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Kirgisistan oder Kirgisien, auch Kirgistan, offiziell Kirgisische Republik, Staat in Zentralasien, grenzt im Norden an Kasachstan, im Osten und Südosten an China, im Südwesten an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan. Die Republik Kirgisistan hat eine Gesamtfläche von 198 500 Quadratkilometern. Bischkek, das frühere Frunse, ist Hauptstadt und größte Stadt des Landes.
Kirgisistan wird überwiegend von Hochgebirge eingenommen. Rund drei Viertel des Landes liegen mehr als 1 500 Meter über dem Meeresspiegel, die Hälfte des Landes mehr als 3 000 Meter hoch.
Weite Teile des Landes gehören zum Gebirgssystem des Tian Shan. Die Grenze zu China verläuft auch über den 7 439 Meter hohen Pik Pobeda, den höchsten Berg des Landes. Im Süden von Kirgisistan erheben sich Alaigebirge und Transalaigebirge sowie Ausläufer des Pamir. Die Gebirge sind in hohen Lagen vergletschert, insgesamt bedecken Gletscher rund 3 Prozent der Landesfläche. Tieflandregionen erstrecken sich nur im Westen und Norden Kirgisistans. Im Westen hat das Land Anteil am Ferganabecken, im Norden breitet sich das Becken von Bischkek aus.
Größter See der Republik ist mit einer Fläche von rund 6 100 Quadratkilometern der 1 607 Meter hoch gelegene Ysyk-Köl-See. Der Naryn, einer der Quellflüsse des Syrdarja, durchzieht Kirgisistan von Ost nach West auf einer Länge von etwa 800 Kilometern. Er entwässert etwa die Hälfte des Staatsgebiets. Viele im Norden entspringende Flüsse versickern in den Wüsten und Halbwüsten des südlichen Kasachstan.
Das Klima ist kontinental mit starken jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. In Bischkek wurden Extremwerte von 42 °C bzw. -38 °C gemessen. Die Jahresniederschläge sind überwiegend gering. In tieferen Lagen werden nur stellenweise 300 Millimeter überschritten. An Berghängen, die den vorherrschenden Westwinden ausgesetzt sind, können 1 000 Millimeter erreicht werden.
In Kirgisistan herrschen überwiegend Halbwüsten, Steppen und alpine Wiesen vor. 5,2 Prozent des Landes sind von Wald bedeckt; im Süden des Landes gibt es Nussbaumwälder. In Kirgisistan leben seltene Großraubtiere wie Isabell-Braunbären (eine Unterart des Braunbären), Rothunde und Schneeleoparden. Bemerkenswerte Kleinsäuger sind die Pfeifhasen oder Pikas. 3,5 Prozent der Gesamtfläche von Kirgisistan stehen unter Naturschutz.
Die Kirgisen stellen 56 Prozent der Bevölkerung, 19 Prozent sind Russen, 13 Prozent Usbeken. Außerdem leben u. a. Ukrainer, Tataren, Deutsche, Tadschiken, Aseri (Aserbaidschaner), Dunganen und Uiguren im Land. Kirgisistan erkannte als erster Staat der GUS der deutschsprachigen Minderheit Autonomierechte zu. Die Einwohnerzahl Kirgisistans beträgt etwa 4,97 Millionen (2004), die Bevölkerungsdichte 25 Einwohner je Quadratkilometer bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 1,7 Prozent. 34 Prozent der Bevölkerung leben in Städten (2002). Die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 63,8 Jahre (Männer 59,6, Frauen 68,1; 2004). Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,6 Prozent. Der Lebensstandard ist außerordentlich niedrig, mehr als ein Drittel der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das Gesundheitswesen ist unzureichend entwickelt. Auf einen Arzt kommen 330,5 Einwohner, die Kindersterblichkeitsrate beträgt 74,8 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten.
Die wichtigsten Städte des Landes sind die Hauptstadt Bischkek (753 000 Einwohner) im Norden, Osch (212 000 Einwohner) im fruchtbaren Ferganabecken, Jalal-Abad, Tokmak, Issyk-Kul und Kara-Balta.
