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Madagaskar, Republik im Indischen Ozean, die von der Südostküste Afrikas durch die Straße von Moçambique getrennt ist. Die Demokratische Republik Madagaskar, so die offizielle Bezeichnung, besteht aus der Insel Madagaskar, der mit 1 580 Kilometer Länge und bis zu 580 Kilometer Breite viertgrößten Insel der Welt, sowie einigen kleineren Inseln (Nosy Be: 293 Quadratkilometer, Nosy Bohara: 165 Quadratkilometer). Insgesamt umfasst die Republik eine Fläche von 587 041 Quadratkilometern. Antananarivo ist die Hauptstadt und zugleich größte Stadt.

Das Landesinnere wird von einer von Gebirgen umrahmten Hochebene geprägt. Diese sind teils vulkanischen Ursprungs und erheben sich im Maromokotro, im Norden des Landes, bis zu einer Höhe von 2 876 Metern. Die Ankaratraberge nahe der Stadt Antananarivo erreichen eine maximale Höhe von 2 643 Metern. Die Landschaft fällt nach Osten steil ab zu einem schmalen Tiefland, das bis an den Indischen Ozean reicht. Nach Westen neigt sich das Gelände allmählich zu einer etwas breiteren Küstenebene an der Straße von Moçambique. Die fruchtbarsten Böden sind im Küstentiefland und in den Flusstälern der zentralen Hochebene entwickelt.

Die Hauptflüsse Madagaskars heißen Betsiboka, Tsiribihina, Mangoky und Onilahy. Sie entspringen in den Hochländern nahe der Ostküste, fließen in westlicher Richtung durch fruchtbare Täler und münden in die Straße von Moçambique. Die Flüsse, die in den Indischen Ozean münden, sind dagegen kurz, haben hohe Fließgeschwindigkeiten und stürzen häufig von den Hochlandgebieten in Wasserfällen herab. Der größte See ist der Alaotrasee in der Nähe von Toamasina. Die durch übermäßige Entwaldung verursachte Bodenerosion und eine unzureichende Abwasserentsorgung sind Hauptgründe für eine starke Verschmutzung von Oberflächengewässern. In ländlichen Regionen haben nur 31 Prozent (2000) der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser. Insgesamt verfügen lediglich 47 Prozent (2000) der Gesamtbevölkerung Madagaskars über eine Versorgung mit unbedenklichem Trinkwasser.

Madagaskar hat ein weitgehend tropisches Klima. Der östliche Landesteil erhält hohe Niederschläge, stellenweise werden über 3 000 Millimeter im Jahr erreicht. Die im Regenschatten des Südostpassats liegende zentrale Hochebene ist wesentlich trockener. Der meiste Regen fällt hier zwischen November und April, bis Oktober herrscht Trockenzeit. Im Süden und Südwesten werden in einigen Regionen sogar 400 Millimeter Jahresniederschlag unterschritten. In den Küstenregionen ist es im Allgemeinen das ganze Jahr über heiß. Im östlichen Tiefland betragen die Jahresdurchschnittstemperaturen 20 bis 26 °C. In der zentralen Hochebene herrscht ein gemäßigtes Klima mit warmen Sommern und kühlen Wintern. Im Sommer können Orkane Madagaskar erreichen.

Da die Insel aufgrund ihrer langen Isolation viele endemische (nur dort lebende) Arten aufweist, ordnet man sie (mit Komoren, Seychellen und Maskarenen) einer eigenen biogeographischen Subregion zu. Die natürliche Vegetation Madagaskars wurde vor allem durch Brandrodung weitgehend zerstört. Die artenreichen tropischen Regenwälder im Osten und Nordwesten der Insel sind größtenteils verschwunden, die Anzahl zusammenhängender Waldflächen nimmt rapide ab. Den 1999 veröffentlichten Ergebnissen einer Studie zufolge sind von der ursprünglichen Waldfläche Madagaskars nur noch etwa 10 Prozent erhalten. Allein der jährliche Verlust an Waldfläche durch Buschfeuer wird auf 150 000 bis 250 000 Hektar beziffert.

Zu den etwa 12 000 Pflanzenarten Madagaskars gehören viele Orchideen- und Baumarten; etwa 80 Prozent der Blütenpflanzenarten sind endemisch. Savannen aus Bäumen und Grasland bestimmen die trockeneren Westgebiete; im äußersten Südwesten herrscht Dornstrauchsavanne.

Charakteristische Tierarten sind die Lemuren, ursprüngliche Primaten, die unter der Zerstörung der madagassischen Wälder besonders stark zu leiden haben; bekannte Arten sind Katta, Aye-Aye und Indri. Die Raubtierfauna besteht ausschließlich aus Schleichkatzen, die größte Art ist die Fossa. Eine urtümliche Gruppe von Insektenfressern sind die Tanreks oder Madagaskar-Igel. Von den 202 Vogelarten sind über 100 endemisch, dazu gehören Blauwürger, Erdracken, Stelzenrallen und Kurols; ausgestorben sind Madagaskarstrauße. Die einzigen Amphibien sind Frösche, die mit 179 Arten, meist Baumfrösche, auf Madagaskar leben. Die Reptilienfauna ist durch 363 Arten repräsentiert, die größten Reptilien sind Krokodile; mit rund 60 Spezies kommen mehr als die Hälfte aller Chamäleonarten auf Madagaskar vor.

