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Türkei, amtlich Republik Türkei (türkisch Türkiye Cumhuriyeti); Republik in Vorderasien und Südosteuropa. Das Staatsgebiet grenzt im Nordwesten an Bulgarien und Griechenland, im Norden an das Schwarze Meer, im Nordosten an Georgien und Armenien, im Osten an den Iran, im Süden an den Irak, an Syrien und an das Mittelmeer sowie im Westen an das Ägäische Meer. Die Hauptstadt der Türkei ist Ankara.

Die moderne Republik Türkei ist ein Teil des ehemaligen Osmanischen Reiches und wurde 1923 nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches in der Folge des 1. Weltkrieges von Mustafa Kemal Atatürk gegründet.

Der überwiegende Teil der Türkei erstreckt sich auf asiatischem Gebiet zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Der türkische Teil von Thrakien bildet den europäischen Anteil des Landes und umfasst rund drei Prozent der Gesamtfläche. Die Meerengen Dardanellen und Bosporus sowie das zwischen ihnen liegende Marmarameer trennen den europäischen Teil der Türkei vom asiatischen. Innerhalb der Grenzen der Türkei liegen mehrere seismische Zonen; dadurch kommt es im Land häufig zu Erdbeben. Die Gesamtfläche des Landes umfasst 779 452 Quadratkilometer.

Die Türkei kann in sieben Landschaftsräume untergliedert werden: Thrakien und die an das Marmarameer angrenzenden Gebiete, die Regionen am Ägäischen Meer und am Mittelmeer, das Gebiet am Schwarzen Meer, Westanatolien, das inneranatolische Hochland, das Gebirgsland im Osten des Landes und Südostanatolien.

Thrakien und die Gebiete am Marmarameer werden im Landesinneren von einem flachwelligen Hügelland eingenommen. Es ist fruchtbar und wird von zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Trotzdem wird nur etwa ein Viertel der Region als Ackerland genutzt. Im Ostteil dieses Gebiets erhebt sich der Uludað (in der Antike Mysischer oder Bithyrischer Olymp) bis 2 543 Meter. Von den schmalen und hügeligen Küstengebieten am Ägäischen Meer und am Mittelmeer wird nur rund ein Fünftel als Ackerland bewirtschaftet. Im Osten davon, in der Ebene Çukurova, liegt das größte Baumwollanbaugebiet der Türkei. Diese Region ist mit dem Landesinneren durch die Kilikische Pforte (Külek Boðazý) im Taurus verbunden.

Die anatolische Küstenregion ist überwiegend schmal; sie erhebt sich direkt von der Schwarzmeerküste zum Pontischen Gebirge. Auf Grund der steilen Berghänge werden nur etwa 16 Prozent des Gebiets ackerbaulich genutzt. Westanatolien besteht aus unregelmäßig verlaufenden Bergzügen und tiefen Taleinschnitten, die die stark gegliederte ägäische Küste vom Hochland Inneranatoliens trennen; nur knapp ein Fünftel des Landes ist hier für den Ackerbau geeignet. Das inneranatolische Hochland mit der Hauptstadt Ankara liegt durchschnittlich um 1 000 Meter hoch und ist die geographisch größte Region der Türkei. Das Hochland ist vollständig von Gebirgen umschlossen. Höchster Gipfel des inneranatolischen Hochlandes ist der Erciyes Daðý mit 3 916 Metern.

Im Hochgebirgsland im Osten der Türkei vereinigen sich die östlichen Ausläufer von Pontischem Gebirge und Taurus. Dieses ostanatolische Hochland ist die unzugänglichste Gegend der Türkei. Hier liegt der Berg Ararat (Aðrý Daðý), an dem nach der Bibel die Arche Noah landete, und der mit 5 165 Metern der höchste Berg der Türkei ist. In diesem Gebiet entspringen auch die beiden Flüsse Tigris (Dicle) und Euphrat (Fýrat). Der Südosten Anatoliens wird von einem flachwelligen Plateau eingenommen, das im Norden, Osten und Westen von Bergen umgeben ist. Diese Gegend ist Teil des Fruchtbaren Halbmondes und seit der Antike von großer Bedeutung für die Landwirtschaft.

