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Island (isländisch: EÍsland), Republik im Europäischen Nordmeer, an den nördlichen Polarkreis grenzend. Island liegt etwa 300 Kilometer südöstlich von Grönland, rund 800 Kilometer nordwestlich von Schottland und etwa 1 000 Kilometer westlich von Norwegen. Die Insel erstreckt sich von Nord nach Süd über eine Länge von 350 Kilometern, von Ost nach West über 500 Kilometer. Zum Staat gehören neben der Hauptinsel auch einige kleine vorgelagerte Inseln, wie etwa die durch einen Vulkanausbruch entstandene Insel Surtsey. Island hat eine Fläche von 103 000 Quadratkilometern. Die Hauptstadt des Landes ist Reykjavík.

Die 4 988 Kilometer lange Küste ist überaus zerklüftet und durch zahlreiche, zum Teil tief eingeschnittene Buchten stark gegliedert. Dies ist insbesondere im Westen und Norden der Fall. An der westlichen Küste stellen die Faxabucht (Faxaflói) und der Breidafjord (Breidhafjördhur) die wichtigsten Küsteneinschnitte dar. Im Nordwesten befindet sich zwischen dem Breidafjord und der Húnabucht (Húnaflói), einem der größten Einschnitte der Nordküste, eine von Steilküsten gesäumte Halbinsel. Die Küstenlänge dieser Halbinsel bildet etwa 30 Prozent der gesamten Küste Islands. Die geologisch junge Insel ist vulkanischen Ursprungs und besteht zum Großteil aus unbewohnten Hochflächen, die von Stein- und Kieswüsten beherrscht werden. Aus diesem Hochland erheben sich einige Gebirgsketten sowie einzelne Tafelberge. Die meist entlang der Küste, insbesondere im Süden und Südwesten gelegenen Tiefländer stellen etwa 25 Prozent der Gesamtfläche Islands dar.

Die unbewohnte Hochfläche hat den Charakter einer polaren Kältewüste. Sie ist in Stufen gegliedert und erhebt sich zwischen 300 und 800 Meter über den Meeresspiegel. Die höchste Erhebung Islands ist der Hvannadalshnúkur (2 119 Meter) im Südosten des Landes. Fast 15 Prozent der Landesfläche Islands sind mit Schneefeldern und Gletschereis bedeckt. Der Vatnajökull im Südosten ist der größte von Islands über 120 Gletschern. Er hat stellenweise eine Dicke von bis zu 1 000 Metern und bedeckt etwa 8 456 Quadratkilometer, so dass er damit in etwa der Gesamtfläche aller festländischen europäischen Gletscher entspricht. Auch Langjökull (953 Quadratkilometer) und Hofsjökull (925 Quadratkilometer) zählen zu den größten Gletschern Europas. Ferner weist Island zahlreiche kleine Seen und Flüsse auf, die meist von den Schmelzwässern der Gletscher gespeist werden. Die ausgedehnten Schotter- und Sanderebenen im Süden und Südosten von Island wurden von diesen Schmelzwässern aufgeschüttet. Aufgrund der topographischen Gestaltung gibt es zahlreiche Steilstufen; die Flüsse sind reich an Wasserfällen. Die ausgeprägtesten erreichen Fallhöhen von etwa 40 Metern. In weniger steilen Abschnitten der Flüsse sind häufig Stromschnellen entwickelt.

