Softwarebereich, hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung erlebt. Die südindische Stadt Bangalore gilt als das „Silicon Valley” Indiens.

Etwa 81,7 Prozent des indischen Energiebedarfs werden über Wärmekraftwerke unter Einsatz von Kohle oder Erdöl gedeckt. 14,5 Prozent werden in Wasserkraftwerken und weitere 3,4 Prozent in Kernkraftwerken wie in Kota oder in der Nähe von Bombay erzeugt. Obwohl die Kapazitäten ständig erweitert werden, können sie nicht mit dem zunehmenden Bedarf mithalten; daher kommt es häufig zur Energieknappheit, unter der insbesondere das produzierende Gewerbe zu leiden hat.

Die Währungseinheit in Indien ist die Rupie zu 100 Paise.

Die 1934 gegründete und 1949 verstaatlichte Reserve Bank of India wirkt als Zentralbank und zentrale Notenbank. Durch eine Serie von Verstaatlichungen gelangte die Mehrzahl der kommerziellen Banken in öffentliche Hand. Es gibt zwar etwa 300 registrierte kommerzielle Bankinstitute, 80 Prozent der Einlagen und Kredite laufen aber über die 28 staatlichen Banken.

Das Kreditwesen im ländlichen Indien hat zur Verschuldung weiter Kreise der Bevölkerung geführt. Um diese Probleme zu lösen, wurden Kreditgesellschaften und Bankkooperativen gegründet; Ziel war insbesondere, den Bauern Kredite zum Erwerb von Saatgut, Düngemitteln und anderen landwirtschaftlichen Gütern zu ermöglichen.

Aufgrund des bis vor kurzem noch geltenden starken Protektionismus war das Außenhandelsvolumen im Vergleich zur Größe und Diversifizierung der indischen Wirtschaft eher gering. Dazu kam ein ständiges Handelsdefizit, das durch den Import von Öl, Rohstoffen, Maschinen, Konsumgütern, Schmuck, chemischen Stoffen und Düngemitteln entstanden war und durch Schmuggel im großen Stil noch verschärft wurde. Die Exporte sind äußerst vielfältig; wichtig sind Textilien, Kleidung, Agrarprodukte, Schmuck und Juwelen, Lederwaren, Tee, Gewürze, Werkzeugmaschinen und chemische Grundstoffe. Etwa 12 Prozent der jährlichen indischen Exporte gelangen in die Vereinigten Staaten, die auch 9 Prozent der Importe liefern. Zu den weiteren wichtigen Handelspartnern gehören Deutschland, Japan, Großbritannien, Belgien, Saudi-Arabien, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), Singapur, Australien, die Niederlande und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Zu Beginn der Unabhängigkeit 1947 gehörte Indien zu den verkehrsmäßig am besten erschlossenen früheren britischen Kolonien; insbesondere das Eisenbahnnetz war vorbildlich ausgebaut. Seitdem wurde die bestehende Infrastruktur durch Verlängerung des Straßennetzes und die Einrichtung eines Binnenflugverkehrs stark ausgeweitet. Der Großteil des Güterverkehrs wird aber immer noch über das staatliche Eisenbahnnetz abgewickelt. Die Gesamtlänge des Schienennetzes beträgt etwa 62 800 Kilometer (2000); 17 Prozent davon sind elektrifiziert. Es werden drei unterschiedliche Spurbreiten verwendet. Die Länge des Straßennetzes beträgt etwa 3,3 Millionen Kilometer (1999); etwa 46 Prozent davon sind befestigt. Die wichtigsten indischen Häfen wie Kalkutta, Bombay, Madras und Vishakhapatnam werden von Fracht- und Passagierschiffen aus allen Teilen der Erde angelaufen. Vor allem für den Frachtverkehr haben auch die Binnenwasserstraßen des Landes Bedeutung. Der zivile Luftverkehr wurde 1953 verstaatlicht: Die Fluggesellschaft Air India übernimmt internationale Langstreckenflüge, Indian Airlines wickelt den Binnenflugverkehr ab. Seit 1991 wurden einige nationale Luftstraßen für den privaten Sektor geöffnet. Das Flugverkehrsaufkommen ist erheblich gestiegen, heute wird nicht mehr nur zwischen den Großstädten ein regelmäßiger Flugverkehr aufrechterhalten, sondern auch zu abgelegenen Teilen des Himalaya und des Nordosten Indiens.

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