Wegen der großen Höhenunterschiede im Land sind in fast allen Flüssen der Türkei Stromschnellen ausgebildet. Deshalb sind nur wenige Flüsse in Teilabschnitten schiffbar. Aufgrund der jahreszeitlich wechselnden Regenmengen sind einige Flüsse starken Schwankungen des Wasserstandes unterworfen. Eine Reihe von Fließgewässern führt während des trockenen Sommers kein Wasser. Einige Flüsse haben jedoch Bedeutung für die Erzeugung elektrischer Energie durch Wasserkraft oder liefern das Wasser für Bewässerungsanlagen. Der Kýzýlýrmak ist mit einer Länge von 1 150 Kilometern der längste Fluss innerhalb der Landesgrenzen und mündet in das Schwarze Meer. Der Büyük Menderes entwässert Westanatolien in die Ägäis. Euphrat und Tigris entspringen in der Osttürkei und münden nach Durchqueren von Syrien und dem Irak in den Persischen Golf. Der Euphrat wird durch den 1990 fertig gestellten Atatürk-Staudamm (169 Meter Höhe, 1,6 Kilometer Breite) aufgestaut. Damit wird sein Wasserfluss um bis zu 90 Prozent reduziert, was Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem hat.

Der Vansee im Osten des Landes ist der größte See der Türkei. Er ist – wie auch der Tuz Gölü (Großer Salzsee) – ein Salzsee. Die Süßwasserseen Beyþehir, Eðridir Gölu und Burdur Gölu liegen alle im Südwesten des Landes.

Wegen der großen Ausdehnung und der stark gegliederten Oberfläche hat die Türkei Anteil an verschiedenen Klimazonen. An den Küsten des Mittelmeeres und der Ägäis herrscht mediterranes Klima mit langen, heißen Sommern und milden, feuchten Wintern. In Istanbul liegt die mittlere Januartemperatur bei 5 °C, die mittlere Julitemperatur bei 22 °C. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt 720 Millimeter. An der Mittelmeerküste und an der Küste der Ägäis fällt knapp die Hälfte des jährlichen Niederschlags in den Monaten Dezember und Januar.

Das Klima im inneranatolischen Hochland hat kontinentalen Charakter mit großen Temperaturunterschieden im Jahresverlauf. Die Sommer sind heißer, die Winter wesentlich kälter als an der Küste. In Ankara beträgt die mittlere Januartemperatur bei 0 °C, die mittlere Julitemperatur bei 24 °C. Das inneranatolische Hochland liegt im Lee der Randgebirge. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt deshalb nur rund 370 Millimeter und ist somit wesentlich geringer als in den küstennahen Regionen. Im Hochland sind die Niederschläge relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt.

In der Schwarzmeerregion ist das Klima mild, die Niederschlagshöhen können beträchtliche Werte erreichen. Die Jahresmenge nimmt von Westen (um 800 Millimeter) nach Osten (bis 2 000 Millimeter) zu. Im östlichen Hochland sind die Winter kalt und mitunter schneereich. Die höchsten Sommertemperaturen der Türkei herrschen in Südostanatolien; im Juli und August liegen sie im Schnitt über 30 °C.

Der Flächen- und Gebietsschutz der Türkei erstreckt sich über etwa 1,3 Prozent (2000) des Landes und umfasst 21 Nationalparks, 36 Wälder, zahlreiche Naturschutzgebiete, wovon zwei zum Weltnaturerbe erklärt worden sind, und mehrere besonders geschützte Gebiete. Das Land beheimatet 2 400 endemische Pflanzenarten. Thrakien und Westanatolien zeichnen sich durch einen hohen Anteil an mediterraner Vegetation aus; die Flora setzt sich vor allem aus Hartlaubgehölzen und niedrigen, immergrünen Sträuchern (Macchie) zusammen. In den küstennahen Gebieten sind Ölbäume verbreitet. Die Randgebirge sind weitflächig mit Wald bedeckt. Im Taurus herrschen Schwarzkiefern, Tannen, Zedern, Eichen und Wacholder vor, im Pontischen Gebirge sind Buchen- und Eichenmischwälder sowie Wacholderwälder heimisch. In Inneranatolien dominiert eine karge Steppenvegetation mit Gräsern und Kräutern.