Kirgisisch zählt zur Gruppe der Turksprachen. Durch eine Verfassungsänderung vom November 2001 wurde auch Russisch zur Amtssprache erklärt. Vorherrschende Religion ist der Islam sunnitischer Richtung. Minderheiten bilden u. a. russisch-orthodoxe Christen und Buddhisten.
Die Analphabetenrate liegt bei etwa 4 Prozent. Die Schulpflicht dauert neun Jahre. Nach elf Jahren Mittelschule ist der Besuch einer Hochschule möglich. Es existieren zehn Universitäten und Hochschulen, darunter die 1951 gegründete Universität von Bischkek.
Für Kultur, Wissenschaft und Erziehung steht ungefähr ein Viertel des Staatshaushalts zur Verfügung.
Das Historische Museum in Bischkek wurde 1927 gegründet und dokumentiert die Geschichte des Landes bis 1917. Ebenfalls in der kirgisischen Hauptstadt befindet sich das 1935 eröffnete Museum für Bildende Künste. Mit Deutschland besteht seit 1993 ein Kulturabkommen, das Hochschulpartnerschaften sowie Austauschprogramme für Künstler, Wissenschaftler und Studenten umfasst.
Die ältesten Zeugnisse der Kunst sind Felsbilder aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Im Mittelalter scheinen auf dem Gebiet Kirgisistans verschiedene Kulturen und Völker zusammengelebt zu haben. Es wurden Überreste sowohl buddhistischer Klöster wie auch christlicher Kirchen gefunden, außerdem zahlreiche buddhistische Skulpturen (buddhistische Architektur). Seit dem 11. Jahrhundert verbreitete sich der Islam mit seiner Kunst und Architektur (islamische Kunst und Architektur). Die künstlerische Tätigkeit der Nomaden hat sich vor allem im Kunsthandwerklichen entfaltet (zentralasiatische Kunst und Architektur). Als Sowjetrepublik (1918-1991) stand Kirgisistan unter dem Einfluss der sowjetischen Kulturpolitik. In dieser Epoche entwickelte sich eine städtische Architektur und freie Kunstformen wie Malerei, Graphik und Bildhauerei. Nach dem 2. Weltkrieg hatten die Künstler weitgehend den Vorgaben des sozialistischen Realismus zu folgen.
Die traditionelle Volksmusik ist sowohl als Instrumentalmusik wie als Lied sehr lebendig. Sänger, die auch Epen vortragen, begleiten sich meist auf einem lautenähnlichen Saiteninstrument.
Die traditionelle Literatur wird bis auf den heutigen Tag in erster Linie mündlich überliefert. Besondere Bedeutung besitzt das Heldenepos Manas, dessen Ursprünge in das 1. Jahrtausend zurückreichen. Es umfasst bis zu 500 000 Verse und erzählt die mythische Ursprungsgeschichte der Kirgisen sowie die Taten des Fürsten Manas und seiner Nachfahren. Zu internationaler Berühmtheit hat es der vorwiegend russisch schreibende Schriftsteller Tschingis Aitmatow gebracht.
Unabhängige Medien erfreuten sich bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts größerer Freiheiten als in den anderen mittelasiatischen Staaten, doch werden diese Freiheiten zunehmend eingeschränkt. Die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen stufte die Situation der Pressefreiheit für das Jahr 2000 als „schwierig” ein. In diesem Jahr waren landesweit 10 000 Internetanschlüsse registriert.