Island liegt dem untermeerischen Mittelatlantischen Rücken auf (siehe Plattentektonik). Daher befinden sich auf der Insel rund 200 Vulkane, von denen etwa 30 von Zeit zu Zeit aktiv sind, heiße Quellen, Geysire und Solfataren. Häufig treten als Begleiterscheinungen der vulkanischen Tätigkeit Erdbeben auf. Zu den bekanntesten Vulkanen gehören der Hekla (1 491 Meter), der 1766, 1947, 1980 und 2000 ausbrach, sowie der in seiner Nähe gelegne Laki, der etwa 100 verschiedene Krater aufweist. Die ausgedehnten, nacheiszeitlichen Lavafelder nehmen etwa zehn Prozent der Landesfläche ein. Viele Ausbrüche hinterließen große Verwüstungen. Bei dem einzigen bekannten Ausbruch des Laki (1783) kamen durch Lavaströme, Vulkanasche, austretende Gase und reißende Schmelzwasserfluten über 9 000 Menschen ums Leben. Ferner wurden große Teile des Ackerlandes zerstört und etwa 80 Prozent des Viehbestands der Insel getötet. 1963 brach vor der Südwestküste Islands ein untermeerischer Vulkan aus. Durch diese Eruption entstand die Insel Surtsey. 1973 wurde der Vulkan auf der Insel Heimaey wieder aktiv, so dass die Inselhauptstadt Vestmannaeyjar evakuiert werden musste. Am 1. Oktober 1996 brach der Vulkan Loki unter dem Gletscher Vatnajökull aus. Durch das folgende Schmelzen mächtiger Eismassen kam es im Südwesten von Island zur Überflutung ausgedehnter Gebiete. Das nach dem Vulkanausbruch oberflächlich angefallene Schmelzwasser floss etwa 230 Kilometer östlich von Reykjavík über eine unbewohnte Gegend ins Meer. Am 18. Dezember 1998 kam es unter diesem Gletscher erneut zu einem Vulkanausbruch, wobei eine Asche- und Rauchsäule von sechs Kilometer Höhe entstand.

Heiße Quellen sind auf Island weit verbreitet. Sie treten vor allem in der Umgebung der Vulkane häufig als Geysire auf. Der bekannteste Geysir Islands bricht in unregelmäßigen Abständen (meist alle fünf bis 36 Stunden) aus und stößt dabei eine bis zu 60 Meter hohe Wasserfontäne aus. Die geothermische Energie wird vor allem im Großraum Reykjavík zur Beheizung von Wohnanlagen und Treibhäusern verwendet.

Das Klima Islands steht unter dem Einfluss des Irmingerstromes, eines Ausläufers des Golfstromes, und ist durch kühle Sommer und milde Winter geprägt. Insgesamt sind die klimatischen Bedingungen wesentlich gemäßigter als in anderen Gebieten ähnlich hoher geographischer Breite. Die mittlere Jahrestemperatur Reykjavíks liegt bei 5 °C. Die mittleren Monatstemperaturen schwanken dort zwischen -0,6 °C im Januar und 11,1 °C im Juli. In den Küstenregionen im Nordwesten, Norden und Osten der Insel sind die Temperaturen aufgrund der Auswirkungen der Meeresströmungen aus Polargebieten und des Treibeises im Allgemeinen etwas niedriger. Insbesondere im Winter treten häufig Stürme und dichte Nebelbildung auf. Die mittleren Jahresniederschläge liegen an der Südküste bei 800 bis 2 000 Millimetern und an der Nordküste bei 400 bis 700 Millimetern. An den Südhängen einiger Berge im Landesinneren fallen bis zu 4 000 Millimeter Niederschlag pro Jahr.

In prähistorischer Zeit war die Insel weitgehend bewaldet. Durch Einflüsse des Menschen ist Island heute nahezu waldlos, die noch verbliebenen kleinen Waldbestände bestehen aus Birken und Weiden und erstrecken sich überwiegend in den tiefer gelegenen Regionen. Unbewaldete Tieflandregionen werden häufig von Niedermoorwiesen eingenommen. Die Baumgrenze liegt bei etwa 300 Metern. Selbst nach den in den sechziger Jahren angelaufenen Programmen zur Wiederaufforstung sind weniger als zwei Prozent der Insel bewaldet. Insgesamt ist nur etwa ein Viertel des Landes von Vegetation bedeckt. Die Flora Islands mit ihren 450 Gefäßpflanzenarten hat nordeuropäischen Charakter, aufgrund der niedrigen Temperaturen ist die Vegetationsperiode sehr kurz. Das Gebiet bietet nur Lebensraum für Pflanzen, die an die kalten Bedingungen angepasst sind. An der Südküste wachsen Gräser und Heidekraut, die von Schafen und anderen Haustieren abgeweidet werden. Im Landesinneren gedeihen Zwergstrauchheiden sowie Moos- und Flechtentundra.