Zur Säugetierfauna gehören die Großraubtiere Braunbär, Wolf, Luchs, Goldschakal und Streifenhyäne; weitere Raubtiere sind Wildkatze, Rotfuchs, Steinmarder, Dachs, Mauswiesel, Tigeriltis und Fischotter. Die Paarhuferfauna ist durch Wildschwein, Reh, Rothirsch und Bezoarziege repräsentiert. Greifvögel sind u. a. mit zahlreichen Adlerarten (See-, Stein-, Kaiser-, Schell-, Schrei-, Zwerg- und Schlangenadler) sowie Geiern (Bart-, Mönchs-, Gänse- und Schmutzgeier) vertreten. Bemerkenswerte Großvögel feuchter Gebiete sind Reiher (Nacht-, Kuh-, Rallen-, Seiden-, Silber-, Purpur- und Graureiher), Rosa- und Krauskopfpelikan, Rosaflamingo, Löffler, Sichler, Weiß- und Schwarzstorch. In den Bergflüssen gibt es viele Forellen. In den Küstengewässern leben Meeresschildkröten, Meerbrassen, Makrelen, Thunfische und Steinbutt, im Schwarzen Meer werden Anchovis gefangen.

Die Türkei hat etwa 68,9 Millionen Einwohner (2003); dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 89 Einwohnern je Quadratkilometer. Die am dichtesten besiedelten Gebiete sind der Großraum Istanbul und die Küstenregionen. Die mittlere Lebenserwartung der Bevölkerung liegt bei 72,1 Jahren (2003). Die jährliche Bevölkerungszunahme beträgt rund 1,13 Prozent im Jahr (2003).

Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind Türken. Darüber hinaus leben etwa 20 Prozent Kurden sowie Angehörige zahlreicher kleinerer Gruppen wie Araber, Griechen, Armenier und Tscherkessen in der Türkei. Die Angehörigen dieser ethnischen Gruppen haben ihre kulturelle Identität größtenteils bewahrt.

Das Gebiet der heutigen Türkei war die Heimat ethnisch und kulturell unterschiedlicher Volksgruppen, angefangen von den Hethitern, Phrygern und Assyrern bis zu den Griechen, Persern, Römern und Arabern (siehe Kleinasien). Die nomadischen Vorfahren der heutigen Türken kamen im 11. Jahrhundert n. Chr. aus Zentralasien, eroberten arabische Gebiete und das Byzantinische Reich und setzten sich als Herrscher ein. Sie verbreiteten bei der ansässigen Bevölkerung die türkische Sprache und Kultur, die auch zum Instrument der Verbreitung des Islam in einer vom Christentum geprägten Region werden sollten.

66 Prozent der Einwohner leben in Städten (2001), während es 1945 nur 25 Prozent waren. Die während der letzten Jahrzehnte verstärkt stattfindende Abwanderung aus ländlichen Regionen in die großen Städte zog weit reichende soziale Konsequenzen nach sich. Die größten Städte des Landes sind Istanbul mit 9,45 Millionen Einwohnern (2000), die Hauptstadt Ankara (3,02 Millionen), Izmir (2,41 Millionen), Adana (1,29 Millionen) und Bursa (1,30 Millionen).

Die Amtssprache der Türkei ist das Türkische, das zu den Turksprachen zählt und als Muttersprache oder Zweitsprache von etwa 90 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Türkisch wird seit 1928 in lateinischer Schrift geschrieben (vorher in arabischer Schrift). Die Kurden, die etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, sprechen Kurdisch, eine der iranischen Sprachen. Weitere Minderheitensprachen sind Arabisch, Tscherkessisch, Armenisch und Georgisch.

Seit 1928 ist der Islam nicht mehr die offizielle Staatsreligion der Türkei. Trotzdem bekennen sich 99 Prozent der Bevölkerung zum Islam; sie sind in der Mehrzahl Sunniten, daneben gibt es auch eine starke alewitische Glaubensgemeinschaft. Rund 0,1 Prozent der Einwohner gehören dem Christentum an. Die jüdische Gemeinde umfasst etwa 20 000 Mitglieder.