Madagaskar war das erste afrikanische Land, das sich an dem Vorhaben Debt-for-Nature (Schuldenerlass gegen Naturschutz) beteiligte. Man bemüht sich durch Wiederaufforstungsprojekte, Baumbestände in Hochlandgebieten zu fördern. Die Regierung hat 1,9 Prozent (2000) der gesamten Landesfläche unter Schutz gestellt. Das Tsingy de Bemaraha-Naturschutzgebiet wurde 1990 zum Weltnaturerbe erklärt. Madagaskar ratifizierte mehrere internationale Umweltabkommen, die Themen wie Artenvielfalt, Desertifikation, gefährdete Arten, den Erhalt der Meeresflora und -fauna, den Schutz der Ozonschicht sowie das Verbot von Atomtests betreffen.

Die Einwohnerzahl Madagaskars beträgt etwa 17,5 Millionen (2003); die Madagassen genannten Einwohner gehören verschiedenen ethnischen Gruppen an. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 30 Einwohner pro Quadratkilometer, wobei die Hochlandgebiete dichter besiedelt sind als die Küstenregionen. Madagaskar hat mit 3,03 Prozent (2003) eine hohe Bevölkerungswachstumsrate. Zwischen 1975 und 2000 hat sich die Zahl der Bevölkerung verdoppelt. Die Lebenserwartung liegt bei 56,5 Jahren (2003). Die größten ethnischen Gruppen im Landesinneren sind die Merina (Hova), die etwa 27 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, und die verwandten Betsileo (12 Prozent). Sie stammen hauptsächlich von Einwanderern aus der Region des heutigen Malaysia und Indonesien ab, die vor rund 2 000 Jahren nach Madagaskar kamen.

Die Küstengebiete werden vorwiegend von Ethnien bevölkert, die gemischte malaiisch-indonesische, schwarzafrikanische oder arabische Vorfahren haben. Zu diesen Volksgruppen gehören die Tsimihety (7 Prozent), Sakalave (6 Prozent) und die Antaisaka (5 Prozent). Außer Madagassen leben u. a. Inder, Chinesen, Komorer und Franzosen auf den Inseln; diese Gruppen machen insgesamt etwa 1 Prozent der Bevölkerung aus.

Nur 31 Prozent (2001) der Gesamtbevölkerung leben in Städten. Die Hauptstadt Antananarivo ist zugleich die größte Stadt mit etwa 1,69 Millionen Einwohnern. Weitere wichtige städtische Zentren sind Toamasina (138 000), Fianarantsoa (109 200), Mahajanga (107 000), Toliara (80 800) und Antsiranana (59 000).

Die Amtssprachen sind Französisch und Madagassisch, das zu den austronesischen Sprachen gehört. Der Merinadialekt von Malagassi ist malaiisch-indonesischen Ursprungs. Ungefähr 41 Prozent der Bevölkerung sind Christen, rund 52 Prozent folgen traditionellen Religionen und 7 Prozent gehören dem Islam an.

Es besteht eine 9-jährige Schulpflicht. 2000 lag der Alphabetisierungsgrad bei 66,5 Prozent. Etwa 14,3 Prozent der Jugendlichen gingen 1998–1999 auf weiterführende Schulen. Die Universität Antananarivo (gegründet 1961) ist die wichtigste Hochschuleinrichtung des Landes.

Wichtige Bibliotheken mit Sammlungen madagassischer Geschichte, Literatur, Kultur und Kunst sind die Nationalbibliothek und die Bibliotheken der Universität und der Académie Malgache in Antananarivo. Das Historische Museum und das Museum für Kunst und Archäologie der Universität, ebenfalls in Antananarivo, zählen zu den wichtigsten Museen der Republik.

Rundfunk- und Fernsehsendungen bieten die beiden staatlichen Sender Radio-Télévision Malagasy und Radio Madagasikara an. Zu den einflussreichen Tageszeitungen gehören die von der Regierung kontrollierte Madagascar-Tribune und die oppositionelle mongo Vaovao, die beide in Antananarivo herausgegeben werden.

Gemäß der Verfassung von 1975 wurde Madagaskar von einem Präsidenten regiert, der in öffentlichen Wahlen für sieben Jahre gewählt wurde. Darüber hinaus gab es den Obersten Revolutionsrat mit 22 Mitgliedern, den der Präsident ernannte, den Ministerrat unter Führung des Ministerpräsidenten sowie die Nationalversammlung des Volkes, die aus 137 Mitgliedern bestand. Im November 1991 wurde eine Übergangsregierung gebildet, und im August 1992 eine neue, 1998 letztmals geänderte Verfassung verabschiedet, die die Machtbefugnisse des Präsidenten einschränkte. Madagaskar gliedert sich verwaltungsmäßig in 28 Regionen.