Eine für die Tierwelt charakteristische Art ist der Eisfuchs, das einzige, ursprünglich auf der Insel lebende Säugetier. Eingeführt wurden Rentiere, Nagetiere (Waldmaus, Hausmaus und Wanderratte) und der nordamerikanische Mink (ein naher Verwandter des Nerzes), der sich auf Island stark vermehrt hat. An den Küsten leben Seehunde, Kegelrobben und Klappmützen, die letztere Robbenart hat nördlich von Island wichtige Fortpflanzungsgebiete; in den Gewässern um Island leben Wale. Das Islandpony wird auf der gesamten Insel gezüchtet. Etwa 100 Vogelarten sind hier heimisch, dazu gehören das Alpenschneehuhn und viele Wasservögel wie Papageitaucher, Tordalken, Trottellummen, Odinshühnchen und Eissturmvögel. Am Mývatn-See im Norden Islands gibt es arten- und individuenreiche Entenvorkommen. Auf Island leben weder Reptilien noch Amphibien. Zu den Fischarten der Küstengewässer zählen Kabeljau, Schellfisch, Heilbutt und Hering. Islands Binnengewässer sind Lebensraum für Lachse und Forellen.

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 282 000 (2004). Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 2,8 Einwohnern je Quadratkilometer. Island ist das am dünnsten besiedelte Land Europas. Der Großteil der isländischen Bevölkerung lebt an der Küste, der überwiegende Teil davon im Südwesten im Großraum Reykjavík. Die Bewohner Islands sind fast ausschließlich Nachkommen normannischer und keltischer Einwanderer. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts setzte eine große Landflucht ein. Etwa 93 Prozent der Isländer leben heute in Städten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag der Anteil der Stadtbevölkerung noch bei 20 Prozent. Die Siedlungsgrenze liegt bei etwa 200 Metern über dem Meeresspiegel.

Die isländische Bevölkerung hat eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Diese liegt für Männer bei 77,7 Jahren und für Frauen bei 82,4 Jahren (2004). Der Anteil an Bürgern unter 15 Jahren ist mit etwa 25 Prozent im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sehr hoch.

Die isländische Hauptstadt Reykjavík hat etwa 112 000 Einwohner. Die Stadt ist der wichtigste Hafen und Handelsplatz sowie industrieller und kultureller Mittelpunkt der Insel. Neben Reykjavík sind Akureyri an der Nordküste (15 600 Einwohner, ein Fischerei- und Industriezentrum), Kópavogur nahe Reykjavík (24 200), Hafnarfjördhur (20 200) und Keflavík (7 600) wichtige Städte. Auf der kleinen Insel Heimaey vor der Südküste Islands liegt Vestmannaeyjar (4 600 Einwohner). Im südlichen Tiefland befindet sich Selfoss (4 300), ein wichtiges Dienstleistungszentrum der umliegenden Agrarregion und gleichzeitig die größte Gemeinde im Landesinneren von Island.

Die Amtssprache ist Isländisch, das zum nördlichen Zweig der germanischen Sprachen gehört. Das Isländische ist näher mit dem Altnordisch der ursprünglichen Wikingersiedler als mit den anderen skandinavischen Sprachen verwandt. Die meisten Isländer sprechen außerdem mindestens eine Fremdsprache. Staatskirche Islands ist die evangelisch-lutherische Isländische Nationalkirche, der etwa 93 Prozent der Bevölkerung angehören. Lutheranische Freikirchen, andere protestantische Gemeinschaften sowie Katholiken bilden kleinere Minderheiten.

Gesetzliche Feiertage sind Neujahr (1. Januar), Ostern (Donnerstag bis Montag), der Erste Sommertag (meist der dritte Donnerstag im April), Tag der Arbeit (1. Mai), Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag und Pfingstmontag, Nationalfeiertag (17. Juni), Händlerfeiertag (erster Montag im August) und Weihnachten (24.-26. Dezember).

Island verfügt über ein umfassendes Sozialversicherungs- und Gesundheitssystem, das hauptsächlich vom Staat finanziert wird und die gesamte Bevölkerung versorgt. Über 40 Prozent der Ausgaben der Zentralregierung werden für das Gesundheitssystem ausgegeben. Die staatlichen medizinischen Einrichtungen können von der Bevölkerung kostenlos in Anspruch genommen werden. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,2 Prozent (2002). Island hat eine der niedrigsten Kindersterblichkeitsraten der Welt, sie beträgt 4 Sterbefälle pro Tausend Lebendgeburten (2004). Ein Arzt betreut im Durchschnitt 389 Einwohner.