Die islamischen Feiertage richten sich nach dem Mondkalender und liegen von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Zu ihnen gehört das drei Tage dauernde Þeker Bayramý („Zuckerfest”) am Ende des Fastenmonats Ramazan (Ramadan). Das vier Tage dauernde islamische Fest Kurban Bayramý („Opferfest”) ehrt die Bereitschaft Abrahams, auf Befehl Allahs seinen einzigen Sohn Isaac zu opfern. Zu dieser Zeit findet auch die Wallfahrt nach Mekka statt. Die weltlichen Feiertage der Türkei orientieren sich am gregorianischen Kalender. Zu ihnen gehören der Neujahrstag (1. Januar), der Tag der Nationalen Souveränität (23. April, gleichzeitig Tag des Kindes), der Atatürk-Gedenktag und Tag der Jugend (19. Mai), der Tag des Sieges (30. August) und der Tag der Republik (29. Oktober). In manchen Gebieten ist auch der Tag vor dem Tag der Republik ein Feiertag. Der Tag der Nationalen Souveränität erinnert an die Eröffnung der Großen Nationalversammlung (Bezeichnung des Parlaments) am 23. April 1923.

Die medizinische Versorgung der sozial schwächeren Bevölkerungsteile wird in der Türkei staatlich finanziert. In ländlichen Gegenden sind medizinische Einrichtungen und medizinisch ausgebildete Fachkräfte knapp. Insgesamt gesehen liegt die Versorgung mit Fachpersonal und Medikamenten weit unter dem europäischen Durchschnitt: 1999 kamen auf einen Arzt 859 Einwohner. Die Arbeitslosenquote beträgt 10,6 Prozent (2000).

Das von Atatürk eingeführte und von seinen Nachfolgern ausgebaute moderne Schulsystem ist an europäischen Vorbildern orientiert.

In der Zeit der Gründung der Republik waren über 90 Prozent der Bevölkerung Analphabeten. Atatürk leitete ein umfassendes Bildungsprogramm ein, und in der ersten Verfassung wurde eine allgemeine Schulpflicht für die Grundschule und der gebührenfreie Besuch aller staatlichen Schulen verankert. Es besteht allgemeine Schulpflicht für die Dauer von 9 Jahren (2000). Durch die systematische Förderung des Bildungswesens konnte der Alphabetisierungsgrad auf 87 Prozent angehoben werden (2003). In einigen ländlichen Gebieten ist die Ausstattung mit Bildungseinrichtungen noch gering.

Der Zugang zu den Universitäten der Türkei ist einem strengen Auswahlverfahren unterworfen. Zu den wichtigsten Hochschuleinrichtungen gehören die Universität Istanbul (1453 gegründet), die Universität der Ägäis (1955) in Izmir, die Universität Ankara (1946) und die Technische Universität des Nahen Ostens (1956) in Ankara.

Zu den staatlich geleiteten kulturellen Institutionen der Türkei gehören die beiden Opernhäuser in Istanbul und Ankara, die Kunstakademie in Istanbul, drei Musikkonservatorien sowie eine Volkstanztruppe. In Istanbul, Edirne, Bursa und in anderen Städten gibt es christliche Kirchen, die zu Moscheen umgebaut wurden, sowie von dem berühmten türkischen Architekten Sinan erbaute Moscheen. Der Sultanspalast Topkapý Sarayý ist heute ein Museum, das die kaiserlichen Schätze und die Reliquien des Propheten Mohammed beherbergt. Das Museum für anatolische Zivilisation in Ankara verfügt u. a. über Exponate aus der Zeit der Hethiter und Phryger. Zu den größten Bibliotheken der Türkei gehören die Nationalbibliothek in Ankara und die Bajasid-Staatsbibliothek in Istanbul.

In der Türkei fand ein allmählicher Übergang von den islamischen Kunsttraditionen des Osmanischen Reiches (siehe islamische Kunst und Architektur) zu einer an westlichen Vorbildern orientierten Kunst statt. Inzwischen suchen immer mehr Künstler neuerlich nach Ausdrucksformen einer spezifisch türkischen Kunst.

