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Libyen (Große Sozialistische Libysch-Arabische Volksrepublik), Staat in Nordafrika mit den Hauptlandschaften Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan. Libyen grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Osten an Ägypten, im Südosten an die Republik Sudan, im Süden an die Republiken Tschad und Niger, im Westen an Algerien und im Nordwesten an Tunesien. Mit einer Fläche von 1 757 000 Quadratkilometern gehört Libyen zu den größten Ländern Afrikas. Hauptstadt des Landes ist Tripolis.

Libyen erstreckt sich zwischen dem Mittelmeer im Norden und der zentralen Sahara im Süden. Etwa 95 Prozent des Landes sind Sand-, Kies- und Steinwüste. Tripolitanien im Nordwesten umfasst neben dem Küstentiefland auch eine Schichtstufenlandschaft mit dem Djebel Nefusa. Diese fällt nach Süden steil ab und leitet über zur Wüstenregion des Fezzan.

Der mittlere Küstenabschnitt umfasst das Tiefland an der Großen Syrte, in dessen Hinterland sich bis rund 1 200 Meter hohe vulkanische Gebirgsmassive erheben. Im Nordosten Libyens befindet sich die Cyrenaika mit dem steil zum Meer abfallenden 876 Meter hohen Djebel el Akhdar. Südlich dieses Gebirgszuges erstrecken sich die Sanddünengebiete der Libyschen Wüste. Im Süden, an der Grenze zum Tschad, greifen die Ausläufer des Tibesti auf libysches Gebiet über. Hier befindet sich auch mit dem 2 286 Meter hohen Bette die höchste Erhebung des Landes.

Kennzeichen der klimatischen Verhältnisse in Libyen sind extreme Hitze und Trockenheit. In den Wüsten- und Halbwüstenregionen fallen nur episodische Niederschläge. Die Maximaltemperaturen übersteigen 55 °C. In El-Asisija wurde im August 1923 mit 57,3 °C die höchste jemals auf der Erde gemessene Temperatur ermittelt. Im Küstengebiet herrscht mediterranes Klima mit Winterregen. Hier werden bei mittleren Monatstemperaturen von 11 °C im Januar und 32 °C im Juli bis 600 Millimeter Jahresniederschlag erreicht, der Landesdurchschnitt liegt bei 380 Millimetern.

Um das Problem der Wasserknappheit zu entschärfen, hat Libyen eine Vielzahl von großen Bewässerungsprojekten durchgeführt. Zu diesen Projekten gehört auch der „Große künstliche Fluss”, eine riesige Wasserpipeline, von der große Teilabschnitte bereits in Betrieb sind. Im Rahmen des Projekts werden die Grundwasser leitenden Gesteinsschichten der Oasen Sarir, Sabhah und Kufra angezapft. Das Wasser wird dann über die Pipeline in die libyschen Städte und Agrarregionen entlang der Mittelmeerküste transportiert. Nach Fertigstellung sollen durch den „Großen künstlichen Fluss” täglich fünf Millionen Kubikmeter Wasser gepumpt werden; allerdings stammen diese Wassermengen aus nicht erneuerbaren fossilen Reserven.

Weite Teile Libyens sind vegetationslos oder tragen nur eine spärliche Pflanzendecke. Im mediterranen Bereich gibt es eine schmale Steppenzone. In den verstreut liegenden Oasen wachsen Dattelpalmen sowie Oliven- und Orangenbäume; in höheren Lagen gedeihen auch Wacholder- und Mastixsträucher. Die Säugetierfauna umfasst u. a. Streifenhyänen, Fenneks, Sandfüchse, Falbkatzen (die Stammform unserer Hauskatzen), Gazellen und Wüstenspringmäuse. Zur Avifauna gehören Bienenfresser, Wiedehopf, Kragentrappe, Triel, Sand- und Spießflughuhn, Palmtaube und Rothals-Ziegenmelker.

Die Einwohnerzahl Libyens beträgt rund 5,6 Millionen (2004). Die in traditionellen Gemeinschaften lebenden Berber haben einen Anteil von 25 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Araber und arabisierte Berber sind in ihrer Lebensform und Sprache kaum voneinander zu unterscheiden und stellen 64 Prozent. Außerdem leben in Libyen Staatsangehörige anderer arabischer Länder sowie Europäer (vor allem Italiener) und Asiaten, die vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen hier sind. Der Verstädterungsgrad ist mit 88 Prozent sehr hoch. Die Bevölkerungsdichte liegt landesweit bei nur 3,2 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist jedoch sehr ungleichmäßig verteilt; etwa 90 Prozent der Einwohner leben in der Küstenregion. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 2,4 Prozent.