Es besteht eine allgemeine Schulpflicht von 11 Jahren (2000); der Unterricht, der von Oktober bis Mai in Ganztagsschulen bzw. (vor allem auf dem Land) in Internaten abgehalten wird, ist kostenlos. An die sechsjährige Primarstufe schließt sich die vierjährige Sekundarstufe I an; die Sekundarstufe II dauert drei bzw. vier Jahre. Weiterführende Schulen und Hochschulen sind die University of Iceland (1911) in Reykjavík, eine technische, eine landwirtschaftliche Hochschule sowie eine Hochschule für Musik.

Die bedeutendsten Bibliotheken Islands befinden sich alle in Reykjavík: es sind dies die Universitätsbibliothek, die Nationalbibliothek und die Stadtbücherei. Das Naturkundemuseum sowie das Nationalmuseum, das eine der größten Sammlungen isländischer Altertümer beherbergt, sind ebenfalls in der Hauptstadt ansässig. Außerdem verfügt die Stadt über eine Kunstgalerie mit zahlreichen Exponaten des isländischen Bildhauers Einar Jónsson. Zur Literatur des Landes siehe isländische Literatur.

In Reykjavík erscheinen sechs parteipolitisch ausgerichtete Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 105 000 Exemplaren, wobei sich die konservativen Blätter allein 85 000 mal verkaufen; der Rest der Tagesauflage entfällt auf liberale und sozialistische Organe, darunter die Zeitungen Timinn und Dagur. Die Telefon- und Telegraphendienste gehören dem Staat und werden von ihm verwaltet. Das Monopol des staatlichen isländischen Rundfunksenders über Radio- und Fernsehsendungen endete 1986. Mittlerweile sind in Island acht private Radio- und ein Fernsehsender in Betrieb, die von etwa 80 000 Zuhörern bzw. 75 000 Zuschauern empfangen werden.

Gemäß der Verfassung, die am 17. Juni 1944 in Kraft trat, als das Land seine vollständige Unabhängigkeit erhielt, ist Island eine parlamentarische Republik. Nationalfeiertag ist der 17. Juni, der zur Erinnerung an die Proklamation der Republik im Jahr 1944 begangen wird.

Das Staatsoberhaupt Islands ist der vom Volk auf vier Jahre gewählte Präsident (Wiederwahl unbegrenzt möglich). Dieser steht nominell an der Spitze der Exekutive und ernennt den Vorsitzenden der stärksten Partei zum Ministerpräsidenten. Tatsächlich wird die Exekutivgewalt von der Regierung ausgeübt. Diese wird vom Ministerpräsidenten geführt und ist dem Parlament verantwortlich.

Die gesetzgebende Versammlung Islands ist das Parlament Althing, dessen zwei Kammern im Jahr 1991 zu einer Kammer zusammengefasst wurden. Dieses Organ hat 63 Abgeordnete, wovon 54 auf vier Jahre durch Verhältniswahl bestimmt werden und neun Abgeordnete je nach ihrem Stimmenanteil bei den Wahlen zugeteilt werden. Wahlberechtigt sind alle Bürger ab dem 18. Lebensjahr.

Die höchste Instanz des Gerichtswesens ist der Oberste Gerichtshof, der aus einem obersten Richter und sieben weiteren, vom Präsidenten ernannten Richtern besteht. 1992 wurde die Rechtsprechung in Zivil- und Strafprozessen von Provinzfriedensrichtern auf acht neue Bezirksgerichte übertragen, wodurch die Rechtsprechung von der strafrechtlichen Verfolgung getrennt wurde. Neben den Bezirksgerichten gibt es noch eine Reihe von Sondergerichten.

Island ist in acht Regionen gegliedert, die jeweils ein eigenes Verwaltungszentrum besitzen und Einkommens- und Gewerbesteuern erheben können. Unterhalb der Ebene der Regionen ist Island in 31 Städte und 166 Gemeinden gegliedert. In Stadtgebieten gilt das Verhältniswahlrecht, in ländlichen Gemeinden das System der einfachen Mehrheit.