Die älteste türkische Poesie lebt in der Volksdichtung der Kirgisen fort; ihr Heldenepos Manas wurde mündlich überliefert. Die ersten mystischen Dichtungen stammen von Yunus Emre und anderen Schriftstellern des 14. Jahrhunderts und führten zur Hof- und Gelehrtendichtung oder Diwan-Dichtung. Volkstümlichere Dichtkunst wurde von Minstrels gesungen; diese Tradition hat noch heute Bestand. Kemal Tahir zählt ebenso zu den bedeutendsten modernen Romanautoren der Türkei wie Yaþar Kemal; zu seinen Werken gehören Ince Memed (1955, Memed, mein Falke), der preisgekrönte Roman eines modernen Robin Hood, der dem Autor zu seinem internationalen Ruf verhalf, Teneke (1955, Anatolischer Reis) und Bin Boðalar Efsanesi (1971, Das Lied der Tausend Stiere), eine Geschichte, die Mythos und realen Untergang eines Nomadenstammes verbindet. Auch im Ausland bekannt ist Nazým Hikmet, ein Marxist, der seine Gedichte in derbem umgangssprachlichem Türkisch schrieb und freie Verse in die türkische Literatur einführte.

In der Türkei gibt es rund 330 Tageszeitungen, von denen die meisten nur eine geringe Auflagenhöhe erreichen. Die einflussreichsten Blätter sind Cumhuriyet, Sabah, Hürriyet, Milliyet und Türkiye; sie werden alle in Istanbul verlegt. Zudem erscheinen viele Wochen- und Monatszeitschriften. Die Regierung betreibt vier nationale Radiosender und fünf Fernsehsender; außerdem sind mehrere private und staatliche Fernsehstationen in Betrieb.

Der Versuch vonseiten der Alliierten und Griechenlands, das Land nach dem 1. Weltkrieg aufzuteilen, führte zum türkischen Unabhängigkeitskrieg unter der Führung von Mustafa Kemal Atatürk. Am 29. Oktober 1923 wurde die türkische Republik ausgerufen. Es folgte eine Reihe von Modernisierungsmaßnahmen, darunter im Jahr 1924 die Abschaffung der religiösen Gerichte; 1934 erhielten die Frauen das Wahlrecht, seit Oktober 2001 garantiert die Verfassung die Gleichstellung von Mann und Frau.

Das Mehrparteiensystem wurde 1946 eingeführt, als die neu gegründete Demokratische Partei durch eine Koalition mit der Republikanischen Volkspartei 62 Parlamentssitze gewann. 1950 errang die Demokratische Partei einen Wahlsieg. Zunehmende Spannungen zwischen den Parteien beschworen eine Staatskrise herauf, die zu einem Militärputsch führte; die Junta führte daraufhin die Staatsgeschäfte von 1960 bis 1961. Im Jahr 1961 wurde eine neue Verfassung angenommen. Bei den darauf folgenden allgemeinen Wahlen gab es keine klaren Mehrheitsverhältnisse, und verschiedene Parteien stellten eine Reihe von Koalitionsregierungen auf. Nach einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Terrorakte in den siebziger Jahren verhängte eine zweite Militärjunta 1980 das Kriegsrecht und löste alle politischen Parteien auf. Nach Billigung einer neuen Verfassung durch den Volksentscheid vom November 1982 wurde Ende 1983 wieder eine Zivilregierung eingesetzt. Die Verfassung von 1982 hat seither Bestand. Die letzten Verfassungsänderungen wurden im Oktober 2001 vorgenommen. Nationalfeiertag ist der 29. Oktober, der „Tag der Republik”, der an die Ausrufung der Republik im Jahr 1923 erinnert.

Nach der Verfassung von 1982 ist die Große Nationalversammlung (Einkammerparlament) das gesetzgebende Organ. Sie besteht aus 550 Mitgliedern, die in direkter Wahl auf fünf Jahre gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Regierungschef ist der Ministerpräsident, der die Mehrheitspartei bzw. die Mehrheitskoalition repräsentiert. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählte Präsident. Er ernennt den Ministerpräsidenten und auf dessen Vorschlag die Minister. Eine Wiederwahl des Präsidenten ist nicht möglich.

Das türkische Rechtswesen wurde 1923 nach italienischem (Strafrecht) und nach schweizerischem Vorbild (Privatrecht) gestaltet. Nach der Verfassung von 1982 entscheidet das Verfassungsgericht über die Verfassungsmäßigkeit der vom Parlament verabschiedeten Gesetze. Das Kassationsgericht ist die letzte Berufungsinstanz. Daneben gibt es eine große Zahl nachgeordneter Zivil- und Militärgerichtshöfe.