Die Hafenstädte Tripolis (1,77 Millionen Einwohner) und Bengasi (804 000) sind die beiden größten Städte. Weitere wichtige Städte sind Az Zawiya (220 000), Misurata (178 000), Homs (150 000), Gharyan (117 000) und Darnah (105 000).

Die Amtssprache ist Arabisch. Daneben sind Berbersprachen verbreitet. Als Handelssprachen finden Englisch und Italienisch Anwendung. Der Islam ist Staatsreligion; etwa 97 Prozent der Libyer gehören der muslimischen Glaubensgruppe der Sunniten an. Daneben gibt es eine kleine katholische Minderheit.

Libyen zählt zu den wirtschaftlich potentesten und wohlhabendsten Ländern des afrikanischen Kontinents. Es besteht ein Sozialversicherungssystem, zudem kostenlose medizinische Versorgung sowie Witwen-, Waisen- und Altersrenten. Die Arbeitslosenquote beträgt 30 Prozent. Auf einen Arzt kommen 1 146 Einwohner. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 26 Sterbefällen pro 1 000 Lebendgeburten. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 76,3 Jahre (Männer 74,1 Jahre, Frauen 78,6 Jahre).

In Libyen besteht eine 9-jährige Schulpflicht. Der Alphabetisierungsgrad konnte auf 83,4 Prozent gesteigert werden (2004). Unter den fünf Universitäten gibt es eine medizinische und eine pädagogische Universität; daneben existieren mehrere höhere Fachschulen.

In Tripolis befinden sich die Staatsbibliothek und das Nationalarchiv. Die Universität von Garyounis (1955) in Bengasi beherbergt die größte Bibliothek des Landes mit einem Bestand von mehr als 300 000 Bänden. Zu den führenden Museen des Landes gehören das Leptis Magna Museum in El Khoms mit bedeutenden archäologischen Sammlungen sowie naturgeschichtliche, epigraphische, historische und ethnographische Museen in Tripolis.

Post und Telekommunikation sind in Libyen in staatlicher Hand. Über Funk wird die Kommunikation zwischen den Küstenregionen und dem Landesinneren sichergestellt. In Libyen herrscht eine strikte Pressezensur. Die Presse vertritt ausschließlich die offizielle Regierungslinie. Rundfunk und Fernsehen sind staatlich. Der Empfang von beliebigen Programmen über Satellitenfernsehen ist aber erlaubt. Auch der Zugang zum Internet ist frei; 2000 wurden 7 500 Internetnutzer gezählt. Die meistverkaufte libysche Tageszeitung ist Al-Fajr al-Djedid („Neuer Morgen”); die Gesamtauflage aller Tageszeitungen liegt bei etwa 71 000 Exemplaren.

Libyen ist gemäß der Verfassung von 1977 eine Sozialistische Arabische Volksrepublik.

Staatsoberhaupt ist der vom Allgemeinen Volkskongress gewählte Revolutionsführer. Dieser Volkskongress ist oberstes Legislativorgan und wird von einem Generalsekretär geleitet; seine etwa 1 000 Mitglieder setzen sich zusammen aus Vertretern der Regierung und Delegierten der lokalen Selbstverwaltungsorgane sowie der Massenorganisationen wie etwa der Gewerkschaften. Die Exekutive liegt bei dem Allgemeinen Volkskomitee, das sich aus 18 für je ein Ressort zuständigen Sekretariaten zusammensetzt. Parteien gibt es in Libyen nicht mehr.

Zivil-, Straf- und Handelsrecht in Libyen sind an das ägyptische Modell angelehnt. Seit 1979 obliegt das Rechtswesen dem Volkskomitee für Justiz. Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof. Daneben gibt es Appellationsgerichte, Gerichtshöfe erster Instanz und Schnellgerichte. Seit 1994 basiert das Rechtssystem auf der islamischen Scharia.

Bis 1977 war Libyen in Gouvernorate eingeteilt. Seit der Verfassungsänderung ist das Land in drei Provinzen und zehn Bezirke untergliedert.

Es besteht allgemeine Wehrpflicht. Die Dienstzeit beträgt je nach Waffengattung zwei Jahre oder länger.

Hauptstütze der Wirtschaft Libyens ist das Erdölgeschäft. Seit der Entdeckung großer Erdölvorkommen 1958 und Beginn der Förderung 1959 hat sich Libyen zu einem der wichtigsten Erdölexporteure der Welt entwickelt. Nach Nigeria ist das OPEC-Mitglied der zweitgrößte Exporteur Afrikas. Allerdings leidet die Wirtschaft unter dem 1992 verhängten Luftverkehrs- und Waffenembargo seitens der UN, das u. a. auch die Lieferung von Ausrüstungen und Ersatzteilen für Libyens Erdölindustrie untersagt. Das Embargo stand in Verbindung mit dem Flugzeugabsturz von Lockerbie 1988, der durch ein Bombenattentat ausgelöst wurde. In diesem Zusammenhang verdächtigte man zwei libysche Staatsbürger, deren Auslieferung die libysche Regierung lange Zeit verweigerte. Die Verdächtigen – nach britischer und amerikanischer Ansicht Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes – wurden schließlich im Frühjahr 1999 ausgeliefert, und die UN setzten die Sanktionen ab dem 5. April 1999 aus. Jedoch hielten die USA ihre Sanktionsmaßnahmen gegen Libyen aufrecht.