Nach der Verfassung vom 5. Mai 1993, die in der Folgezeit mehrmals geändert wurde, zuletzt 1998, ist Kirgisistan eine präsidiale Republik: Staatsoberhaupt ist der Präsident, der über eine außerordentlich starke Stellung verfügt. So bestimmt der Präsident z. B. die Grundlinien der Innen- und Außenpolitik, und er kann das Parlament auflösen und Neuwahlen ausschreiben, wenn es den vom Präsidenten vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten dreimal hintereinander ablehnt. Der Präsident wird direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt
Die Exekutive wird von der Regierung, die vom Ministerpräsidenten geleitet wird, ausgeübt; Minister und Ministerpräsident werden vom Präsidenten ernannt (und entlassen) und vom Parlament bestätigt. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, das sich aus dem Rat der Volksvertreter mit 70 Sitzen und der gesetzgebenden Versammlung mit 35 Sitzen zusammensetzt; die Abgeordneten beider Kammern werden jeweils für fünf Jahre nach dem Mehrheitswahlsystem gewählt. Wichtigste Parteien sind die der Regierung nahe stehenden Parteien: Union der demokratischen Kräfte, Demokratische Frauenpartei, Partei der afghanischen Kriegsveteranen und Mein Haus sowie die oppositionellen Parteien Partei der Würde, Volkspartei, Partei der Kommunisten Kirgisistans und Vaterlandspartei. Kirgisistan gliedert sich in sechs Regionen und den Hauptstadtbezirk.
Obwohl nur die Hälfte der Landesfläche agrarwirtschaftlich genutzt wird, ist die Landwirtschaft ein bedeutendes Standbein der Wirtschaft Kirgisistans. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 ist seine Regierung bemüht, die Wirtschaft zu liberalisieren und eher marktwirtschaftlich zu orientieren. Gleich zu Beginn gab es jedoch Spannungen um die Privatisierung von Agrarland. 1996 trat Kirgisistan der Zollunion zwischen Russland und Weißrussland bei, 1998 wurde das Land 133. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Trotz der Reformbemühungen bewegte sich das Land zunehmend in eine schwere Wirtschaftskrise, die auch gegen Ende des 20. Jahrhunderts noch anhielt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 1 603 Millionen US-Dollar (2002). Davon erwirtschaften der Agrarsektor 38,6 Prozent, der Dienstleistungssektor 35,2 Prozent und die Industrie 26,2 Prozent. Das BIP pro Einwohner beträgt 320 US-Dollar.
Die Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig; sie beschäftigt 52 Prozent aller Erwerbstätigen. Rund die Hälfte der Landesfläche kann für die Landwirtschaft genutzt werden, davon lediglich etwa 7,5 Prozent für den Ackerbau oder den Anbau von Ganzjahreskulturen; der Rest ist Weidefläche. Groß angelegte Bewässerungsanlagen ermöglichen in den Tieflagen Anbau von Baumwolle, Getreide und Obst, führten allerdings auch zu einer hohen Versalzung der Böden. Weitere Agrarprodukte sind Kartoffeln, Zuckerrüben, Weinbeeren, Tabak und Schlafmohn. Im Vordergrund der Landwirtschaft steht die Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern (u. a. Yaks) und Pferden. Die Produktion von Schafwolle und die Seidenraupenzucht sind bedeutende Landwirtschaftszweige.
Kirgisistan verfügt nur über wenig ergiebige Rohstoffvorkommen. Bodenschätze wie Kohle, Gold und Antimonerz werden in geringem Umfang in der Randzone des Ferganabeckens gefördert. Trotz der Erdöl- und Erdgaslagerstätten (ebenfalls im Ferganabecken) ist die Republik stark abhängig von importierten Brennstoffen. Die Industrie beschäftigt 12 Prozent aller Erwerbstätigen. Bedeutende Produktionszweige sind Maschinenbau, Textil-, Leder- und Nahrungsmittelindustrie. Die Flüsse Naryn und Chu werden zur Stromerzeugung genutzt; ein beträchtliches Potential an Wasserkraft bleibt jedoch ungenutzt.
Die Landeswährung ist der Kirgisistan-Som (K.S.) zu 100 Tyin. Ausgeführt werden vor allem Metalle, Kohle, Maschinen, Textilien und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Hauptimportprodukte sind Fahrzeuge, chemische Produkte sowie fossile Brennstoffe. Wichtige Handelspartner sind die GUS-Staaten und China. Im Januar 1994 schloss sich Kirgisistan einer von Kasachstan und Usbekistan gegründeten Freihandelszone an.
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