Die Türkei ist in 79 Provinzen (Ýl) untergliedert, an deren Spitze ein Gouverneur (Vali) als Regierungsvertreter steht. Die Provinzen sind in Bezirke (Ýlçe) und Gemeinden (Bucak) unterteilt. Den Bezirken kommt nur geringe politische Bedeutung zu. Die Gemeinden können Gemeindesteuern erheben und verfügen über weitere Vollmachten auf lokaler Ebene.

Nach dem Staatsstreich von 1980 wurden sämtliche politischen Parteien aufgelöst, zahlreiche Politiker und Parteiführer wurden für zehn Jahre von der Übernahme politischer Ämter ausgeschlossen. 1983 wurde wieder eine zivile Regierung eingesetzt. Aus den Parlamentswahlen von 1999 gingen als wichtigste politische Parteien hervor: die Demokratische Partei der Linken (DSP; Demokratik Sol Partisi), die Partei der nationalen Bewegung (MHP; Milliyetçi Hareket Partisi), die Tugendpartei (FP; Fazilet Partisi) als Nachfolgepartei der 1998 verbotenen islamistischen Wohlfahrtspartei (RP; Refah Partisi), die Mutterlandspartei (ANAP; Anavatan Partisi), die Partei des Rechten Weges (DYP; Doðru Yol Partisi). Die ehemals starke sozialdemokratische Republikanische Volkspartei (CHP; Cumhuriyet Halk Partisi) war im Parlament nicht mehr vertreten. Die Partya Karkeren Kurdistan (PKK; Arbeiterpartei Kurdistans) ist verboten und spielt folglich im Parlament keine Rolle. Im Juni 2001 verbot das türkische Verfassungsgericht auch die Tugendpartei als gegen den säkularen Charakter des Staates gerichtet; Politiker dieser Partei gründeten wenige Wochen später die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP). Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 3. November 2002 schafften aufgrund der Zehnprozentklausel nur zwei Parteien den Einzug ins Parlament: die AKP und die CHP.

Die Streitkräfte der Türkei setzen sich aus insgesamt 514 850 Soldaten zusammen (2001). Circa 30 000 Mann sind in der Republik Nordzypern, dem von der Türkei kontrollierten Teil Zyperns, stationiert. Der Grundwehrdienst hat eine Dauer von 18 Monaten und ist für alle türkischen Männer Pflicht.

Die Türkei ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN) und des Nordatlantischen Verteidigungspaktes (NATO). Sie ist auch ein assoziierter Staat der Europäischen Union.

Die schnelle Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum der achtziger Jahre basierten auf der gezielten Förderung der Wirtschaft durch staatliche Investitionen. Neben Erfolgen bei den Beschäftigungs- und Produktionszahlen verzeichnete die Türkei jedoch auch eine hohe Staatsverschuldung und eine hohe Inflationsrate. Das Wirtschaftswachstum, das zu einem Konjunkturaufschwung unter Präsident Turgut Özal führte, kam in den späten achtziger Jahren zum Erliegen. Die Regierung der Ministerpräsidentin Tansu Çiller versuchte mit Hilfe eines Kredits vom Internationalen Währungsfonds (IWF) das hohe Staatsdefizit nach Jahren der Budgetüberziehung zu reduzieren. Die Preise stiegen zwischen 1994 und 1995 um rund 150 Prozent an, während die durchschnittlichen Lohnerhöhungen um etwa 30 Prozent hinter dieser Entwicklung zurückblieben. 2002 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 183 665 Millionen US-Dollar (Dienstleistungen 60,1 Prozent, Industrie 26,8 Prozent, Landwirtschaft 13,1 Prozent), woraus sich ein BIP pro Kopf von 2 640 US-Dollar ergibt.

33 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiteten 2001 in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, 43 Prozent im Dienstleistungsgewerbe und 24 Prozent in der Industrie. Über eine Million türkischer Staatsbürger arbeiten im Ausland, insbesondere in Deutschland und Saudi-Arabien. Der bedeutendste Gewerkschaftsdachverband ist der Bund türkischer Gewerkschaften mit über 1,9 Millionen Mitgliedern.

Innerhalb der Türkei besteht hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung ein markantes West-Ost-Gefälle zwischen dem industriell geprägten Westteil und dem mehr auf Landwirtschaft ausgerichteten Ostteil. Außenwirtschaftlich sucht die Türkei eine engere Einbindung in die Europäische Union und strebt nach stärkerer Einflussnahme im zentralasiatischen und im kaukasischen Wirtschaftsraum.