Die stärkste Kraft im Parlament ist die 1930 gegründete, rechts der Mitte angesiedelte Unabhängigkeitspartei. Darüber hinaus von Bedeutung sind die beiden gemäßigt linken Parteien Fortschrittspartei und Sozialdemokratische Partei. Die 1956 gegründete Volksallianz ist eine sozialistische Gruppierung. Seit den achtziger Jahren bildeten sich weitere Parteien. 1983 wurde die Sozialdemokratische Frauenpartei gegründet und 1987 die Bürgerpartei, ein Flügel der Unabhängigkeitspartei.

Island verfügt über keine militärischen Streitkräfte, unterhält aber eine 160 Mann starke Küstenwache zur Überwachung der Hoheitsgewässer. Island ist ein Mitgliedsstaat der NATO (North Atlantic Treaty Organization: Nordatlantikpakt). Durch ein bilaterales Abkommen mit Island (1951) sind die USA verpflichtet, die Sicherheit Islands und dessen Verteidigung zu garantieren. Daher sind etwa 3 500 Soldaten der USA auf dem Luftwaffenstützpunkt Keflavík stationiert.

Island gehört seit 1970 zur EFTA (European Free Trade Association: Europäische Freihandelsassoziation). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Islands beträgt rund 8 449 Millionen US-Dollar (2002). Die Wirtschaft des Landes ist marktwirtschaftlich orientiert; allerdings übt die Regierung ein beachtliches Maß an Aufsicht über die wichtigen Sektoren aus: So sind beispielsweise viele der Banken und Finanzinstitute in staatlicher Hand und ein Großteil der Kraftwerke befinden sich unter Kontrolle der Regionalverwaltungen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor, wobei die Fischerei eine Nebenerwerbsquelle darstellte. Dies wandelte sich jedoch. Mitte des 20. Jahrhunderts gehörten die Fischerei und die Fisch verarbeitende Industrie zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Um eine Abhängigkeit von der Fischerei zu verhindern, bemühte sich die isländische Regierung um eine Diversifizierung der Wirtschaft. Ein besonderes Augenmerk richtete man dabei auf den Dienstleistungssektor. Etwa 69 Prozent aller Erwerbstätigen sind in der Dienstleistungsbranche beschäftigt, ungefähr 23 Prozent arbeiten in der Industrie und nur 8 Prozent gehen einer landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit nach. Die Handelsbilanz ist nahezu ausgeglichen. Die besonders Mitte der achtziger Jahre hohe Inflationsrate von mehr als 23 Prozent konnte im Lauf der Zeit gesenkt werden und lag im Durchschnitt der Jahre 1990–2002 bei 3,54 Prozent. Islands Produktionspotential an Elektrizität aus Wasser- und geothermischer Energie ist enorm und die Nutzung wird ausgebaut, um den Aufbau einer vielseitigen Industrie voranzutreiben.

Rund ein Fünftel des gesamten Freilandes lassen sich landwirtschaftlich nutzen; davon werden weniger als 0,5 Prozent (1995) als Ackerland verwendet. Zu den Hauptanbauprodukten zählen Rüben, Kartoffeln und Futterpflanzen. Seit 1945 kommen zusätzlich Treibhäuser zum Einsatz, die man mittels geothermischer Energie beheizt. Heutzutage werden etwa 15 000 Hektar treibhaustechnisch zur Blumenzucht sowie zum Obst- und Gemüseanbau genutzt. Etwa 20 Prozent der Gesamtfläche Islands eignen sich zur Viehhaltung und Weidewirtschaft. Produziert werden u. a. Milch und Milchprodukte, Schafwolle sowie Fleischerzeugnisse.

Fischfang und Fischverarbeitung zählen zu den ertragreichsten Zweigen der isländischen Wirtschaft; die Fangmenge lag 2001 bei 1 985 086 Tonnen. In diesem Sektor wird ein Großteil der Exporterlöse erwirtschaftet; 1995 waren rund 71 Prozent aller ausgeführten Güter Fisch- und Fischereierzeugnisse. Island ist der führende Lieferant von Kabeljau (siehe Dorsche), der gut zwei Drittel der Fangmenge ausmacht. Daneben werden auch Schellfisch, Hering, Rotbarsch und Köhler (siehe Pollack) sowie Schalentiere im größeren Umfang gefangen. In den Küstenstädten hat sich im Lauf der Zeit eine umfangreiche Fischindustrie angesiedelt. Auf internationalen Druck stellte Island den Walfang 1989 ein. Im Juni 1992 trat Island aus der IWC (International Whaling Commission: Internationale Walfangkommission) aus.