Landwirtschaft ist nur auf 2 Prozent der Landesfläche möglich. Der Großteil des Acker- und Weidelandes befindet sich in Tripolitanien im Nordwesten des Landes. In den östlichen und südlichen Landesteilen wird nur gelegentlich und abhängig von der jeweiligen Niederschlagsmenge Landwirtschaft betrieben. Wichtigste Anbauprodukte sind Weizen, Hafer, Oliven, Datteln, Weintrauben, Mandeln, Tomaten, Melonen und Zitrusfrüchte. In der Viehzucht dominiert die Schaf-, Ziegen- und Kamelhaltung der Nomaden; in staatlichen Betrieben werden Rinder und Geflügel gehalten. Groß angelegte Bewässerungsprojekte dienen zur Ausweitung des Agrarlandes. Besonders in der Wüstenregion werden die Beregnungsanlagen dabei mit unterirdischem Wasser gespeist. An der Küste sind mehrere Meerwasserentsalzungsanlagen in Betrieb. In der Landwirtschaft arbeiten 10,9 Prozent aller Erwerbstätigen.

In den Küstengewässern Libyens werden kleinere Mengen an Sardinen und Thunfischen gefangen, zudem sammelt man Schwämme.

Die wichtigsten Rohstoffe und Haupteinnahmequellen Libyens sind Erdöl und Erdgas – gemeinsam bringen sie nahezu 90 Prozent der gesamten Exporterlöse ein. Die umfangreichsten Erdöllagerstätten befinden sich südöstlich der Großen Syrte. Auch das Off-shore-Feld etwa 120 Kilometer nordwestlich von Tripolis ist überaus ergiebig. Um die Vorräte nicht frühzeitig zu erschöpfen, wurden Produktionsobergrenzen eingeführt. Daneben werden Eisenerz, Kalk und Gips sowie Kali- und Steinsalz abgebaut.

Wegen des starken Rückgangs der Einnahmen im Erdölsektor während der achtziger Jahre wurde der Diversifizierung der Wirtschaft hohe Priorität eingeräumt. Neben der Erdölverarbeitung sind inzwischen auch die Herstellung von Baustoffen (vor allem Zement), Textilien und Metallwaren sowie die Verarbeitung von Nahrungsmitteln gut entwickelt. Die meisten Konsumgüter müssen importiert werden. Das traditionelle Kunsthandwerk spielt wirtschaftlich nur eine untergeordnete Rolle. Der Anteil der Beschäftigten in der Industrie liegt bei 23 Prozent. Die Industriestandorte sind vor allem im Gebiet um Tripolis, Misurata (Eisen und Stahl) sowie entlang der Küste der Großen Syrte angesiedelt.

Währungseinheit ist der Libysche Dinar zu 1 000 Dirham. Als Notenbank fungiert die Libysche Zentralbank (1955), der auch die Kontrolle des Bankwesens und der Kreditvergabe obliegt. 1972 wurde die Libysch-Arabische Auslandsbank gegründet, um Auslandsinvestitionen abwickeln zu können.

Die libyschen Exporte bestehen fast ausschließlich aus Erdöl und Erdgas. Mit dem Fall der Ölpreise im Lauf der achtziger Jahre gingen auch die Exporterlöse zurück. Wichtigste Importgüter sind Maschinen, chemische Erzeugnisse und Konsumgüter sowie Nahrungs- und Genussmittel. Haupthandelspartner sind neben Italien und Deutschland Spanien, Frankreich, Großbritannien, die Türkei sowie Tunesien und die Schweiz.

Hauptverkehrsader ist die Küstenstraße, die auch nach Tunesien und Ägypten reicht. Sie verläuft von Tunis über Tripolis, Bengasi und Tobruk nach Alexandria. Weitere Straßenverbindungen bestehen zwischen Sebhah im Landesinneren und der Küstenstraße. Das gesamte Straßennetz Libyens weist eine Länge von 83 200 Kilometern auf (1999), 57 Prozent sind befestigt. Die wichtigsten Hafenstädte sind Tripolis, Bengasi, Tobruk und Misurata. Wichtige Flughäfen sind Tripolis und Bengasi, die allerdings aufgrund des UN-Luftverkehrsembargos lange Zeit von internationalen Fluglinien nicht angeflogen wurden.

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