Eine hohe Auslandsverschuldung (rund 115 Milliarden US-Dollar) und ein enormes Staatsdefizit belasteten gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Wirtschaft des Landes. Die Regierung unter Ministerpräsident Bülent Ecevit verabschiedete daher ein Reformprogramm, um der türkischen Wirtschaft zur Stabilität zu verhelfen. So sollte beispielsweise die Privatisierung der zahlreichen Staatsbetriebe beschleunigt und die Korruption entschlossener bekämpft werden. Trotz einiger Anfangserfolge (die Inflationsrate sank z. B. unter die 50-Prozent-Marke) geriet das Programm jedoch in der zweiten Hälfte des Jahres 2000 ins Stocken. Als äußerst brisant erwies sich das marode Bankensystem der Türkei, auf dem ein immenser Schuldenberg lastete. Im Zuge der Überprüfung von Kreditinstituten deckten die türkischen Ermittler bei verschiedenen Privatbanken u. a. Steuerhinterziehungen, Veruntreuungen von Geldern und Verschuldungen in Milliardenhöhe auf. Mindestens zehn Institute wurden unter staatliche Zwangskontrolle gestellt.

Der Bankenskandal verunsicherte Anleger und Investoren zusehends. Spekulationen über weitere Bankenzusammenbrüche lösten schließlich einen panikartigen Ansturm auf Devisen und eine massive Kapitalflucht aus. Daraus entwickelten sich Liquiditätsengpässe, die schließlich im November 2000 in einer schweren Finanzkrise mündeten. Als Gegenmaßnahme gab die türkische Zentralbank mehrere Milliarden US-Dollar aus den staatlichen Währungsreserven frei. Vom Internationalen Währungsfonds erhielt die Türkei einen Sofortkredit von 11,4 Milliarden US-Dollar.

Nach einer Zwischenphase folgte im Februar 2001 eine Staats- und Wirtschaftskrise. Vorangegangen war ein Streit zwischen Ministerpräsident Ecevit und Staatspräsident Ahmed Necdet Sezer, bei dem es um die Bekämpfung der Korruption ging. Auch diesmal führten Spekulationen zu einer Welle der Kapitalflucht. Die Zentralbank konnte den Wechselkurs der türkischen Lira nicht stabilisieren und musste den Kurs zwecks Abwertung freigeben. Allein am Tag der Freigabe brach der Wechselkurs der türkischen Lira innerhalb weniger Stunden um 40 Prozent ein. Die Wirtschaftskrise trieb zahlreiche Kleinunternehmen in den finanziellen Ruin, viele Kleinanleger verloren den größten Teil ihres Kapitals. Bei Massenprotesten wurde die Regierung aufgefordert, ein Ende der Krisensituation herbeizuführen. Einige Straßendemonstrationen in verschiedenen türkischen Städten im April 2001 waren von schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Verletzten begleitet. Der Internationale Währungsfonds gewährte der Türkei einen weiteren Kredit von sechs Milliarden US-Dollar.

Seit 1950 erhöhte sich die landwirtschaftliche Produktion durch den vermehrten Einsatz von Maschinen, Düngemitteln und geeigneteren Pflanzensorten. Trotzdem ist die Produktivität vergleichsweise gering, da viele Bauern nach wie vor mit relativ unwirksamen Methoden arbeiten und die meisten Betriebe sehr klein sind. Etwa ein Drittel des Staatsgebiets wird als Ackerland genutzt, ein weiteres Drittel dient als Weideland. Aufgrund der Lage in unterschiedlichen Klimazonen können in der Türkei viele Anbaufrüchte kultiviert werden. Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Getreide (vor allem Weizen, Gerste, Roggen und Mais), Zuckerrüben sowie Obst und Gemüse (u. a. Zwiebeln, Auberginen, Melonen, Tomaten, Trauben, Äpfel und Zitrusfrüchte). Weitere bedeutende Anbaufrüchte sind Nüsse, Kartoffeln, Baumwolle, Tabak und Oliven. Durch den Bau zahlreicher Stauanlagen konnte der Bewässerungsfeldbau weiter ausgedehnt werden. Auch die Viehwirtschaft ist von Bedeutung. Sie umfasst vor allem die Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Eseln, Büffeln und Hühnern.