Island verfügt kaum über Gewinn bringende Bodenschätze. Zu den wirtschaftlich wertvollen Rohstoffen zählen Muschelkalk, Perlit (vulkanisches Glas), Diatomit (siehe Kieselalgen) und Bimsstein.

Neben der Fisch verarbeitenden Industrie, die den Hauptanteil des Exports ausmacht, verfügt Island über traditionelle Industriebereiche, die hauptsächlich für den Binnenmarkt produzieren. Die Haupterzeugnisse sind chemische Produkte (vor allem Düngemittel), Bekleidung, Schuhe und Lederwaren. Seit den sechziger Jahren haben sich wegen der preiswerten Energieversorgung zunehmend große exportorientierte Werke angesiedelt. Sie werden von ausländischen Firmen unterstützt und produzieren beispielsweise Diatomit, Ferrosilicium (Silicium: Verwendung) und Aluminium (aus importiertem Bauxit); rund 10 Prozent aller ausgeführten Güter sind Hüttenaluminium (1995).

Die Währung Islands ist die Isländische Krone (Króna), die 100 Aurar entspricht. Die Währung wird von der staatlichen Zentralbank (gegründet 1961) ausgegeben. Um den Forderungen des Binnenmarktes der Europäischen Union entgegenzukommen, hat die Regierung die starke Kontrolle des Banken- und Finanzsektors seit Mitte der achtziger Jahre deutlich reduziert. Dennoch besitzt sie immer noch zwei der drei Geschäftsbanken. Die vier Privatbanken schlossen sich 1989 zur Íslandsbanki zusammen.

In der Handelsbilanz standen 2 094 Millionen US-Dollar (2002) für Einfuhrgüter einem Volumen von 2 229 Millionen US-Dollar für ausgeführte Waren gegenüber. Zu den wichtigsten Importprodukten gehören Erdöl, Maschinen und Anlagen, Kraftfahrzeuge, petrochemische Erzeugnisse und Lebensmittel. Fisch und Fischerzeugnisse machten 71 Prozent (1995) aller Ausfuhrgüter aus, weitere 10 Prozent Aluminium. Islands wichtigste Handelspartner sind Großbritannien, Deutschland, USA, Japan, Dänemark, Frankreich, Spanien und Norwegen.

Islands Straßennetz beschränkt sich hauptsächlich auf die Küstengebiete und umfasst insgesamt 12 998 Kilometer (2001). Nur etwa 20 Prozent sind asphaltiert, der größte Teil davon auf der Hringvegur, die als 1 440 Kilometer lange Ringstraße um die Insel läuft. Die Insel besitzt keine Eisenbahn oder schiffbaren Flüsse, aber mehrere Seehäfen: Akranes, Keflavík, Reykjavík und Siglufjördhur. Die Fluggesellschaft Icelandair bietet sowohl Inlandflüge als auch internationale Flüge an. Der internationale Flughafen liegt bei Keflavík.

Die beeindruckenden Landschaften mit ihren vulkanischen Erscheinungen (z. B. Solfataren, Geysire), Gletschern und Wasserfällen üben auf eine kontinuierlich steigende Besucherzahl (1995: 189 796 Gäste) große Anziehungskraft aus. So brachte der Fremdenverkehr 1995 rund 250 Milliarden US-Dollar ein.

Island verfügt durch die zahlreichen Flüsse und die geothermische Aktivität über ein großes Energiepotential. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge werden durchschnittlich nur ein Zehntel des potentiellen Bestandes aus Wasserkraftwerken und nur ein Zwanzigstel der zur Verfügung stehenden geothermischen Energie genutzt. Insgesamt wurden 7,9 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt (2001), von denen 82,49 Prozent aus der Produktion von Wasserkraftwerken stammen. Die geothermische Energie wird zur Beheizung der Gebäude und Treibhäuser sowie bei einigen Produktionsprozessen eingesetzt. Mitte der neunziger Jahre lag der Erdölverbrauch bei etwa 7 900 Kilogramm pro Einwohner.

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