Madagaskar ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Organisation für Afrikanische Einheit sowie verschiedener anderer internationaler Organisationen. Es gehört zu den Unterzeichnern des zweiten Lomé-Abkommens (1979), eines Kooperationsvertrages zwischen der Europäischen Gemeinschaft (jetzt Europäische Union) und rund 60 Entwicklungsländern.

Staatsoberhaupt von Madagaskar ist der Präsident. Er wird für eine Amtszeit von fünf Jahren vom Volk gewählt.

Das Zweikammerparlament besteht aus Nationalversammlung und Senat. Die 150 Abgeordneten der Nationalversammlung werden für vier Jahre gewählt. Der Senat umfasst 90 Mitglieder; zwei Drittel von ihnen werden für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt, ein Drittel vom Staatsoberhaupt ernannt.

Das Rechtssystem orientiert sich am französischen Vorbild. Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof in Antananarivo; weitere Gerichte sind ein Berufungsgericht, elf Gerichte der ersten Instanz sowie spezielle Wirtschafts- und Strafrechtstribunale.

Wichtigste politische Parteien sind Tiako-i-madagasikara (TIM) und Association pour la Renaissance de Madagascar (AREMA). Weitere Parteien sind: Leader Fanilo, People are judged by the work they do (AVI) sowie Rassemblement pour le Socialisme et la Démocratie (RPSD).

Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 4 400 Millionen US-Dollar (2001; Dienstleistungen 54,7 Prozent, Industrie 13,3 Prozent, Landwirtschaft 32,1 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 270 US-Dollar. Die Landwirtschaft ist der größte Wirtschaftsfaktor: 77 Prozent der Beschäftigten arbeiten dort. 18 Prozent sind im Dienstleistungssektor, 6 Prozent in der Industrie beschäftigt. Viele Betriebe, die von französischen Anteilseignern beherrscht waren, wurden 1975 verstaatlicht. Von zunehmender Bedeutung ist der Tourismus.

Aufgrund des gebirgigen Terrains werden nur 6,1 Prozent des madagassischen Landes kultiviert, doch sind mehr als drei Viertel der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Zu den Haupterntegütern zählen das Grundnahrungsmittel Reis sowie Maniok, Bohnen, Bananen, Mais, Süßkartoffeln, Kartoffeln und Taro. Diese Güter werden hauptsächlich für den Eigenbedarf angebaut (Subsistenzwirtschaft). Für den Export angebaut werden Kaffee, Gewürznelkenbäume, Zuckerrohr, Sisal, Tabak und rund 80 Prozent des Weltangebots an Vanille. Ackerbauliche Flächen werden traditionell durch Brandrodung gewonnen. Die Viehwirtschaft umfasst vorwiegend die Haltung von Rindern (Zebus), Ziegen und Schweinen.

In Madagaskar sind weniger die Holzindustrie, sondern vielmehr der Brandrodungsfeldbau und die Gewinnung von Brennstoffen für die dramatische Zerstörung der Wälder verantwortlich; die jährliche Entwaldungsrate beträgt 0,95 Prozent (1990–2000). Kommerzieller Fischfang ist von Bedeutung, der größte Teil der jährlichen Fangmenge wird im Land konsumiert.

Wichtige Bodenschätze Madagaskars sind Bauxit, Chrom und Nickel. Außerdem kommen Graphit, Eisenerz, Kohle, Erdöl und Kupfer sowie kleine Mengen an Salz, Granat und Glimmer vor. Vor der Küste wurden 1980 Erdölvorkommen entdeckt.

Wichtigste Fertigungsindustrie ist die Lebensmittelverarbeitung (Fleischverpackung, Brauereien, Zuckerraffinerien). Die Erdölraffination und die Montage von Motorfahrzeugen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Außerdem werden in geringem Umfang Textilien, elektronische Geräte, Glas sowie Druck- und Tabakerzeugnisse hergestellt.

Der Madagaskar-Franc (FMG) zu 100 Centimes ist die offizielle Landeswährung. Alle Banken wurden 1975 verstaatlicht und unterstehen der Aufsicht der Zentralbank von Madagaskar (gegründet 1973).

Madagaskar hat traditionell eine negative Handelsbilanz. Wichtige Exportprodukte sind Kaffee, mineralische Erzeugnisse, Fisch, Vanille, Zucker, Textilien sowie Gewürznelken und Nelkenöl. Importiert werden vor allem Chemikalien, Maschinen, Erdöl, Fahrzeuge und Metallwaren. Haupthandelspartner sind Frankreich, Japan, Deutschland und Réunion.

Antananarivo ist Mittelpunkt des Transportsystems, das recht begrenzt ist. Das Eisenbahnnetz umfasst etwa 900 Kilometer, das Straßennetz 49 827 Kilometer (1999); 12 Prozent davon sind befestigt. Toamasina ist Haupthafen und wickelt 35 Prozent des Außenhandels des Landes ab. Andere Hafenstädte sind Mahajanga, Toliara und Antsiranana. Auf Madagaskar gibt es vier große Flughäfen, darunter den internationalen Flughafen bei Antananarivo. Air Madagascar ist die nationale Fluggesellschaft.

63,9 Prozent durch Wärmekraft produziert.

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