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Liechtenstein, unabhängiges Fürstentum, grenzt im Osten an Österreich, im Süden und Westen an die Schweiz. Liechtenstein ist mit einer Gesamtfläche von 160 Quadratkilometern einer der kleinsten unabhängigen Staaten der Welt.
Das westliche Drittel von Liechtenstein umfasst die östliche Talebene des mittleren Alpenrheins. Der Rest des Landes wird von den westlichen Ausläufern des Rätikon eingenommen, einem Abschnitt der Nördlichen Kalkalpen, dessen Gipfel sich auf über 2 500 Meter über dem Meeresspiegel erheben. Die höchste Erhebung Liechtensteins markiert mit 2 599 Metern die Grauspitze im Süden des Landes auf der Grenze zum Schweizer Kanton Graubünden. Der Rhein bildet die Westgrenze Liechtensteins, und seine östlichen Nebenflüsse entwässern den größten Teil des Landes. Der Fluss Samina entwässert die Gebirgstäler im Osten von Liechtenstein.
Das Klima ist in den höheren Lagen kühl-gemäßigt, während in den Tälern überwiegend milde Bedingungen vorherrschen. Die mittleren Monatstemperaturen reichen von circa -1 °C im Januar bis zu etwa 21 °C im Juli. Der jährliche Niederschlag beträgt etwa 1 000 Millimeter in den Tieflagen und bis zu mehr als 2 400 Millimeter im Gebirge. Liechtensteins Pflanzen- und Tierwelt ist vielfältig. 44,9 Prozent des Landes sind bewaldet; Laubmischwälder beherrschen die Regionen bis etwa 1 300 Meter, darüber schließt Nadelwald an, der oberhalb der Baumgrenze von Zwergsträuchern und alpinen Matten abgelöst wird. Zur Tierwelt gehören in den Tälern und den unteren Bergwäldern neben zahlreichen Vogelarten auch Rotwild, Hasen, Füchse, Marder und Dachse; im Hochgebirge finden u. a. Murmeltiere und Gämsen geeigneten Lebensraum.
Liechtenstein hat etwa 33 400 Einwohner (2004), von denen etwa ein Drittel Ausländer (überwiegend Schweizer, Österreicher und Deutsche) sind. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 208 Einwohnern pro Quadratkilometer. Hauptstadt und wichtigstes Handelszentrum ist Vaduz mit etwa 4 900 Einwohnern. Weitere größere Orte sind u. a. Schaan, Balzers und Triesen mit jeweils 3 000 bis 5 000 Einwohnern. Die Lebenserwartung liegt für Männer bei 75,8 Jahren, für Frauen bei 83 Jahren. Die Bevölkerung wächst jährlich um 0,85 Prozent.
Amtssprache des Landes ist Deutsch. Die Liechtensteiner stammen von dem germanischen Stamm der Alemannen ab, die die Region ab 500 n. Chr. besiedelten, und die meisten von ihnen sprechen immer noch einen alemannischen Dialekt des Deutschen. 83 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 8 Prozent sind Protestanten.
Liechtenstein begeht die üblichen katholischen und profanen Feiertage. Liechtensteins Nationalfeiertag, der Geburtstag des Fürsten, wird am 15. August begangen und fällt mit Mariä Himmelfahrt zusammen. Neben den katholischen und gesetzlichen Feiertagen werden viele alte Bräuche, die teilweise heidnischen Ursprungs sind, als Folklore gewahrt, wie z. B. Funkasunntig (Sonntagsfreudenfeuer) und Fasnacht (Karneval).
Liechtenstein zählt vom Pro-Kopf-Einkommen her zu den reichsten Staaten der Welt. Die Arbeitslosenrate ist mit weniger als einem Prozent überaus niedrig. Das Gesundheitswesen wird im Verbund mit den angrenzenden Schweizer Kantonen organisiert. Für Kinder besteht vom 7. bis zum 16. Lebensjahr allgemeine Schulpflicht. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei 100 Prozent. In Liechtenstein gibt es keine Universität; deshalb gehen die meisten Studenten ins Ausland, vor allem in die Schweiz.
Liechtenstein ist eine konstitutionelle Erbmonarchie. Staatsoberhaupt ist der regierende Fürst. Gemäß der Verfassung aus dem Jahr 1921 liegt die legislative Gewalt in den Händen des Landtags, der aus 25 Abgeordneten besteht, die in allgemeinen Wahlen nach dem Verhältniswahlrecht für vier Jahre gewählt werden. Frauen sind seit 1984 wahlberechtigt. Die Exekutive bilden der Regierungschef und vier Regierungsräte, die auf Empfehlung des Landtags vom Fürsten ernannt werden. Die Regierungen der Jahre 1938 bis 1997 waren Koalitionsregierungen der 1936 gegründeten linksliberalen Vaterländischen Union (VU) und der 1918 entstandenen konservativen Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBPL). Die außenpolitischen Interessen Liechtensteins werden von der Schweiz vertreten.
Liechtenstein ist verwaltungsmäßig in elf Gemeinden gegliedert. Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof, ein aus fünf Richtern bestehendes Kollegialgericht.
Liechtenstein besitzt eine überaus gut funktionierende Wirtschaft; die Bereiche Finanzen, Fremdenverkehr und industrielle Fertigung spielen eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes. Die Landwirtschaft war vor dem 2. Weltkrieg die wichtigste Stütze der Wirtschaft. Mittlerweile sind nur noch weniger als 2 Prozent der Erwerbstätigen in diesem Bereich tätig. Viehzucht und Milchwirtschaft sind die wichtigsten landwirtschaftlichen Nutzungsformen. Im Rheintal werden Getreide (vor allem Weizen und Mais) und Kartoffeln angebaut; in klimatisch begünstigten Hanglagen wird Obst- und Weinbau betrieben. Liechtensteins industrielle Erzeugnisse werden größtenteils ausgeführt; am wichtigsten dabei sind Metalle, Maschinen, Präzisionswerkzeuge, Pharmazeutika und Lebensmittel. Liechtenstein verfügt über nur wenig natürliche Ressourcen von wirtschaftlicher Bedeutung. Fast alle Rohstoffe und Energieträger sowie zahlreiche Nahrungsmittel müssen importiert werden.
Seit dem Ende des 2. Weltkrieges entwickelte sich Liechtenstein zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Wachstum wurde durch Steuervergünstigungen und das Bankengeheimnis gefördert; beides schuf Anreize für ausländische Investitionen. Das Fürstentum bildete sich immer mehr zu einem wichtigen Finanzzentrum heraus. Ungefähr 100 000 ausländische Gesellschaften haben ihren eingetragenen Hauptsitz in Liechtenstein. Eine wichtige Einnahmequelle stellt auch der Verkauf von Briefmarken dar. Die engen Verbindungen des Landes mit der Schweiz sind von großer Bedeutung; der Schweizer Franken ist die offizielle Landeswährung Liechtensteins, und seit 1924 besteht zwischen beiden Staaten eine Zollunion.
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