Obgleich 13,3 Prozent der Gesamtfläche der Türkei bewaldet sind, ist die Holzindustrie relativ unbedeutend, da nur knapp ein Drittel der Waldfläche wirtschaftlichen Wert besitzt. Rund zwei Drittel des Holzeinschlages werden als Brennholz, der Rest (u. a. Walnussbäume, Zedern und Pappeln) als Nutzholz verwendet.

Der Fischfang wird verstärkt gefördert. Die Hauptfanggebiete sind das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Über die Hälfte des Fanges besteht im Allgemeinen aus Anchovis. Daneben werden u. a. noch Makrelen, Sardinen, Barben und Karpfen gefangen.

Die Türkei verfügt über Vorkommen an Steinkohle, Braunkohle, Eisenerz und Chrom; das Land ist einer der bedeutendsten Chromerzförderer der Welt. Im Südosten wird Erdöl gefördert. Darüber hinaus gibt es kleinere Vorkommen an Blei-, Zink-, Kupfer- und Silbererz.

Führende Erzeugnisse der verarbeitenden Industrie sind Nahrungsmittel, Textilien, Eisen und Stahl, Erdöl, chemische Produkte, Fahrzeuge, Papier und Zigaretten. Die bedeutendsten Industriestandorte sind Istanbul, Ankara, Izmir und Bursa.

Die staatliche Eisenbahn der türkischen Republik verfügt über ein Schienennetz mit einer Länge von 8 671 Kilometern (2000). Das Straßennetz umfasst 354 373 Kilometer (1999). Die führenden Häfen der Türkei sind Istanbul und Izmir; weitere wichtige Hafenstädte sind Trabzon, Giresun, Samsun sowie Zonguldak am Schwarzen Meer und Iskenderun und Mersin im Süden. Die nationale Fluggesellschaft Turkish Airlines bietet Inlands- und Auslandsflüge an. Internationale Flughäfen befinden sich in Istanbul, Ankara, Adana, Antalya und Izmir.

Währungseinheit der Türkei ist die Türkische Lira, bestehend aus 100 Kuruþ. Die Zentralbank der Republik Türkei (1930 gegründet) ist die Notenbank des Landes. Daneben gibt es eine Reihe von Staatsbanken wie die Landwirtschaftsbank der Republik Türkei (1863 gegründet), die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unterstützen, sowie mehrere Geschäftsbanken. Die bedeutendste Börse der Türkei ist in Istanbul.

Die jährlichen Importkosten der Türkei sind im Allgemeinen höher als die Exporterlöse, die Handelsbilanz ist dementsprechend negativ. Importiert werden vorwiegend Erdöl, Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte, Düngemittel, Eisen und Stahl sowie Fahrzeuge. Hauptexportgüter sind Textilien, Obst und Gemüse, chemische Erzeugnisse, Metalle, Tabak und Weizen. Der Tourismus ist für die Türkei eine wichtige Devisenquelle. Die Haupthandelspartner des Landes sind Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien, Russland und die USA.

Im März 1995 stimmte die Europäische Union (EU) der Aufnahme der Türkei in die Zollunion zu (seit dem 1. Januar 1996 in Kraft getreten). Allerdings ist bis jetzt dem Wunsch der Türkei, vollständig in die EU aufgenommen zu werden, nicht entsprochen worden. Ursache hierfür sind Differenzen zwischen der EU und der Türkei (z. B. Spannungen zwischen Türkei und Griechenland, Kurdenpolitik der Türkei, Einhaltung der Menschenrechte).

20,39 Prozent des Gesamtenergiebedarfs erzeugen Wasserkraftwerke (2001). Eine große Wasserkraftanlage befindet sich am Euphrat in der Nähe von Elâzýð. Rund 40 Prozent des Energiebedarfs erzeugen Wärmekraftwerke. Hier ist als zweiter großer Energieträger Erdöl zu nennen. Im April 1995 unterzeichneten Aserbaidschan und die Türkei ein Abkommen, das den türkischen Anteil in einem Projekt zur Erschließung der aserbaidschanischen Ölfelder auf 6,75 Prozent erhöhte. Schätzungen zufolge enthalten diese Ölfelder im Kaspischen Meer 3,8 Millionen Barrel Rohöl, das über eine Pipeline zu einem türkischen Mittelmeerhafen transportiert werden soll.

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